REZENSION
FUTURE ENERGY
- Genre: Familien-/ Taktikspiel
- Jahr: 2023
- Verlag: Queen Games
- Autor: Emanuele Ornella
- Grafik: Dennis Lohausen
- Spieler: 2 bis 4
- Alter: ab 8 Jahren
- Dauer: ca. 60 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel
- Taktiklevel: 7/10
Pioniere am Puls der Zeit
Der Klimawandel geht uns alle etwas an. Und so werden wir in diesem Spiel Atomkraftwerke und fossile Energie in eine regenerative Energieproduktion überführen. Dazu bauen wir neue Kraftwerke: Fusion, Wind, Sonne und Wasserstoff sind die Technologien der Zukunft.
Hinweis vorab: Zum Test stand uns die Kickstarter-Version mit Deluxe-Spielmaterial zur Verfügung. Die 3D-Holz-Kraftwerke werden in der Retail-Version durch beklebbare farbige Holzscheiben dargestellt.
REGELN
Legt den Spielplan mit der Seite nach oben aus, die eurer Spielerzahl entspricht. Bestückt die runden Aktionsfelder mit zufällig gezogenen Plättchen. Diese zeigen die alten Kraftwerke, zudem Investoren, Ingenieurinnen und Bauland. Stellt ein Kraftwerk eurer Spielerfarbe auf das Startfeld. Dazu gesellt sich der Bautrupp.
Jeder erhält ein Spielertableau und einen Aktionsstreifen, zunächst beide mit der A-Seite nach oben. Legt das Plättchen mit der Ingenieurin eurer Spielerfarbe in Bereich 2 des Tableaus. Nehmt euch zudem alle Kraftwerke und Stromleitungen eurer Farbe sowie 2 Millionen Euro (zwei Geldbündel) als Startkapital. Außerdem gibt es für jeden noch einen 12-Punkte-Start-Kontrakt, der fünf Einsetzfelder mit Symbolen zeigt, unter die jeweils ein eigenes Kraftwerk gestellt wird. Deckt dann noch vier weitere Kontrakte vom gemischten Stapel als offenes Angebot auf.
Los geht‘s. Bist du am Zug durchläufst du drei Phasen:
(1) Einkommen: Du erhältst 3 Millionen Euro Grund-Einkommen sowie 1 Million pro weiteren Investor auf deinem Tableau (max. 2 zusätzlich).
(2) Aktion(en): Pro Ingenieurin (insgesamt max. 3) auf deinem Tableau wählst du eine der Aktionen aus. Jede Aktion kann pro Spielzug nur einmal gewählt werden. Für 1 Million Euro legst du eine Stromleitung deiner Farbe auf eine freie Strecke des Spielplans. Für 5 Millionen Euro legst du gleich zwei Stromleitungen deiner Farbe auf freie Strecken. Für 1 bis 4 Millionen Euro nimmst du einen neuen Auftrag (Kontrakt) an und befüllst ihn mit Kraftwerken deiner Farbe.
(3) Bewegen und Bauen: Ziehe den Bautrupp von seinem aktuellen Standort auf ein Aktionsplättchen, zu dem du auf einem Kontrakt noch ein Kraftwerk unter dem passenden Symbol des Plättchens zur Verfügung hast. Um dich zu bewegen, zahlst du für eine freie Strecke 1 Million Euro an die Bank, für eine durch einen Mitspieler mit einer Stromleitung bebaute Strecke 1 Million an diesen Spieler, für eine Doppel-Belegung gleich 2 Millionen. Hast du auf einer Strecke eine eigene Stromleitung platziert, ist die Bewegung kostenlos. Wichtig: Du darfst Felder mit Plättchen nicht überspringen, d.h. eine Bewegung endet auf dem ersten erreichten Plättchen. Im späteren Verlauf kannst du aber größere Strecken überwinden, da es dann entsprechend mehr Felder ohne Plättchen gibt.
Ersetze nun das Plättchen mit deinem Kraftwerk und führe die Aktion des Plättchens aus:
- Ein Investor beschert die dauerhaft 1 Million Einkommen zusätzlich (max. 2 zusätzlich).
- Eine Ingenieurin beschert die dauerhaft eine zusätzliche Aktion pro Spielzug (max. 2 zusätzlich).
Die alten Kraftwerke bieten Sofort-Aktionen:
- Atomkraft (gelb): Du platzierst eine Stromleitung auf einer freien Strecke oder auf einer Strecke, auf der sich genau eine fremde Stromleitung befindet.
