REZENSION

GREASE MONKEY GARAGE

  • Genre: Familien-/ Taktikspiel
  • Jahr: 2023 (deutsche Version)
  • Verlag: Board Game Circus
  • Autor: Fedor Sosnin
  • Grafik: Fedor Sosnin
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: ca. 30 bis 40 Min.
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 6/10

Besser Öl als Sand im Getriebe

In der Autowerkstatt herrscht reges Treiben. Bis zu vier Mechanikerinnen-Duos und ein Lehrling geben alles, um die defekten Fahrzeuge wieder in Gang zu setzen. Dazu braucht es Ressourcen, aber die sind knapp. Wie praktisch, dass die Lager der Konkurrenz nicht verschlossen sind ...

REGELN

Puzzelt zunächst den Rahmen mit der Punkteleiste für den modularen Spielplan zusammen. Belegt die freie Fläche dann mit den doppelseitig bedruckten Ortsplättchen, im ersten Spiel nach Anleitung, in weiteren Partien alternativ in individueller Anordnung. Stellt den Lehrling auf den Ort unten links sowie eure erste eigene Mechanikerin auf den Ort oben rechts. Die zweite Mechanikerin in der eigenen Farbe wartet erst einmal im eigenen Lager auf ihren möglichen Einsatz. Die Figuren auf dem Spielplan werden dann während der Partie durch die Werkstatt bewegt, um auf den verschiedenen Orten Aktionen auszuführen. 

Mischt die Autoschlüssel und zieht einen zufälligen. Somit bestimmt ihr die Person, die das Spiel beginnt. Diese Person legt ihren Schlüssel offen vor sich, die anderen Schlüssel kommen zurück in die Schachtel.

Mischt die Autokarten und deckt eine Karte mehr auf, als Personen am Spiel teilnehmen. Legt außerdem je 8 / 10 / 12 Ressourcen jeder Art (Motorteile, Reifen, Öl und Werkzeug) für 2 / 3 / 4 Teilnehmer bereit. Mischt nun noch die Ereigniskarten zu einem verdeckten Stapel. Zieht außerdem jeweils eine geheime Bonuskarte, die euch am Spielende für reparierte Fahrzeuge der angegebenen Art / Farbe belohnt. 

Nun kann das Spiel beginnen. Gespielt wird eine nicht festgelegte Anzahl an Runden. Zu Beginn jeder Runde wird eine neue Ereigniskarte aufgeckt, die für alle Personen gilt. Karten mit grünem Text liefern auch eine Option, die ihr in dieser Runde nutzen dürft (z.B. eine Gratis-Ressource oder eine zusätzliche Bewegung in der Werkstatt), Karten mit rotem Text geben einen verpflichtenden Effekt vor (z.B. die Abgabe einer Ressource oder einen Mangel an Ressourcen im Vorrat etc.).

Dann wird reihum gespielt. Bist du am Zug, bewegst du zunächst den Lehrling auf einen orthogonal angrenzenden Ort und führst, wenn möglich, die Aktion des Ortes aus. Danach bewegst du optional auch deine Mechanikerin auf einen orthogonal angrenzenden Ort und führst auch dort die Aktion des Ortes aus. Einige Orte liefern auch zwei Aktionen zur Auswahl. Bewegst du deine Mechanikerin nicht, darfst du die Ortsaktion des aktuellen Standortes nicht erneut ausführen.

Folgende Aktionen sind möglich:

  • Kaputtes Fahrzeug zur Reparatur annehmen: Suche dir eine ausliegende Fahrzeugkarte aus (oder nimmt die oberste vom Stapel) und lege sie links neben dein Lager-Tableau. Defekte Autos bringen nach ihrer Reparatur die aufgedruckten Siegpunkte. Für die Reparatur sind die auf der Karte vorgegebenen Ressourcen nötig.
  • Ressourcen erhalten: Nimm dir so viele Ressourcen der angegebenen Art aus dem Vorrat, wie es das Ortsplättchen vorgibt. An einem weiteren Ort gibt es zudem eine beliebige Ressource. Achtung! Sind nicht genügend Ressourcen einer Art im Vorrat, stiehlst du die fehlenden Teile einfach aus den Lagern der Konkurrenz.
  • Ressourcen tauschen: Gib bis zu vier Ressourcen aus deinem Lager ab und nimmt die entsprechende Anzahl an anderen Ressourcen aus dem Vorrat. Bei dieser Aktion darfst du keine Teile von der Konkurrenz stehlen!
  • Fahrzeug reparieren: Gib die auf einem zur Reparatur angenommen Fahrzeug angegebenen Ressourcen aus deinem Lager ab und lege sie zurück in den Vorrat. Das auf dieser Weise reparierte Auto legst du nun rechts von deinem Lager-Tableau ab und ziehst deinen Marker auf der Punkteleiste entsprechend nach vorn. Die Anzahl bzw. Art der benötigten Ressourcen entscheidet dabei über die Höhe der Punktezahl.
  • Mechanikerin einstellen: Hast du mindestens 7 Siegpunkte gesammelt, kannst du über diese Aktion einmalig deine zweite Mechanikerin auf den Spielplan bringen. In folgenden Spielzügen darfst du sie dann in jedem deiner Spielzüge ebenfalls bewegen und so dann maximal drei statt nur zwei Aktionen ausführen.


