REZENSION

FURNACE

  • Genre: Strategiespiel
  • Jahr: 2021
  • Verlag: Hobby World / Kobold Spieleverlag
  • Autor: Ivan Lashin
  • Grafik: Sergey Dulin, Marta Ivanova, Ilya Konovalov, Oleg Yurkov, Vadim Poluboyarov, Egor Zharkov
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: 30 bis 60 Min.
  • Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel
  • Taktiklevel: 7/10

Engagiertes Engine-Building

Furnace spielt zur Zeit der Industrialisierung. Über einen trickreichen Biet-Mechanismus erhalten wir Ressourcen, aber auch Fabriken, die dann weitere Ressourcen produzieren und sie in Geld verwandeln, welches uns letztlich zum Sieg verhilft. 

REGELN

Zunächst erhält jeder Spieler eine zufällige Start-Fabrik und die Ressourcen, die oben auf der Karte abgedruckt sind. Zudem bekommt jeder Spieler 4 Auktionsscheiben in seiner Spielerfarbe - jeweils eine mit den Werten 1 bis 4. Nun werden - je nach Spieleranzahl - 6 bis 8 Fabrik-Karten vom gut gemischten Stapel in die Mitte gelegt, und das Spiel beginnt.

Jeder der 4 Runden besteht aus zwei Phasen:

(A) Auktionsphase:
Nacheinander setzen die Spieler reihum immer eine Auktionsscheibe auf eine ausliegende Fabrik-Karte. Dabei gilt: 

  • Auf jede Karte darf jeder Spieler pro Runde nur eine Scheibe einsetzen.
  • Auf jeder Karte darf sich keine Zahl einer Scheibe doppeln. 


Wurden alle Scheiben platziert, wird die Reihe von links nach rechts aufgelöst.

  • Wer die höchste Scheibe auf der Fabrik platziert hat, erhält die Fabrik in seine Auslage.
  • Haben weitere Spieler kleinere Scheiben auf die Fabrik gelegt, erhalten sie die Förderung, die oben auf der Karte verzeichnet ist, und das in der Anzahl der Zahl ihrer Scheibe. Liefert eine Fabrik also 2 Kohle als Förderung, so bekommt ein Spieler, der hier seine 2er-Scheibe platziert hat und von einem anderen Spieler übertroffen wurde, viermal Kohle (2x2) in seinen Vorrat.


(2) Produktionsphase:
Nun produzieren alle Fabriken, die die Spieler in ihrer eigenen Auslage liegen haben, das, was unten auf den Karten zu sehen ist. Wichtig: Jede Karte muss erst vollständig abgehandelt werden, bevor eine weitere Karte genutzt werden kann, selbst wenn eine Karte mehrere Aktionsschritte offeriert. Die Aktionsschritte werden immer von oben nach unten ausgeführt, es darf auf Aktionen verzichtet werden.

Viele Karten bieten eine Aufwertungsmöglichkeit, die mithilfe eines Modernisierungsmarkers plus Ressource (Kohle) bezahlt werden kann. Dann wird die Karte auf die verbesserte Rückseite gedreht. Die verbesserte Seite kann ggf. noch in der laufenden Runde genutzt werden, sofern der Spieler diese Karte nicht zuvor schon aktiviert hat. Ansonsten gilt der neue Effekt erst ab der nächsten Runde.

Die Fabriken liefern zum Teil weitere Ressourcen, sie bieten Tauschmöglichkeiten an, vor allem aber bringen sie den Spielern aber Geld für bestimmte Abgaben (Ressourcen-Kombinationen) ein.

Hat jeder Spieler seine Produktionsphase abgeschlossen, beginnt eine neue Runde mit dem Auslegen neuer Fabrik-Karten für die nächste Auktionsphase.

Spielende: Nach 4 Runden endet das Spiel. Wer nun das meiste Geld generiert hat, gewinnt.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • trickreicher Auktionsmechanismus
  • taktischer Produktionsablauf
  • schnell gespielt
  • schöne Illustrationen


CONTRA

  • wirkt auf manche eher trocken

MEINUNG

Furnace ist ein Engine Builder, wie er im Buche steht. Doch bevor die Produktionsprozesse ans Laufen kommen, ist zunächst einmal Auktion angesagt. Tja, wer mich kennt, weiß, dass ich Auktionsspiele, also Biet-Mechanismen, nur selten gut finde. Bei Furnace ist die Mechanik aber überaus gelungen. So geht es also ums Taktieren, welche Auktionsscheibe ich für welche ausliegende Fabrik verwende. Möchte ich eine Fabrik in meiner Auslage haben? Im ersten Durchgang können da bevorzugte Karten mit hohen Scheiben abgesichert werden. Doch ich benötige auch Ressourcen in Form von Förderungen. Und die erhalte ich nur, wenn mich ein anderer Spieler mit einer Scheibe übertrifft. Und da die Karten von links nach rechts ausgewertet werden, muss ich mir dann schon genau überlegen, wo ich was bekomme und wie ich es einsetze.

Das gleiche Prinzip gilt für die Produktionsphase, die dann solitär geprägt ist. Die zunehmende Anzahl an Karten so zu aktivieren, dass ihre Aktionen in der gewählten Abfolge die besten Tauschmöglichkeiten mit dem größten Geldertrag liefern, das ist auf jeden Falle eine Kunst für sich. Da ist viel strategische Planung gefragt. Solches Ressourcenmanagement muss man mögen. Manche Spieler finden „Tausche A in zwei B, tausche zwei B in C"-Aktionen ja mitunter etwas trocken, mir gefallen solche Überlegungen aber gut.

Es wird empfohlen, die Produktionsphase parallel zu spielen, um unnötige Wartezeiten zu vermeiden. Bei einem so flott gespielten Spiel wie Furnace brauche ich das aber eigentlich nicht. Ich finde es eher schade, wenn ich vom Spiel der anderen Spieler nichts mitbekomme. Ich brauche auch nicht die Fortgeschrittenen-Variante, in der ich dann die Fabriken in ihrer Position der eigenen Auslage nicht mehr verändern und nur von links nach rechts ausführen darf. Mehr Freiheiten bei den Aktionen bekommen dem Spiel aus meiner Sicht besser.

Die Unternehmer als asymmetrische Spezialfunktionen haben wir schnell mit ins Spiel genommen; die sorgen für etwas zusätzliche Abwechslung. Dass hier eine signifikante Ungleichheit entstehen würde, konnten wir nicht feststellen, unsere Partien verliefen stets eng.

Als Fan von Engine-Builder-Spielen kann ich anderen Genre-Fans Furnace auf jeden Fall wärmstens empfehlen. Die solitären strategischen Planungen beim Produzieren stehen stets den interaktiven Auktionen gegenüber - eine wirklich gute Mischung. Das Spielmaterial ist ebenfalls gut, die Illustrationen sind hübsch, die Symbolik klar. Einzig die Tatsache, dass es sicher nicht das erste Spiel ist, bei dem man Ressourcenmanagement betreibt und bei dem man auch viel grübeln kann, mag manchen Spielern vielleicht nicht so gut gefallen. Meinen Geschmack hat Furnace aber auf jeden Fall getroffen, den meisten meiner Mitspieler ebenfalls. So vergebe ich insgesamt sehr gute 8 Kultpunkte! 

VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/iBFzCYK30UQ

KULTFAKTOR: 8/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 22.11.2021

Bildnachweis:
Coverfoto: Hobby World / Kobold Spieleverlag
Weitere Fotos: Spielkultisten