REZENSION

FORMIDABEL!

  • Genre: Taktik-/ Kartenspiel
  • Jahr: 2025
  • Verlag: 2F Spiele
  • Autor: Friedemann Friese
  • Grafik: Sylvain Leroy
  • Spieler: 1 bis 4 
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 30 bis 45 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 5/10

Tausch das Schaf!

Drei Tomaten tausche ich gegen ein Schaf, das Schaf gegen drei Weizen und dann die drei Weizen gegen das Ziehen einer Karte. So erfülle ich alle Herzenswünsche der Leute an meinem Marktstand.

REGELN

In Formidabel! möchte ich alle meine Karten in meinem persönlichen Zugstapel erfüllen und dabei idealerweise die Belohnungen der einen Karte für die nächsten verwenden. Leider gibt es neue Karten nicht automatisch, aber es gibt ja noch die Regelbrecher.

Legt das Spielbrett in die Mitte und gebt allen je eine Scheibe und Übersicht in ihrer Farbe. Jetzt mischt ihr die Handelskarten und teilt so viele Karten pro Person aus, wie für eure Anzahl vorgegeben ist. Vom eigenen Stapel zieht ihr jeweils 3 Karten auf die Hand. Nachdem ihr noch fünf Karten für den Markt aufgedeckt habt, geht es los.

Reihum macht ihr Züge. In deinem Zug darfst du dir einmal Nachschub besorgen. Du legst deine Scheibe auf ein freies Feld des Bretts und nimmst dir die dort abgebildeten Feldfrüchte. In späteren Zügen darfst du nicht auf deinem Feld stehen bleiben.

Zusätzlich darfst du in deinem Zug bis zu drei Handelskarten von der Hand oder dem Markt erfüllen. Die Karten zeigen immer jemanden aus dem Dorf, der bestimmte Feldfrüchte haben möchte und dir dafür andere Feldfrüchte gibt, wobei Belohnungen auch beliebige Feldfrüchte, das Ziehen von Karten, oder z.B. das Tauschen von Handkarten mit dem Markt sein können. Es gibt auch Karten, die gar keine Feldfrüchte einfordern, sondern, dass du deinem Stapel Karten hinzufügst.

Erfüllte Karten legst du offen vor dir aus. Die Aktionen "Karten erfüllen" oder "Nachschub holen" kannst du in beliebiger Reihenfolge ausführen. Am Ende deines Zuges wird der Markt wieder auf fünf Karten aufgefüllt und alle deine erfüllten Karten werden umgedreht. Jetzt sind es Münzen. 

Münzen erlauben es dir, Regeln zu brechen. Für zwei Münzen kannst du beim Nachschub auf deinem Feld stehenbleiben, um den gleichen Nachschub noch einmal zu erhalten. Für eine Münze pro Scheibe auf einem Feld kannst du dieses besetzte Feld belegen und nutzen. Drei Münzen kannst du für eine beliebige Feldfrucht ausgeben oder um eine Karte zu ziehen.

Ihr spielt reihum, bis jemand alle eigenen Handelskarten, Handkarten und Karten vom Stapel, erfüllt hat. Ihr beendet die Runde, und wenn jemand als Einziger alle eigenen Karten gespielt hat, ist diese Person der Sieger. Ansonsten müssen alle Kartenlosen ihre Feldfrüchte in Punkte umrechnen, um den Gleichstand aufzulösen. 

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • klare Regeln
  • kleines Optimierungspuzzle


CONTRA

  • Startpositionsvorteil
  • Symbole müssen anfangs gelernt werden
  • keine gezielte Interaktion

MEINUNG

Friedemann Friese hat das erste Deckabbauspiel gemacht, Deckbau mit Stichspiel kombiniert, das erste Spiel eines etablierten Verlages herausgebracht, bei dem auch homosexuelle Beziehungen möglich waren (Fiese Freunde, Fette Fetten). Und ich las nun die Anleitung von Formidabel! und dachte mir so: „Das klingt doch sehr Standard.“

Wir sammeln Feldfrüchte und erfüllen damit Auftragskarten, aber statt um Punkte wetteifern wir darum, als erste Person fertig zu werden. Das klingt doch recht banal. Aber dann fand ich Formidabel! tatsächlich formidabel.

