REZENSION
GRAVITY
- Genre: Quiz
- Jahr: 2024
- Verlag: ATM Gaming
- Spieler: 2 bis 8
- Alter: ab 14 Jahren
- Dauer: ca. 30 bis 45 Minuten
- Schwierigkeitsgrad (Regeln): leicht
- Schwierigkeitsgrad (Fragen): mittel
- Initiativlevel: 8/10
Eben noch Einstein, jetzt Dschungelkönig
Achja, das eigene Wissen verlässt einen ja doch meistens dann, wenn man es gerade wirklich benötigt - bei einem Quizspiel zum Beispiel. Und bei Gravity droht uns gar der Absturz ins Schwarze Loch. Um dem zu entkommen, sollten wir richtige Antworten geben, aber das ist oftmals gar nicht so einfach, denn nicht jede Frage fordert hier klassisches Allgemeinwissen ein.
REGELN
Mischt die Fragekarten. Legt eure Marker auf das oberste Feld der IQ-Leiste (200). In Zehner-Schritten geht‘s abwärts, sobald eine Frage falsch beantwortet wird. Reihum stellt ihr ihr immer eurem Nachbarn eine Frage; der drohende Punkteverlust wird auf der Karte bereits angekündigt.
Folgende Frage-Kategorien sind im Spiel vorhanden:
- Entweder Oder: Zwei Themen mit verschiedenen IQ-Verlustpunkten werden zur Auswahl gestellt. Wähle ein Thema für dich aus. Bei einer richtigen Antwort bleibst du stehen, bei einer falschen Antwort werden dir die vorgegebenen IQ-Punkte abgezogen (bei einer leichten Frage können das beispielsweise direkt 50 Punkte sein, bei einer schwierigeren Frage auch mal nur 20).
- Gib mir 5: Nenne 5 Begriffe, die zum vorgegebenen Thema passen, z.B. „südamerikanische Länder“. Für jeden Fehler verlierst du 10 IQ-Punkte.
- Russisches Roulette: Die klassische Wer wird Millionär-Frage - eine Frage, vier Antwortvorgaben. Triffst du die falsche, verlierst du die angegebenen IQ-Punkte.
- Mehr oder weniger: Schätze in zwei Fragen ein, wovon es mehr gibt, z.B. Knochen im menschlichen Körper oder ägyptische Pyramiden. Bei einer falschen Antwort gibt es 20 Minuspunkte, werden beide Fragen falsch beantwortet, sinkt dein IQ direkt um 50.
- Fake News: Gleiches Wertungsprinzip wie bei "Mehr oder weniger", diesmal mit „Wahr“- oder „Falsch"-Einschätzungen zu vorgegebenen Aussagen.
- Albtraum: Fünf "Fake News"-Fragen hintereinander. 30 Minuspunkte, sobald du eine Antwort gibst.
Die sogenannten "strategischen Waffen" werden eingesetzt, wenn der eigene Marker im eigenen Spielzug neben einem entsprechenden Symbol auf der IQ-Leiste liegt. Da können dann z.B. andere Personen um Hilfe gebeten oder auch IQ-Punkte zurückgewonnen werden, während andere Personen Punkte verlieren.
Sobald eine Person das Schwarze Loch erreicht, der IQ also unter dem von zwei Eseln, einem Realitystar, Lauch oder dem letzten Dschungelkönig liegt (=0), ist das Spiel beendet. Wer nun noch die meisten IQ-Punkte besitzt, gewinnt.
GALERIE
Die Antworten wurden hier von uns größtenteils ausgeblendet, um euch nicht den Ratespaß zu nehmen.
CHECKPOINT
PRO
- witziger Kniff, gegen den IQ-Verlust anzuspielen
- gute Fragenqualität
- Abwechslung durch verschiedene Kategorien
- große Kartenanzahl
- in größerer Besetzung als Teamspiel reizvoll
CONTRA
- bei mehr als 3 oder 4 Personen längere Wartezeiten
- "Gib mir 5"-Kategorie nicht immer mit direkter Kontrolle
- Spieldauer ist unbegrenzt
MEINUNG
Quizspiele sind ja immer noch der Underdog bei öffentlichen Spieletreffs. Ja, die Angst, sich zu blamieren, weil das eigene Wissen vermeintlich nicht zur Beantwortung der Fragen genügt, kann so manche Person dazu bringen, dem Spielgenre lieber komplett auszuweichen. Einen neuen Ansatz lieferte da dann z.B. das kooperative Kneipenquiz, bei dem es nicht mehr auf die Antworten einzelner Personen ankam - immer noch meine persönliche Referenz für moderne Quizspiele.
Bei Gravity wird man dagegen gleich doppelt bestraft, aber auf eine humorvolle Art und Weise, also eher mit einem Augenzwinkern, wenn das eigene Wissen irgendwann nur noch dem eines Salatkopfes entspricht. Ja, hier kommt man wieder in die bekannte Prüfungssituation, aber die Fragen, allesamt übrigens von guter Qualität und in großem Umfang, sind oftmals Fragen, die man gar nicht so ohne Weiteres beantworten kann. Da geht es nicht nur um klassisches Wissen, sondern auch ums Schätzen oder um die Einordnung, ob einem hier vielleicht gerade Fake News unterbreitet werden.
Die Abwechslung ist gelungen, einzig die „Gib mir 5"-Kategorie verlangt beim Auflösen ein wenig Flexibilität, denn nicht alle möglichen Antworten sind auf der Karte vorgegeben. Und so kann einem eine Person sicher fünf Rotwein-Reben aufzählen - wenn man selbst so gar kein Wein-Experte ist, fällt es dann aber nicht leicht, den Wahrheitsgehalt der Antworten zu überprüfen, da auf den Karten nur Beispiele zu finden sind. Da ist dann ggf. eine Smartphone-Recherche nötig. Generell hätte ich es hier besser gefunden, wenn fünf vorgegebene Listen-Antworten hätten erraten werden müssen - so in etwa wie früher bei Outburst.
Die Art der Frage, die man gestellt bekommt, ist dabei auch einem Glücksfaktor unterworfen. Eine klassische Wer wird Millionär-Wissensfrage ist dann oftmals einfacher zu lösen als fünf verkettete Fake News in der Rubrik Albtraum. Das gleicht sich über die gesamte Partie aber meistens gut aus. Meine Lieblingsfragen sind da tatsächlich die eher simplen Entweder-Oder-Fragen, da ich da die Kontrolle über die Kategorie und auch eine gewisse Kontrolle über das Risiko des IQ-Verlustes habe. Spaß machen die verschiedenen Kategorien aber letztlich alle, wenn man ein Quiz-Fan ist. Die „strategischen Waffen“ lockern das Spielgeschehen zusätzlich auf; da können auch wieder verlorene Punkte gutgemacht werden.
Das Spiel funktioniert generell mit jeder Spielerzahl, allerdings halte ich 8 Personen als Maximalbesetzung doch für zu hoch, da dann lange Wartezeiten entstehen. Zu zweit, zu dritt, zu viert ist das alles super, mit mehr Personen empfehle ich, einfach in Teams zu spielen. Das empfehle ich auch jeder Gruppe, die eben das Problem hat, dass sich Personen darin befinden, die sich ungern blamieren möchten. In Team spielt sich das alles locker-flockig, man kann sich beraten, und dann fällt die vielleicht empfundene Prüfungssituation auch weniger ins Gewicht. Die Kommunikation über vermeintlich richtige Antworten sorgt sogar noch für zusätzliche Unterhaltung.
Dass man bei diesem Quiz (bis auf weniger Ausnahmen) keine Pluspunkte für richtige Antworten bekommt, sondern eben nur Minuspunkte für falsche, kann dazu führen, dass eine Partie länger dauert, als man es sich vielleicht anfangs denkt. Wenn alle Antworten stets richtig sind (was unwahrscheinlich ist), könnte man sogar eine Endlospartie erzwingen. Kleine Hausregel: Zählt vorher einfach eine maximale Anzahl an Quizkarten ab, die ihr verwenden möchtet. Ist der Stapel leer, und niemand ist ins Schwarze Loch gezogen worden, gewinnt dann einfach der, der zu diesem Zeitpunkt noch den höchsten IQ hat. Damit ist die Spiellänge gut zu steuern.
Fazit: Gravity ist ein gelungenes Quizspiel mit einem witzigen Ansatz. Ein Großteil der Fragen kann hier wirklich überzeugen. Wer nicht gern allein um sein Wissen spielt, kann das Spiel zudem - als Hausregel - gut in Teams spielen. Je nach Spieleranzahl und Zielgruppe gibt es von mir gute 7 bis 8 Kultpunkte für dieses "umgedrehte" Wissensspiel.
KULTFAKTOR: 7-8/10
Spielidee: 8/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 25.09.2024
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: ATM Gaming
Weitere Fotos: Spielkultisten