Wichtig: Auf jedem Ort dürfen beliebig viele Figuren stehen.

Spielende und Wertung: Das Spiel endet, wenn eine Person ihr 6. Fahrzeug repariert hat. Die laufende Runde wird noch zu Ende gespielt, dann gibt es eine kleine Schlusswertung:

  • Wer seine zweite Mechanikerin nicht auf den Spielplan gestellt hat, erhält für sie 2 Punkte.
  • Jedes zur Reparatur angenommene Fahrzeug, das jedoch bis zum Spielende nicht repariert werden konnte, bringt 2 Minuspunkte.
  • Je 5 übrige Ressourcen im eigenen Lager bringen 1 Punkt.
  • Die eigene Bonuskarte bringt dann noch einmal 1 Pro pro repariertem eigenen Fahrzeug, das dem Fahrzeugtyp oder der Farbe entspricht. Treffen beide Merkmale auf ein Auto zu, gibt es dennoch nur 1 Bonuspunkt dafür!


Wer die meisten Siegpunkte gesammelt hat, gewinnt. Bei einem Gleichstand gewinnt, wer mehr Fahrzeuge repariert hat oder, bei erneutem Gleichstand, wer weniger defekte Fahrzeuge vor sich ausliegen hat.

Varianten:

  • Wie bereits oben erwähnt, können die Ortsplättchen in eine andere Formation gebracht werden, sodass sich die Wege durch die Werkstatt in jeder Partie verändern.
  • Wer es nicht mag, der Konkurrenz Ressourcen zu stehlen bzw. sich bestehlen zu lassen, kann auch ohne diese Regel spielen. Dann gilt: Was weg ist, ist weg! Ressourcen sind dann erst wieder verfügbar, wenn sie zurück in den Vorrat gelegt werden.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • führt gut in komplexere Ressourcenmanagement-Spiele ein
  • taktische Aktionsauswahl 
  • Wettrennen-Charakter
  • modularer Spielplan
  • qualitativ gutes Spielmaterial


CONTRA

  • für Vielspieler wenig überraschend
  • Glücksfaktor kann auch mal spielentscheidend sein
  • Thema spricht nicht jeden gleichermaßen an

MEINUNG

Das Wort „Autowerkstatt“ verursacht bei mir ja tatsächlich immer direkt ein gewisses Grummeln in der Magengegend. Nein, ich gehöre nicht zu denjenigen, die Spaß daran haben, an Autos zu schrauben, da verstehe ich so rein gar nichts von. Für mich muss ein Auto fahren. Und jeder Besuch in der Werkstatt verursacht dann vor allem eines: Kosten! Wer kein Auto besitzt, glaubt ja gar nicht, wie schnell da mal eben 1000 Euro auf einer Rechnung zusammenkommen. Um Geld geht‘s in der Grease Monkey Garage (der Name des Spiels wird übrigens nicht näher erläutert) dann nicht, schade eigentlich, denn diesmal stehe ich ja auf der anderen Seite, und weiß, wie ich die kaputten Fahrzeuge wieder flottbekomme, glücklicherweise gänzlich ohne technisches Verständnis.

Grease Monkey Garage ist ein klassisches Ressourcenmanagement-Spiel. Ich nehme Aufträge an, sammele die dafür nötigen Ressourcen bzw. tausche sie und erhalte letztlich Punkte für die Erfüllung eines solchen Auftrages. So etwas kennt jeder, der etwas Spielerfahrung besitzt, aus etlichen ähnlichen Spielen. Eine Oldtimer-Spielidee also? Nicht ganz. Denn die Art, wie ich an die einzelnen Aktionen gelange, ist ganz sympathisch umgesetzt. Sie erinnert an Worker Placement, also Arbeiter einsetzen, um Aktionen auszuführen, aber echtes Worker Placement ist das bei diesem Spiel nicht.

Vielmehr wandern unsere Worker (die eigenen Mechanikerinnen und der gemeinsam verwendete Lehrling) durch die Werkstatt, und die Bewegungsmöglichkeiten sind sehr eingeschränkt. Mit der eigenen Mechanikerin (und später auch mit der zweiten, die man sich unbedingt erspielen sollte, da sie einem einfach eine zusätzliche Aktion in jeder Runde liefert) kann gut geplant werden. Da kann mir niemand den Weg versperren, um gewünschte Aktionsfelder zu erreichen. Der Lehrling wiederum ist sehr flexibel einsetzbar, und seine Arbeitszeiten sollte besser niemand genau kontrollieren, da er in jeder Schicht für jeden Konkurrenten zur Verfügung steht, was aber auch bedeutet: Das Ansteuern bevorzugter Orte hängt auch von dem ab, was die anderen Personen am Tisch so vorhaben. Je nach Spielerzahl scheint die Sitzposition dann manchmal nicht untentscheidend zu sein, um mit dem Lehrling auf einen bestimmten Ort ziehen zu können, da ja kein Ort von der selben Figur zweimal hintereinander für eine Aktion angesteuert werden kann.