Wir haben hier ein schnell erklärtes Spiel, dass mir dann ein interessantes Puzzle bietet. Ich spiele quasi Domino mit den ganzen Handelskarten. Ich bekomme von Karte 1 etwas, was mir erlaubt, Karte 2 zu erfüllen usw. Geschickterweise ist die Anzahl der erfüllbaren Karten auf drei pro Zug beschränkt, so dauern die Züge meist nicht lange.

Dann gibt es immer die Frage, wann einem Karten vom Markt helfen. Zum einen gebe ich Feldfrüchte für eine Karte aus, die mich nicht direkt dem Sieg näherbringt, aber ich erhalte Münzen oder ich brauche die Belohnung der Marktkarte für eine Handkarte. Weiterhin brauche ich nicht nur einen ständigen Nachschub an Feldfrüchten, sondern auch an Karten. In Formidabel! ziehen wir nicht automatisch Karten auf unsere Hand, weswegen ich auch nicht einfach mit ein paar glücklichen Karten davonziehen kann.

Ich muss noch mehr Glück haben. Es kann bei Formidabel! durchaus passieren, dass jemand einfach ein paar besser kombinierbare Karten zieht, aber es hängt wirklich viel von der eigenen Fähigkeit ab, die richtigen Karten im Markt zu sehen und geschickt mit den eigenen Handkarten zu kombinieren. Wer dies klug mit seinen Münzen in Einklang bringt, ist auf einem besseren Weg, als jemand mit glücklichen Karten. Trotzdem kann es schon passieren, dass ich einfach etwas Pech habe und lange brauche, um zum Zuge zu kommen.

Glück brauche ich auch manchmal, wenn die anderen ihre Plätze beim Nachschub wählen. Ein paar Dinge kann ich abschätzen, aber wenn ich dringend etwas vom Nachschub haben möchte, habe ich besser ein oder zwei Münzen parat.

Interaktion ist hier also eher indirekt, zwar beeinflusse ich andere direkt, aber ich kann nicht gezielt versuchen, jemandem bestimmte Feldfrüchte vorzuenthalten. Und da muss ich leider sagen, dass es einen Vorteil gibt für die Person, die anfängt, denn für diese Person sind alle Nachschuboptionen verfügbar. Die Lösung, nur eine oder zwei Marktkarten im ersten und zweiten Zug verwenden zu dürfen, ist eher schwach. Ich hätte lieber Marker für Startposition 3 und 4 gehabt, die für das Verwenden eines besetzten Felds eingetauscht werden können.

Auch wenn die Grundregeln recht schnell gelernt sind, müsst ihr euch beim Spielen auf ein paar Rückfragen aufgrund der Symbole einstellen. Habt ihr aber einmal alle Symbole verstanden, also spätestens nach einer Partie, so läuft das schon flüssig. Die Symbole sind gut zu verstehen, wenn man sie einmal kennt. Die restliche Gestaltung ist auch sehr klar gehalten. Die Feldfrüchte haben alle individuelle Holzmarker, und die Handelskarten zeigen hauptsächlich die Feldfrüchte für den Handel. Diese Wünsche werden allerdings von putzigen Dorfbewohnern vorgetragen, bei denen ich an gemütliche Farm-Simulationen wie Harvest Moon oder Stardew Valley denken musste.

Mit den 30 Minuten pro Partie ist dieses minimalistische Paket auch bei der Spielzeit auf das Notwendigste reduziert. Und eben als reduziertes, klares und flottes Optimierungsrennen macht mir Formidabel! überraschend viel Spaß.

KULTFAKTOR: 8/10

Spielidee: 8/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

LUTZ

Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast

Eine Rezension vom 24.03.2026

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: 2F-Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten