REZENSION

FRANTIC BRETTSPIEL

  • Genre: Familie
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Game Factory
  • Autoren: Fabian Engeler, Pascal Frick, Pierre Lippuner, Stefan Weisskopf
  • Grafik: Pierre Lippuner
  • Personen: 2 bis 6
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 40 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 3/10

Der Weg ist das Ziel

Im Brettspiel zum "hinterhältigen" Kartenspiel Frantic gelten nicht die üblichen Regeln. Zwar gibt es eine Laufstrecke, jedoch möchte hier niemand die Ziellinie überqueren, im Gegenteil! Je weiter man sich davon entfernt hält, umso größer sind die Chancen auf den Sieg!

REGELN

Legt den Spielplan aus und belegt die Teleportfelder mit den entsprechenden Karten. Mischt die restlichen Spielkarten, gebt jeder Person 6 bis 8 Handkarten (je nach Spielerzahl) und stellt eure Spielfiguren auf das Startfeld des Spielplans. Dieser zeigt eine Laufstrecke aus 42 durchnummerierten Feldern, an die sich das Zielfeld anschließt. Legt reihum nun immer eine Karte von eurer Hand auf ein freies Feld, bis ihr noch noch 4 Handkarten besitzt. Dann kann das Spiel beginnen.

Im eigenen Zug spielst du zunächst eine Karte von deiner Hand auf ein Feld des Spielplans. Das kann immer ein freies Feld sein, je nach (übereinstimmeder) Kartenfarbe können auch vorhandene Karten überdeckt werden. Dann wird gewürfelt. Die eigene Figur wird entsprechend weit nach vorn gezogen. Zum Schluss wird eine neue Karte nachgezogen.

Die Karten gibt es in verschiedenen Farben, mit unterschiedlichen Symbolen. Daran geknüpft sind bestimmte Effekte, die teilweise direkt beim Ausspielen, teilweise beim Überqueren des Feldes oder nur dann getriggert werden, wenn eine Figur direkt darauf landet. So gibt es Karten, deren Feld man überspringt, Karten, bei denen man seinen Zug unmittelbar beendet, Karten, die Figuren bewegen, auch gegnerische etc. Spezialkarten lösen Ereignisse aus, andere Karten wiederum können auch in gegnerischen Zügen gespielt werden. Portalfelder schicken einen zu anderen Portalen.

Ziel ist es, durch geschicktes Auslegen der Karten bzw. möglichst kleine Würfelwerte nicht allzu weit nach vorn zu laufen, während man die Gegner in Richtung Ziel bringen möchte. Eine Runde endet, wenn eine Figur das Zielfeld erreicht oder keine Karten mehr zum Nachziehen zur Verfügung stehen. Jetzt bekommen alle die Minuspunkte des Feldes, auf dem sie stehen, notiert. Im Anschluss folgt eine komplett neue Runde. 

Gespielt wird, bis mindestens eine Person am Rundenende ein vorher festgelegtes Limit an Minuspunkten erreicht oder überschritten hat. Wer nun die wenigsten Minuspunkte gesammelt hat, gewinnt.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • chaotischer Wettlauf, gegen Konventionen
  • gute Ausstattung
  • mitunter schöner Ärgerfaktor


CONTRA 

  • nur wenig steuerbar 
  • Karten fehlen Zusatzsymbole für schnellere Übersicht
  • viel zu lang, wenn man den Vorschlägen der Anleitung folgt

MEINUNG

Wenn es ein Brettspiel zum Kartenspiel Frantic gibt, dann war eigentlich schon vorher klar, dass dieses Spiel nicht gängigen Konventionen folgt. Beim Frantic Brettspiel möchte man dementsprechend nicht zum Ziel gelangen, denn je weiter man auf der Rennstrecke nach vorn zieht, umso mehr Minuspunkte warten.

Karte spielen, würfeln, Figur ziehen – das Grundgerüst wirkt dabei überraschend klassisch, fast so wie ein typisches Leiterspiel, allerdings mit deutlich mehr Variablen, denn die Effekte der Felder bestimmen wir durchs Platzieren der Karten selbst. Gut wäre es, sich selbst so weit wie möglich zu bremsen, während man die Konkurrenz nach vorn treiben möchte. Ein Ärgerspiel also, bei dem man Konfrontation suchen, sich aber auch wehren kann. Theoretisch.

Praktisch entscheiden die Handkarten darüber, was man (und auch nur teilweise) wirklich beeinflussen kann. Somit ist Glück im Spiel, das durch den Würfel noch weiter erhöht wird. Jeder platzierte Effekt, positiv oder negativ, wird, bis auf wenige Ausnahmen, nur aktiviert, wenn der Würfel das will. Kleine Würfelzahlen sind natürlich generell hilfreicher, um nicht schnell nach vorn zu laufen. Wer dennoch voranprescht, muss zusehen, wie er dem Ziel am besten entkommen kann.

Dieses gewollte Chaos muss man mögen, ebenso, dass das Spiel rein abstrakt bleibt. Zu zweit sind die Wartezeiten kürzer, dafür herrscht weniger Dynamik auf dem Board. Mein persönlicher Sweetspot liegt bei 4 Personen.

Das Hauptproblem, dass ich mit dem Spiel habe, ist jedoch die Länge. Die Anleitung macht da Vorschläge, wie hoch das Punktelimit sein könnte, um das Spielende auszulösen. Selbst in der Variante "kurz" spielt man aber auf jeden Fall zwei komplette Runden, oft auch mehr. Und genau diese daraus entstehende Spieldauer trägt das Frantic Brettspiel oft nicht. Eine Einzelrunde kann mal ganz lustig sein, mehrere Runden, die immer wieder bei Null beginnen, finde ich für ein Spiel dieser Art übertrieben. Wer sich da wirklich an die Vorschläge für ein langes Spiel halten möchte, der braucht etwas Geduld. Hinzu kommt, dass die Spiellänge eh schon überaus variabel ist (da kann jemand nach 5 Minuten im Ziel stehen, oder es gehen erst nach 30 Minuten die Karten aus). Wenn euch das auch zu lange dauert, fühlt euch frei, die Rundenzahl auf einen Durchgang zu reduzieren. Spielt im besten Fall dann lieber eine Revanche.

Noch ein Wort zum Material: Das ist eigentlich gut, das Brett ist stabil und in Double-Layer-Ausführung. Dass die Spielkarten nicht zusätzlich die kleinen Timing-Symbole zeigen, wann genau ihr Effekt wirkt, ist unverständlich. So muss man doch sehr häufig aufs Beiblatt schauen. Da ist zwar alles aufgelistet, dennoch wäre der Spielablauf noch flüssiger gewesen, wenn das ständige Hin- und Herschauen, das nötig ist, wenn man noch nicht alle Effekte auswendig kennt, weggefallen wäre.

KULTFAKTOR: 6/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 5/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 14.05.2026

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Game Factory
Weitere Fotos: Spielkultisten