REZENSION
FIVE FAMILIES
- Genre: Strategiespiel
- Jahr: 2025
- Verlag: Skellig Games / Queen Games
- Autore: Friedemann Friese
- Grafik: Roman Kucharski
- Personen: 2 bis 5
- Alter: ab 10 Jahren
- Dauer: ca. 45 bis 90 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Taktiklevel: 8/10
Familienangelegenheiten
Fünf Mafia-Familien beherrschen die dunkle Seite New Yorks in der Zeit der Prohibition. Nutze deine Gangster und dein Geld, um die Kontrolle über möglichst viele Stadtteile zu sichern. Jeder kontrollierte Stadtteil sichert dir Einfluss und generiert Einkommen. Welche Familie wird die einflussreichste sein?
Hinweis: Zum Test stand uns leihweise ein Prototyp des Spiels zur Verfügung. Das finale Spiel kann Änderungen beinhalten!
REGELN
Der Spielplan, der New York im Jahr 1931 in 54 Stadtteilen darstellt, wird ausgelegt. Abhängig von der Spieleranzahl werden Stadtteilkarten aus dem Spiel entfernt und ein bis drei Gangster-Spielfiguren (Mobster) von den nichtspielenden Farben auf den Spielplan in die Stadtteile entsprechend den aussortierten Karten gelegt. Aus den restlichen Karten wird der Nachziehstapel gebildet, aus diesem wiederum entsteht ein ständiger Markt aus sechs Karten plus die Anzahl an Spielern. Die Menge an Startressourcen (Mobster, Geld und Fässer) werden in Abhängigkeit von der Spielerreihenfolge ausgeteilt.
Ziel des Spiels
Die fünf Mafia-Familien haben eingesehen, dass ein andauerndes gegenseitiges Bekämpfen den Geschäften schadet. Somit kam es zu der Vereinbarung, die Stadt auf die fünf Familien aufzuteilen. Kurz vor der Aufteilung versucht aber jede Familie, möglichst viele Stadtteile unter ihre Kontrolle zu bringen.
Stadtteilkarten
Jede Stadtteilkarte entspricht einem Stadtteil von New York auf dem Spielplan. Je 3 Stadtteile sind zu einem Gebiet zusammengeschlossen. Im oberen Abschnitt der Karten sind die Einflusspunkte, der Name und die Nummer des Stadtteils angegeben. Der untere Bereich ist in zwei weitere Bereiche geteilt. Im oberen ist ein einmaliger Effekt zu sehen, im unteren ein Einkommen, das man am Ende seines Spielzuges erhält.
Anspruch und Kontrolle
Zwei wichtige Begriffe im Zusammenhang mit Stadtteilen und ihren Karten sind „Anspruch“ und „Kontrolle“. Wenn im Laufe des Spiels Karten aus dem Markt genommen und mit Mobstern besetzt werden, dann wird lediglich der Anspruch auf diese Karte erhoben. Es besteht weiterhin die Möglichkeit, dass andere Familien die Karte und somit den Stadtteil für sich beanspruchen.
Erst wenn am Anfang eines Spielzuges die Kontrolle von einer zuvor beanspruchten Karte übernommen wird, ist der Stadtteil vor weiteren Übernahmen sicher. Zu Spielende geben diese kontrollierten Karten die für den Sieg notwendigen Einflusspunkte. Sollte der letzte von den drei Stadtteilen eines Gebietes kontrolliert werden, kommt es zur Gebietswertung. Dabei wird verglichen, welche der Familien die meisten Mobster in dem Gebiet aufweist. Diese Familie setzt eines ihrer Autos in das Gebiet und entfernt alle Mobster in die jeweiligen Vorräte. Jedes Auto gibt bei Spielende zusätzlich fünf Einflusspunkte.
Spielzug
Gespielt wird im Uhrzeigersinn. Jeder Spielzug ist in drei Phasen unterteilt:
1. Kontrolle übernehmen
2. Anspruch anmelden
3. Einkommen kassieren
1. Kontrolle übernehmen
In dieser Phase kann die Kontrolle von beliebig vielen vorher beanspruchten Stadtteilkarten übernommen werden. Dafür müssen für jeden Mobster auf der Karte $200 gezahlt werden. Durch die Übernahme verletzen sich die Mobster und werden in den Vorrat gelegt. Die Anzahl der Verletzten ist auf der Karte angegeben. Die restlichen verbleibenden Mobster kommen auf den der Karte entsprechenden Stadtteil auf dem Spielplan.
2. Anspruch anmelden
„Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann.“ (Marlon Brando in „Der Pate“)
Auf eine Karte im Markt oder bei den Mitspielenden kann Anspruch erhoben werden.
Dafür werden mindestens ein Mobster mehr auf die Karte gesetzt werden, wie Pflaster auf der Karte angegeben sind. Sollten jetzt mindestens fünf Mobster mehr als Pflaster auf der Karte liegen, muss über diese Karte sofort die Kontrolle übernommen werden (Direktübernahme). Ansonsten verbleibt die Karte im eigenem Anspruchsbereich und ist somit angreifbar für die anderen Familien.