- Kohle (schwarz): Du stellst ein beliebiges zusätzliches Kraftwerk von einem deiner Kontrakte zurück in deinen Vorrat.
- Erdgas (blau): Du ziehst ein zufälliges verdecktes CO2-Plättchen. Am Spielende ist es die aufgedruckten Punkte wert (3-5).
- Erdöl (orange): Du platzierst bis zu zwei weitere Kraftwerke von deinen Kontrakten mit Erdöl-Symbol auf dem gerade bebauten Feld.
- Bauland (mehrfarbig): Du kannst dieses Feld mit einem beliebigen Symbol von einem deiner Kontrakte bebauen. Du erhältst sofort 3 Million Euro aus der Bank.
Vollendest du einen Baukontakt, indem du alle Felder von den Kraftwerken befreit hast, erhältst du die aufgedruckten Punkte plus 1 Million Euro. Solltest du einmal keinen Kontrakt mehr mit mindestens einem Kraftwerk besitzen, musst du in der Aktionsphase die Aktion "neuen Baukontrakt annehmen" auswählen.
Am Ende von Phase 3 fragst du reihum deine Mitspieler, ob sie auf dem gerade von dir bebauten Feld ein eigenes Kraftwerk hinzustellen möchten. Das kostet sie 2 Millionen Euro, bringt ihnen aber nicht die Aktion des Feldes ein! Sobald sich jemand dazu entschließt, ein Kraftwerk hinzuzustellen, werden die eventuell weiteren Mitspieler im Uhrzeigersinn nicht mehr gefragt, d.h. nur eine Person kann eines ihrer Kraftwerke (passend zum Symbol) hinzustellen.
Spielende: Das Spiel endet nach der Runde, in der entweder der letzte Kontrakt vom Stapel aufgedeckt wurde oder es jemandem gelingt, die letzte eigene Stromleitung zu bauen. Nach dieser letzten Runde gibt es dann eine Schlusswertung:
- Nicht erfüllte Kontrakte bringen Punkte in der Anzahl freigespielter Kraftwerk-Felder.
- CO2-Zertifikate bringen ihre aufgedruckte Punktezahl.
- In jeder Farbregion des Spielplans gibt es eine Mehrheitenwertung. Wer die meisten Kraftwerke in einem Gebiet gebaut hat, bekommt auch die meisten Punkte (6 / 5 / 3 im Spiel zu viert / dritt / zweit), die weiteren Platzierungen erhalten weniger Punkte. Der Letztplatzierte erhält keine Punkte. Bei einem Gleichstand werden die Punkte abgerundet geteilt.
- Je mehr Regionen mit einem eigenen verbundenen Netz aus Stromleitungen angeschlossen wurden, umso mehr Punkte gibt es dafür (1 bis 15 im Spiel zu viert, 1 bis 10 im Spiel zu zweit oder dritt).
Wer die meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt.
Das Spiel kann mit drei Modulen erweitert werden:
Modul 1: Da gibt es lediglich eine weitere Wertung am Spielende. Du erhältst 2 Punkte pro eigenem Kraftwerk im größten verbundenen Stromleitungsnetz deiner Farbe.
Modul 2: Legt vier öffentliche Aufträge aus. In Schritt 2 könnt ihr das Annehmen eines öffentlichen Auftrages als Aktion auswählen. Das kostet dann 1 Million Euro. Um einen Auftrag zu erfüllen, benötigt es vorgegebene Plättchen, die vom Spielplan durch Bebauung der Felder eingesammelt wurden. Du kannst auch Joker-Plättchen zum Bezahlen verwenden. Ein Joker-Plättchen erhältst du immer dann, wenn du 2 Millionen Euro ausgibst, um ein Kraftwerk in einem fremden Spielzug hinzuzustellen. Die öffentlichen Aufträge bringen Punkte und individuelle Effekte wie z.B. das Versetzen von Stromleitungen, zusätzliches Geld, Tausch von Plättchen auf dem Spielplan etc.
