REZENSION
GARTEN-GAUNER
- Genre: Kinderspiel
- Jahr: 2024
- Verlag: Ravensburger
- Autoren: Fabrice Chazal, Anthony Perone
- Grafik: Jiahui Eva Gao
- Spieler: 2 bis 4 (Variante bis 5)
- Alter: ab 6 Jahren
- Dauer: ca. 15 bis 20 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Taktiklevel: 3/10
... und alles muss versteckt sein!
Imposant steht sie da, die Traum-Villa. Allein der Garten ist ein echter Hingucker. Doch was ist das? Bewegt sich da etwas hinter dem Busch? Klappert da plötzlich die Mülltonne? Der Gärtner traut seinen Augen nicht: Waschbären! Und schon beginnt das große Versteckspiel ...
REGELN
Baut die 3D-Villa zusammen. Eine Person übernimmt die Rolle des Gärtners und schlüpft mit dem Kopf ins Schachtel-Gebäude; das Fenster ist dabei verschlossen. Die anderen greifen sich jeweils eine Waschbär-Figur und suchen für diese nun ein erstes Versteck auf dem Spielplan. Der Spielplan ist in vier Reihen unterteilt, in jeder Reihe befinden sich mehrere Versteck-Aufsteller (Büsche etc.). Sucht euch nun schnell ein Versteck in der ersten Reihe aus, hinter das ihr euren Waschbären stellt. Es dürfen sich auch mehrere Figuren ein Versteck teilen.
Aufs Kommando „1, 2, 3, wer schlecht vorbei?“ klappt der Gärtner nun das Fenster in der Villa hoch und sieht durch die Öffnung in den Garten. Hinter welchem Versteck könnte sich nun ein Waschbär befinden? Steht ein Versteck vielleicht etwas schief? Lugt an einer Stelle ein Waschbär hervor; wurde vielleicht ein Loch in einem Versteck übersehen? Oder schaut eine Person gebannt auf eine bestimmte Position? Der Gärtner benennt nun genau ein Versteck, das angehoben wird. Entdeckt er einen (oder mehrere) Waschbär(en), erhält er dafür jeweils ein Waschbär-Plättchen. Jeder entdeckte Waschbär muss die nächste Versteckrunde wieder in Reihe 1 beginnen. Wer nicht entdeckt wurde, sucht sich, nachdem das Fenster wieder geschlossen wurde, ein angrenzendes Versteck aus, in derselben Reihe oder in der nächsten Reihe.
Wer ein gelbes Versteck auswählt, muss, wenn der Gärtner durchs Fenster schaut, ein Essensgeräusch machen, denn in gelben Verstecken gibt es Futter für die Waschbären. So bekommt der Gärtner darüber einen zusätzlichen Hinweis aufs Versteck; der Waschbär hingegen sammelt so ein Waschbär-Plättchen, wenn er nicht entdeckt wird.
Eine Runde endet, wenn eine Person fünf Waschbär-Plättchen gesammelt hat oder ein Waschbär die Mülltonne (hinter Reihe 4) erreicht. Nun erhält jeder Punkte auf der Punkteleiste, entsprechend der gesammelten Plättchen. Die Rolle des Gärtner wechselt nach jeder Runde. Sobald eine Person das Ziel auf der Punkteleiste erreicht, ist das Spiel beendet und die Person mit den meisten Punkten gewinnt.
In kleinen Varianten kann das Spielfeld an eine kleinere Spielerzahl (2 Personen) angepasst werden, auch können beispielsweise kleine Podeste mit ins Spiel genommen werden, die das Verbergen der Waschbären hinter den Verstecken erschweren.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- drolliges Spielmaterial
- Kinder fiebern beim Versteckspiel mit
- beide Rollen sind interessant
CONTRA
- hoher Glücksanteil
- Steck-Schlitze ermöglichen es, zu schummeln
- braucht viel Platz
MEINUNG
Die Garten-Gauner sind verspielt. Das, was wir im wirklich herzig 3D-ausgestatteten Kinderspiel machen, erinnert an zwei klassische Kinderspiele, die ohne Spielbrett auskommen: Verstecken und „Ochs am Berg“ (was auch unter anderen Namen bekannt ist). Bei letzterem dreht sich ein Kind mit dem Rücken zu den anderen, und die Gruppe versucht voranzuschleichen, ohne erwischt zu werden. Ja, so in etwa ist das mit den Garten-Gaunern auch.
