REZENSION

HOMEFARMING: DAS SPIEL

  • Genre: Familienspiel
  • Jahr: 2024
  • Verlag:KOSMOS
  • Autoren: Judith Rakers, Michael Kallauch
  • Grafik: Michaela Kienle, Sandra & Oliver Freudenreich
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: ca. 50 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel
  • Taktiklevel: 7/10

Säen und Ernten

Mit dem eigenen Garten zum Selbstversorger werden - das kann euch mit Homefarming gelingen. Ex-Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers hat da zum Thema bereits einige Produkte, u.a. Bücher, veröffentlicht. Nun folgt das Spiel. 

REGELN

Nehmt euch jeweils ein eigenes Gartentableau und die Aktionsmarker eurer Farbe, wobei die Anzahl der Marker von der Spielerzahl abhängt. Legt den Spielplan zunächst mit der Einsteiger-Variante in die Mitte. Mischt die Pflanzen-Karten getrennt nach Kategorie (Obst / Gemüse Schwachzehrer, Gemüse Mittelzehrer und Gemüse Starkzehrer), bildet daraus vier Stapel und legt unter jedem Stapel drei erste Karten offen aus. Zieht außerdem von jedem Stapel zwei Karten auf die Hand und wählt aus diesen Karten dann vier aus, mit denen ihr ins Spiel startet.

Gespielt werden 3 Gartenjahre. Jedes Gartenjahr geht von März bis November und ist auf dem Spielplan durch einen Laufweg mit diversen Aktionsfeldern dargestellt, die jeweils den Monaten zugeordnet sind.

Der Startspieler wählt ein erstes freies Aktionsfeld auf dem Spielplan aus, indem er es mit einem seiner Aktionsmarker belegt. Die Aktion wird direkt ausgeführt, je nach gewähltem Feld ggf. auch mehrfach. Einige Felder sind gestrichelt umrandet; diese Felder benötigen beim Belegen zwei Aktionsmarker. Dann ist die nächste Person dran.

Im nächsten eigenen Spielzug wird ein neues freies Aktionsfeld gewählt, das sich allerdings zeitlich nach dem zuletzt gewählten Feld befinden muss, heißt: Wähle ich beispielsweise das letzte Aktionsfeld im April (ganz am Ende des Monats), kann ich später kein Feld mehr am Anfang des Aprils oder gar im März auswählen, sondern muss in den Mai oder einen der folgenden Monate springen.

Auf diese Weise wird reihum gespielt, bis niemand mehr Aktionsmarker einsetzen kann.

Folgende Aktionen gibt es:

  • Saatgut kaufen: Wähle ich dieses Feld, ziehe ich eine neue Karte aus der Auslage auf die Hand (ggf. auch mehrfach, wenn mir dies das Feld erlaubt).
  • Säen: Wähle ich dieses Feld, spiele ich eine Karte von meiner Hand auf ein Beet meiner Gartentafel. Dabei muss ich den Aussaat-Zeitraum der Pflanze (grüne Markierung auf der Karte) beachten. Erfordert es eine Pflanze beispielsweise, im Mai, Juni oder Juli ausgesät zu werden, dann muss ich auch das Aktionsfeld in einem dieser Monate belegen. Manche Felder erlauben es, gleich mehrere (passende) Karten auf einmal auszuspielen. Achtung: Obst kann nicht im selben Jahr geerntet werden, sodass die Karte erst einmal mit der Rückseite nach oben in den Garten gelegt wird.
  • Ernten: Um die Lecker-Punkte (ggf. mit Kümmer-Bonus) einer Pflanze zu erhalten, muss sie im Zeitraum geerntet werden, der auf der Karte ablesbar ist (orange Markierung). Der Aktionsmarker muss also auch hier wieder in einem Monat platziert sein, der zur Karte passt, die geerntet werden soll. Manche Felder erlauben es, mehrere (passende) Karten zu ernten.
  • Hühner: Wähle ich dieses Feld, erhalte ich ein (oder mehrere) Hühner-Plättchen, zunächst mit der Rückseite nach oben. Damit die Hühner sich sichtbar in meinem Garten befinden, muss ich mich um sie kümmern.
  • Kümmern (Herz): Hier erhalte ich einen oder mehrere Kümmer-Marker. Damit kann ich Bonusfelder auf Pflanzen oder noch verdeckt ausliegende Hühner aktivieren.