Modul 3: Die ausgetauschten Bauland-Plättchen bekommen nun auch individuelle Effekte. Die Erdöl-Plättchen in orange bringen dir kostenlos einen neuen Kontrakt. Und für die gelben Atomkraft-Plättchen gibt es jetzt ein eigenes Tableau, auf dem bis zu zwei dieser Plättchen abgelegt werden können. Einmal pro Zug kannst du so ein Plättchen aktivieren, um eine Bewegung kostenlos ausführen zu dürfen.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- Pioneers im neuen Gewand
- immer noch ein wunderbar taktisches Spiel
- kleine Verbesserungen gegenüber dem Ursprungsspiel
- neue Elemente erhöhen die Abwechslung
CONTRA
- es kann immer noch passieren, dass bestimmte Aktionen im eigenen Spielzug nicht möglich sind
MEINUNG
Wenn ihr in der Überschrift von Pionieren lest, dann hat das seinen guten Grund. Future Energy, das zweite Spiel in der Green Planet-Reihe von Queen Games, ist nämlich ein bekanntes, handelt es sich doch um eine Neubearbeitung des 2017 erschienenen Pioneers. Damals bauten wir noch Straßen und durchquerten mit unseren Wagen Amerika, um Personen siedeln zu lassen, die uns dann mit verschiedenen Effekten belohnten. Und wurde ein Wagen komplett geleert, gab es auch damals schon schöne Punkte.
Im Jahr 2023 sind erneuerbare Energien wohl eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Da dachte man sich wohl: Lasst die Pioniere doch lieber den Klimawandel stoppen! Welches Thema man nun für sich reizvoller findet, muss man selbst entscheiden, fest steht: Das Spiel funktioniert mit beiden Settings.
Pioneers gefiel mir im Jahr 2017 schon sehr gut. Die Mischung aus taktischer Wegeplanung und dem Leeren der Tableaus mit den daran geknüpften Aktionen empfand ich damals bereits sehr reizvoll. Dem steht Future Energy in nichts nach, denn das Grundgerüst ist quasi 1:1 erhalten geblieben, sogar mit kleinen Verbesserungen. So ist das Startfeld des Spielplans nun mittig platziert und erlaubt gerade anfangs bereits eine breitere Auswahl an möglichen Aktionen. Immer noch kann es dennoch durch die zufällige Auslage passieren, dass man gerade eine bestimmte Funktion nicht erreichen kann, die einem wichtig wäre, einfach weil kein Plättchen in (bezahlbarer) Reichweite liegt. Optimierung ist also auch bei Future Energy das Zauberwort.
So muss man gut überlegen, wo man Stromleitungen entstehen lässt, um im besten Fall selbst kostenlos ans Ziel zu reisen oder andere Spieler in die Kostenfalle zu locken. Im späteren Verlauf werden die zurückgelegten Strecken schließlich immer größer und die Kosten erhöhen sich, wenn man nicht gut vorgesorgt hat.
Gefreut habe ich mich darüber, dass man dem eh schon guten Spiel nun auch direkt zusätzliche Abwechslung durch die integrierten Erweiterungsmodule beschert hat. In Pioneers musste man sich diese Abwechslung noch über die optionalen Queenies hinzukaufen. Gerade die öffentlichen Aufträge gefallen mir in Future Energy sehr gut, da sie nun noch eine zweite Ebene beim Ersetzen der Kraftwerke ins Spiel bringen, ja, auch dann noch Investoren und Ingenieurinnen als wichtige Ziele im Spiel halten, wenn die Plättchen auf dem eigenen Tableau bereits alle verfügbaren Plätze belegen.
Wie auch schon bei Pioneers gilt: Zu zweit ist das Spiel planbarer, zu viert kann man nie so genau vorhersagen, wo sich der Bautrupp in der nächsten Runde befinden wird, dafür ist dann aber mehr Konkurrenz bei den Wertungen vorhanden. Von daher mögen 3 Spieler der Kompromiss aus beiden Effekten sein; das Spiel funktioniert aber mit jeder Spielerzahl gut.
Wer Pioneers bereits besitzt und ein Fan des Spiels ist, muss sich nun überlegen, ob die zusätzlichen Spielelemente einen Neukauf rechtfertigen, der Kaufanreiz ist durch die Neuerungen auf jeden Fall da. Wer Pioneers noch nicht kennt, aber etwas mit dem Spielkonzept anfangen kann, dem empfehle ich Future Energy genauso, wie ich damals schon Pioneers empfohlen habe - ein schönes Spiel auf gehobenem Familienspiel-Niveau, ja, die Spiel des Jahres-Jury würde das Spiel vermutlich sogar schon als Kennerspiel einordnen, von daher hätte ich die Altersempfehlung eher auf 10 Jahre gesetzt, aber clevere 8-jährige können das Spiel sicher auch schon bewerkstelligen.
Alles in allem gibt es von mir dafür dann sehr gute 8 Kultpunkte!
VIDEO
Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube: https://youtu.be/XdQZXrFfpPM
KULTFAKTOR: 8/10
Spielidee: 8/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 8/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 27.09.2023
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Queen Games
Weitere Fotos: Spielkultisten