Direkt das Positive: Beide Rollen sind hier interessant für die Kids. Der Gärter versucht mit geschultem Auge, kleine Unstimmigkeiten im Garten zu enttarnen, vielleicht sogar einen winzigen Teil von einem farbigen Tierchen zu erspähen, das nicht optimal versteckt wurde. Da kommt auf jeden Fall Spannung auf - und auch Stimmung, denn jeder fiebert mit seinem eigenen Waschbären mit.
Das Spielprinzip ist wirklich simpel. Im Grunde hätte es dafür gar kein Brettspiel gebraucht, und doch funktioniert das ganze, sofern alle fair spielen. Allein durch die nicht ganz passgenau sitzenden Steckverbindungen des Hauses kann der Gärtner ein wenig schummeln, indem er auch bei geschlossenem Pappfenster bei genauem Hinschauen Bewegungen der anderen mitbekommt, die ihm eigentlich verborgen bleiben sollten.
Schnell zeigt sich: Das Spiel wird umso reizvoller, je mehr Kinder mitspielen. Zu zweit ist die Suche nach dem einzigen Waschbären ein wenig fad, sind am besten gleich vier Waschbären hinter den Verstecken, steigen die Chancen, bei einem Rateversuch einen Treffer zu erzielen. Wer das Spiel bereits kennt, wird auch kleine taktische Züge entdecken. So kann ein verfrühtes Fressgeräusch dazu führen, schnell enttarnt zu werden. Wenn aber hin- und hergeschlichen wird, weiß der verwirrte Gärtner am Ende nicht mehr, hinter welcher Futterquelle sich nun überhaupt ein Waschbär befinden könnte.
Manchmal ist aber auch einfach Glück im Spiel nötig - auf beiden Seiten. Ja, es kann da auch mal zu kleinen Frustmomenten kommen, wenn der eigene Waschbär wiederholt und wiederholt entdeckt wird, während andere Kinder ungesehen zur Mülltonne schleichen. Da lässt sich dann auch nicht wirklich gegen anspielen, wenn das Pech zuschlägt. Aber das Spiel ist flott gespielt, und eine Wiederholung sollte doch immer drin sein.
Auf lange Sicht bringen die Varianten zwar ein bisschen Abwechslung, aber dennoch machen wir dann in jeder Partie grundlegend dasselbe. Von daher ist das Spiel vor allem für die jüngeren Kids reizvoll, ältere spielen es sicher auch mal kurzzeitig mit. Das fühlt sich dann so ein bisschen an wie ein Kindergeburtstag und lädt sicher dazu ein, das Spiel ohne Waschbären, ganz klassisch wie früher, selbst in der Wohnung zu spielen. Die Umsetzung als Brettspiel ist aber dennoch gelungen, wenngleich der ganze pompöse Aufbau auch viel Platz benötigt. Das ist kein Spiel, das man mal eben mit auf Reisen nimmt. Die Villa, der Weg, der Spielplan mit den Verstecken und die Punkteleiste fordern ordentlich Platz ein; ein großer Tisch ist da wirklich von Vorteil.
Fazit: Garten-Gauner ist jetzt nicht unbedingt die spielerische Mega-Innovation im Kinderbereich, sondern eher die Übertragung eines Aktivspiels eben auf ein Brettspiel. Wer so etwas sucht, erhält, die richtige Zielgruppe vorausgesetzt, ein Spaß bringendes Spiel mit schönem Material, dessen Langzeitreiz jedoch auch vom eigenen Glück und der Spielerfahrung abhängt. Auf Dauer gibt es da dann nicht mehr viel Neues zu entdecken, aber gerade jüngere Kids haben auf jeden Fall ihre Freude am Katz-und-Maus-, Verzeihung, am Waschbär-und-Gärtner-Spiel.
KULTFAKTOR: 7/10
Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 23.09.2024
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Ravensburger
Weitere Fotos: Spielkultisten