Im Spiel gibt es keine Ressourcen-Limits. Im Prinzip kann ich alles in beliebiger Anzahl sammeln. Das empfiehlt sich aber eher nicht, denn wenn der Vorrat einer Ressource leer ist, werden gnadenlos die Lager der Konkurrenz geplündert - ein Element, das ich in taktischen Spielen ja eigentlich nie besonders mag, was aber hier, ganz gelungen, etwas Druck erzeugt, Aufträge schnell erfüllen zu wollen, bevor einem plötzlich wieder ein Reifen oder Öl fehlt ... Wer das Stehlen von bereits gesammelten Dingen durch andere Personen am Tisch so rein gar nicht verkraftet, der kann seiner Spielrunde auch vorschlagen, mit der Variante zu spielen, in der genau das nicht mehr möglich ist. Dann allerdings kann es wirklich dazu kommen, dass ich vielleicht durch extreme Sammler kurzfristig keinen Zugang zu einer Ressource erhalte, was bei einem vergleichsweise ja doch eher lockeren Spiel dann schon sehr einschränkt, je mehr Personen mitspielen, umso stärker macht sich der Effekt übrigens bemerkbar. Von daher gefällt mir in diesem Fall die Standardvariante besser. Man kann sich ja dabei dann auch teilweise taktisch vor entsprechenden Raubzügen schützen.

Grease Monkey Garage wird ab einem Alter von 8 Jahren empfohlen, kein Expertenspiel also. In der Tat ist der Regelumfang sehr reduziert, die eigenen Möglichkeiten sind das auch. Mehr als Auftrag annehmen, Ressourcen sammeln und Auftrag erfüllen ist das letztlich nicht. Was mir dabei gefällt, ist der Wettlauf-Charakter, denn wenn es jemand geschafft hat, das sechste Auto zu reparieren, ist auch schon Schluss. Da sollte man dann selbst abschätzen, ob man mit mehreren kleinen Aufträgen am Ende die meisten Siegpunkte vorweisen wird. 

Das hängt dann aber auch immer etwas vom Glück ab. Die Ereignisse kommen zufällig ins Spiel und treffen teilweise auch mal eine Person stärker als eine andere. Benötige ich beispielsweise zum Erfüllen eines 4-Punkte-Auftrages noch zwei Motorteile, und genau diese werden mir in der laufenden Runde aus dem Vorrat verwehrt, dann ist das auch mal ärgerlich, wenn eine andere Person am Tisch noch zwei Reifen für einen ebenso punkteträchtigen Auftrag benötigt, die genau zu diesem Zeitpunkt ganz normal zur Verfügung stehen. Die Vergabe der Bonuskarten ist ebenso zufällig, und auch da kann es dazu kommen, dass bestimmte Fahrzeugarten oder Farben einfach öfter in die Auslage gelangen als andere. Für ein eher locker-flockiges Familienspiel gehen solche Elemente für mich in Ordnung, da die Spieldauer von 30 bis 45 Minuten ja auch oftmals einfach noch eine Revanche erlaubt. 

Genau die Zielgruppe ist dann auch entscheidend für den Kultfaktor. Das technische, jetzt auf den ersten Blick auch weniger spannende Thema ist nach unseren Erfahrungen eigentlich eher ein Vielspieler-Thema. In Familien mit Kindern stehen Autowerkstätten gefühlt nicht so hoch im Kurs, wie es andere fantasiereichere Settings tun würden. Das ist aber persönlicher Geschmack. Autofans werden das natürlich ganz anders empfinden. Das Spiel an sich ist dabei ganz neckisch, vor allem aber für diejenigen geeignet, die bisher noch nicht so oft mit Ressourcenmanagement in Kontakt getreten sind. Da führt das Spiel gut in diese Mechanik ein, und dafür gibt es von mir dann alles in allem gute 7 Punkte. Auch taktische Spieler, die ein nettes Zwischendurch- oder gar Absackerspiel suchen, das zwar spielerisch nicht mit allzu viel Neuem daherkommt, aber dennoch kleine schöne Kniffe besitzt, sind hier sicher gut aufgehoben. Strategischen Vielspielern hingegen fehlt es an Tiefgang, aber in der Tat wird diese Zielgruppe durch die vorgegebene Altersangabe auch gar nicht bevorzugt anvisiert, von daher möchte ich deshalb beim Kultfaktor dafür auch keine Punkte abziehen, wohl aber den Hinweis geben, dass die Kultpunkte dann eben doch gruppenabhängig sind.

VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/7Zg1OG6sP8s

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 6/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 04.02.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Board Game Circus
Weitere Fotos: Spielkultisten