Weitere Karten können durch das Ausgeben von Fässern beansprucht werden. Die Fässer können noch auf zwei weitere Arten genutzt werden. Zum einen entspricht ein Fass $100, und zum anderen kann ein Fass gegen einen eigenen Mobster aus dem Vorrat eingetauscht werden.
3. Einkommen kassieren
In der letzten Phase werden durch bereits kontrollierte Stadtteile Einkommen in Form von Geld, Mobster und Fässern, wie im unterem Bereich der Stadtteilkarte angegeben, kassiert.
Spielende
Sobald der letzte Stadtteil kontrolliert wird, endet das Spiel und es kommt zur Schlusswertung, bei der, wie schon erwähnt, die Einflusspunkte auf den kontrollierten Stadtteilkarten gezählt und fünf weitere Punkte für jede gewonnene Gebietswertung vergeben werden. Die Familie mit den meisten Einflusspunkten gewinnt und gilt fortan als einflussreichste Familie von New York.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- wenige Regeln, schnelle Spielzüge
- durchweg taktisch
- viel Interaktion
CONTRA
- schlechtes Management kann einen aus einer Partie kicken
MEINUNG
Beim Mafia-Thema wurde ich direkt hellhörig, insbesondere war ich gespannt darauf, wie Friedemann Friese sich diesem Setting spielerisch genähert hat. Direkt vorab der Hinweis, dass ich für meine Testrunden einen Prototypen zur Verfügung hatte und daher noch nichts über das finale Spielmaterial sagen kann, wohl aber über das Spielgefühl.
Five Families ist ein Spiel mit einer sehr hohen Spielerinteraktion, die perfekt zum Thema passt. Ja, so Mafia-Familien gönnen sich gegenseitig erwartungsgemäß nichts, und so kann und wird es passieren, dass ein Stadtteil mehrere Interessenten besitzt. Genau um die Aufteilung der Stadtteile geht es in diesem Spiel. Die verbundene Stadtteilkarte wandert dann munter hin und her und wechselt mehrere Male ihre Besitzer, bis es zur endgültigen Übernahme kommt.
Da gilt es, die Mitspielenden gut im Auge zu behalten, vor allem ihre Möglichkeiten. Schaue ich auf die Vorräte der anderen, kann ich abschätzen, ob ich für einen bestimmten Stadtteil nicht zu viele Ressourcen ausgeben muss. Hier kann das Spielerlebnis eventuell getrübt werden, allerdings nur durch Eigenverschulden. Wer sein Einkommen schlecht organisiert, findet öfters keinen Anschluss mehr, und große Aufholjagden sieht die Spielmechanik in diesem Fall nicht vor. Man sollte also wissen, worauf man sich hier einlässt und das Spiel am besten mit Personen auf dem selben Level spielen - oder schlechtes Management als Lerneffekt für zukünftige Partien verbuchen, für mich kein Problem. Dass das Geld im eigenen Besitz verdeckt gehalten werden soll, empfand ich als nicht nötig.
Die Spielzeit ist mit höchstens 90 Minuten für ein Mehrheiten-Spiel dieser Art angenehm kurz, Five Families lebt von schnellen Spielzügen, die gerade zum Ende hin die Spannung in die Höhe treiben können. Die Regeln sind dabei gut verständlich und leicht zu erlernen, das Thema kommt, bei aller Abstraktion, sehr gut rüber, zudem ist das Spiel mit jeder Personenanzahl gut spielbar. Sowohl der schnelle Spielaufbau und die verhältnismäßig kurze Spieldauer, als auch die übersichtliche Auswertung am Spielende führen dazu, dass Five Families bei mir schnell erneut auf dem Tisch landete.
Genau solche Strategiespiele mag ich - Spiele, bei denen jeder Spielzug bedeutend ist, Spiele mit viel direkter Interaktion, ohne endlos lange Wartezeiten, Spiele, bei denen um Mehrheiten gerangelt wird. Da fällt es mir direkt schwer, mich nun (Stand: September 2025) wieder vom Prototypen trennen zu müssen; ich freue mich umso mehr auf das finale Spiel, für das eine Crowfunding-Kampagne angekündigt ist. Bis auf die genannten Kritikpunkte, deren Gewichtung jeder für sich selbst einordenen sollte (für mich stellen sie kein wirkliches Problem dar), ist Five Families für mich eine echte Überraschung; da es exakt meinen Spielgeschmack trifft, ein Highlight! Richtig starke 9 Kultpunkte von mir. Love it!
KULTFAKTOR: 9/10
Spielidee: 9/10
Ausstattung: keine Wertung, da Prototyp
Spielablauf: 8/10
EUER REZENSENT
DAVID
Verspielter Vielspieler, digital und analog
Eine Rezension vom 09.09.2025
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch die Leihgabe eines Prototyps.
Bildnachweis:
Coverfoto: Skellig Games
Weitere Fotos: Spielkultisten