Auf manchen Aktionsfeldern gibt es zudem ein lilafarbenes Käfer-Symbol. Wird ein solches Feld belegt, wird eine Plage-Karte aufgedeckt. Ihr Effekt gilt dann für alle Personen. So können Pflanzen aufgrund eines Schädlings eingehen, Punkte wegen einer Dürre flöten gehen, oder der Habicht stielt mir ein Huhn aus dem Garten.

Am Ende eines Gartenjahres, „Gartenruhe“, gibt es Punkte für sichtbare Hühner im eigenen Garten (je mehr Hühner, umso mehr Punkte, wobei die Plättchen danach wieder auf die Rückseite gedreht werden, heißt: Ich muss mich jedes Jahr neu um die Tiere kümmern), zudem verdirbt nun Gemüse, das ich nicht rechtzeitig geerntet habe. Obstkarten werden auf ihre Vorderseite gedreht, sodass sie im folgenden Jahr Früchte tragen, die im Erntezeitraum beim Belegen des entsprechenden Aktionsfelder in Punkte gewandelt werden können. Manche Obstpflanzen erfordern zwei identische Exemplare im Garten, damit sie geerntet werden können. Jeder erhält nun noch seine Aktionsmarker zurück, und der Startspieler-Marker wird weitergegeben.

Spielende: Nach drei gespielten Jahren gewinnt, wer die meisten Lecker-Punkte gesammelt hat.

Auf der Rückseite des Spielplans gibt es eine Profi-Variante. Da gibt es das neue Aktionsfeld „Bauen“. Gebaut werden können Gewächshäuser im eigenen Garten, um Karten mit Gewächshaus-Symbol ernten zu können (andere Pflanzen liefern mit Gewächshaus einen zusätzlichen Lecker-Punkt). Jedes Gewächshaus bringt mir auch direkt beim Bau 3 Lecker-Punkte ein. Weitere Lecker-Punkte kann ich auch durch den Bau diverser Schutzmaßnahmen erzielen. So kann mich die Regentonne beispielsweise vor der Dürre schützen oder ein Hühnergehege vor den Fressfeinden meines Federviehs. 

In der Profi-Version werden dann auch noch Fruchtwechsel und Fruchtfolge beachtet. Soll ein geerntetes Beet neu mit Gemüse bepflanzt werden, muss die neue Pflanze aus einer anderen botanischen Gattung stammen sowie einen anderen Zehrgrad aufweisen, kurz: Die Farben der Banderole oben und des Halbkreises unten auf der Karte müssen sich von denen der vorherigen Karte unterscheiden.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • gute thematische Umsetzung
  • lehrreich
  • erfordert spielerische Planung


CONTRA

  • kleine Ungereimtheiten bei den Kartenwerten
  • Spielerzahl bestimmt die Anzahl der Möglichkeiten
  • auf Dauer etwas repetitiv

MEINUNG

War es schon immer euer Traum, mit eurem Garten zum Selbstversorger zu werden? Zugegeben, meiner bislang nicht, wobei man ja doch gewisse Vorzüge nicht leugnen kann. Da ist man zum einen unabhängiger von den Lebensmittelpreisen, außerdem hat man eine Kontrolle über den Anbau, sodass man keine Angst vor versteckten Pestiziden im Essen haben muss. Nun gut, ein gewisse grüner Daumen wäre bei diesem Unterfangen von Vorteil, auch muss man sich auf Schädlinge oder andere negative Umwelteinflüsse einstellen, kurzum: Man sollte schon wissen, was man da tut. Das betrifft besonders auch die Aussaat- und Ernte-Zeiträume der Pflanzen.

Judith Rakers, vielen wohl noch aus der Tagesschau bekannt, hat sich diesem Thema angenommen. Unter dem Titel Homefarming ist eine ganze Produktwelt entstanden. Und wer sich dem Thema nicht übers Aneignen von Fachwissen per Buch nähern möchte, sondern lieber spielerisch, der hat mit Homefarming: Das Spiel nun Gelegenheit dazu. In der Tat hat man sich hier viel Mühe gegeben, auch Wissen zu vermitteln, allein durch den Spielablauf, der dreimal die Abfolge eines Gartenjahres darstellt, aber auch durch die schönen Zusatzinfos auf den Karten. Das ist alles gut gemacht, sofern man eben Interesse am Gärtnern hat.

Spielerisch ist Homefarming: Das Spiel dann tatsächlich anspruchsvoller, als man es vielleicht auf den ersten Blick vermutet. Das ist kein simples Laufspiel; da müssen Aktionen geplant, aufeinander abgestimmt, da muss das Timing beachtet werden, um am Ende nicht nur verdorbenes Gemüse in den Beeten vorzufinden. Das Worker-Placement-Prinzip mit Zeitabfolge ist da sehr dynamisch, vor allem auch interaktiv, denn was mir die Konkurrenz an Aktionsfeldern wegschnappt, kann ich selbst nicht mehr belegen. Manchmal lohnt es sich, da Mut zur Lücke zur beweisen und gleich große Schritte im Jahr nach vorn zu machen. Diese Planung unter Berücksichtigung der Karten gefällt mir gut, insbesondere mit dem lehrreichen Aspekt sind das für mich bis hierhin gute 7 Punkte.

Tauchen wir stärker ins Spielgeschehen ein, gibt es jedoch auch Momente im Spiel, die ich nicht ganz so stimmig finde. Zum einen bestimmt schon einmal die Spielerzahl über die Anzahl der Aktionschips und damit auch über die eigenen Möglichkeiten. Gerade jüngeren Kindern kann dann auch mal die Lust vergehen, wenn die Konkurrenz ständig die Pläne durchkreuzt und einem beispielsweise das wichtige Erntefeld wegschnappt, was dann zur Folge hat, das gleich drei Gemüsepflanzen keine Punkte mehr liefern. So etwas kann einen ärgern, genau wie die nicht planbaren Plagen. Da kümmere ich mich liebevoll um meine Hühner, und plötzlich stiehlt sie mir der Fressfeind. Und auch die Lecker-Punkte scheinen nicht immer so ganz ausgewogen zu sein. Natürlich ist es einfacher, eine Pflanze mit einem breiten Aussaat- und Ernte-Zeitraum in Punkte zu verwandeln, als eine Pflanze, die mir vielleicht nur zwei Monate zum Aussäen und Ernten gibt. Dennoch sind viele dieser Karten gleichwertig. Da hätte ich mich aus spielerischer Sicht schon stärkere Unterschiede in der Wertigkeit gewünscht. Hinzu kommt, dass die Abfolge der Aktionen (Kaufen, Säen, Ernten) vorgegeben ist, sodass sich das Spiel auf Dauer etwas repetitiv anfühlt. So würde ich dann aus dieser Perspektive nur noch 6 Kultpunkte vergeben wollen, wobei ...

Mit der Profi-Variante kommt mehr Einfluss ins Spiel, was die negativen Ereignisse angeht. Da kann ich mich, entsprechend meiner taktischen Ausrichtung, auch aktiv gegen diese Glücksfaktoren in Form der Schädlinge und Umweltkatastrophen schützen.

Hat Homefarming: Das Spiel nun eine Daseinsberechtigung abseits des Lernfaktors? Nun, ich würde mir das Spiel wahrscheinlich nicht bevorzugt ins Spieleregal holen, einfach, weil mich das Thema jetzt persönlich nicht besonders abholt, aber dafür kann das Spiel nichts. Ich bin ja auch kein großer Fan der Rosenberg-Expertenspiele mit landwirtschaftlichem Thema. Das ist einfach persönlicher Geschmack. Spielerisch ist Homefarming: Das Spiel kein neues Agricola, aber das wäre auch nicht gewollt, denn die Zielgruppe ist ja doch eindeutig eine andere. Das Spiel kommt bei Garten-affinen Personen gut an, auch können Kinder ans Thema herangeführt werden, ohne dass das Spiel dabei gänzlich banal wäre. Der Denkanspruch beim Kombinieren von Karten und Aktionen, vor allem beim Timing, erreicht da fast schon Kennerspiel-Niveau. Mit den Abzügen in der B-Note sind das alles in allem für mich dann 6 bis gute 7 Kultpunkte. Sympathisch ist das Spiel auf seine Art und Weise auf jeden Fall - vorausgesetzt, man empfindet den eigenen Garten nicht nur als lästige Arbeit.

VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/7O0oz0zMpkQ

KULTFAKTOR: 6-7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 6/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 07.07.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: KOSMOS
Weitere Fotos: Spielkultisten