REZENSION

ÉVORA

  • Genre: Taktikspiel
  • Jahr: 2022
  • Verlag: MEBO Games, im Vertrieb von HeidelBÄR Games
  • Autor: João Quintela Martins
  • Grafik: Matteo Piana
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 8 Jahren 
  • Dauer: ca. 30 bis 60 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 7/10

Auf Säulen gebaut

Im 1. Jahrhundert wurde in der portugiesischen Stadt Évora ein römischer Tempel errichtet, vom dem bis heute 14 Säulen erhalten geblieben sind. Genau diese Säulen bauen wir nun, um damit Punkte zu sammeln. Hoffen wir mal, dass dabei die Statik stimmt ...

REGELN

Legt den Spielplan aus, legt die weißen Bausteine auf die Felder des Steinbruchs, mischt die Karten getrennt nach Farben und bildet daraus vier Stapel, deckt jeweils die oberste Karte auf. Stellt einen eurer Arbeiter der Reihe nach jeweils auf ein beliebiges freies Feld der Baustelle; der neutrale Zenturio belegt dabei zuvor ein fest vorgegebenes Feld. Nehmt euch zudem das Material eurer Spielerfarbe (Säulensteine, Kapitelle und weitere Arbeiter). Spielt ihr nur zu zweit, besitzt jeder von euch zwei Arbeiter auf der Baustelle.

Gespielt wird reihum. Bist du am Zug, bewegst du deinen Arbeiter (im Spiel zu zweit einen deiner beiden Arbeiter) auf ein freies Feld der nächsten zusammenhängenden, komplett leeren 3er-Kolonne an Feldern. Nun gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Entscheidet du dich für Option A, ziehst du eine der ausliegenden Karten auf die Hand. Du kannst sie erst ab dem nächsten Spielzug nutzen.
  • Entscheidest du dich für Option B, dann führst du die Aktion des Baustellen-Feldes aus. Die verschiedenen Felder erlauben es dir, auf verschiedene Weise Säulenteile zu errichten (z.B. zwei Säulensteine auf verschiedenen Baufeldern, einen eigenen Säulenstein und einen neutralen Stein vom Steinbruch übereinander bzw. auf verschiedenen Feldern, ein Kapitell (Säulenabschluss) auf eine bestehende Säule aus vier Bauteilen, sofern noch kein Kapitell vorhanden ist usw.), andere Felder lassen dich dein Kaiserbonusplättchen neben einer Säule ablegen, den Zenturio nutzen statt deines Arbeiters, zwei Karten in der angegebenen Farbe ziehen oder eine ausliegende Karte direkt nutzen. 


Beim Errichten von Säulen gibt es folgende Regeln:

  • Du darfst eigene Säulensteine oder weiße neutrale Steine auf freien Baufeldern platzieren oder auch auf bereits begonnenen Säulen. Dabei ist es unerheblich, welche Farben sich bereits in einer Säule angesammelt haben. 
  • Eine Säule darf aus maximal vier Säulensteinen und einem Kapitell bestehen. 
  • Hast du mindestens zwei Teile deiner Farbe in einer Säule verbaut und besitzt die Mehrheit (einen Gleichstand entscheidet derjenige für sich, der ein Säulenteil weiter oben platziert hat), markierst du die Säule, indem du einen deiner übrigen Arbeiter oben auf die Säule stellst. 
  • Sollte bereits ein Arbeiter einer anderen Farbe auf der Säule stehen, ersetzt du ihn mit deinem Arbeiter, wenn du die Mehrheit übernimmst.
  • Du erhältst sofort Punkte für ein verbautes eigenes Säulenteil, je nach Position: 3 / 2 / 1 / 3 / 5 Punkte für Ebene 1 / 2 / 3 / 4 (Steine) / 5 ( Kapitell). 
  • Ein verbauter neutraler Stein hingegen liefert dir stets 2 Punkte, egal, an welcher Position er sich befindet.
  • Weiße Steine zählen bei der Mehrheitenbestimmung mit!


Karte(n) spielen:

  • Einmal pro Spielzug darfst du, vor oder nach deiner gewählten Option, eine Karte ausspielen in der Farbe des Feldes, das du mit deinem Arbeiter auf der Baustelle belegst. Nutze diese Karte dann und werfe sie ab. Karten können dir Siegpunkte für errichtete Säulen bringen, das Kaiserbonusplättchen aufwerten, sie können dich neue Säulenteile errichten lassen oder Arbeiter auf der Baustelle vertauschen bzw. den Zenturio neu platzieren usw. 
  • Statt nur eine Karte zu spielen und ihre Aktion zu nutzen, kannst du auch drei beliebige Karten abwerfen, um eines der vier vor Spielbeginn ausgelegten Sofortbonus-Plättchen zu nutzen. Diese Plättchen sind besonders stark (z.B. gleich drei Säulenteile platzieren), werden nach ihrer Nutzung aber abgelegt.


Das Spiel endet, wenn eine der beiden Bedingungen eintritt:

  • Alle zur Verfügung stehenden Baufelder (die Anzahl unterscheidet sich je nach Spielerzahl) sind mit Säulen aus mindestens vier Steinen bebaut.
  • Eine Person hat sämtliche Säulensteine ihrer Farbe verbaut (die Kapitelle werden nicht beachtet).


Nun erfolgt die Schlusswertung:

  • Ein platziertes Kaiserbonusplättchen bringt dir 3 (oder aufgewertet 5) Punkte für jedes verbaute Säulenteil deiner Farbe in der angrenzenden Säule.
  • Du erhältst 5 Punkte für jede Säule, bei der du die Mehrheit besitzt, also ein Arbeiter deiner Farbe auf der Säule steht.
  • Du erhältst 5 / 10 / 15 / 5 / 10 Punkte für Mehrheiten von Säulenteilen deiner Farbe in den Ebenen 1 / 2 / 3 / 4 / 5 aller Säulen, sofern erneut mindestens zwei Säulenteile zur jeweiligen Mehrheit beitragen.


Wer die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • taktisches Area-Control-Spiel
  • ebenso taktische Aktionsauswahl, besonders zu zweit
  • interessante Verknüpfung mit Aktionskarten
  • schöne Tischpräsenz


CONTRA 

  • Aktionsauswahl kann sehr eingeschränkt sein
  • errichtete Säulen werden zum Geschicklichkeitsspiel

MEINUNG

Ja, die errichteten Säulen sehen schon imposant aus, wenn sie denn erst einmal auf dem Spielplan stehen. Dass die Römer auch schon mehrfarbige Säulen errichtet haben, war mir neu, aber hey, für die Siegpunkte-Bestimmung ist das nötig, also nehmen wir die Streifen-Optik mal so hin. Die Bausteine, die zum Bau dieser Säulen verwendet werden, haben eine schöne Größe, sind aus Holz und wirken massiv, beim Aufeinanderstapeln gibt es allerdings keinerlei Verankerung. Wenn dann noch ein Kapitell (in Form einer einfachen kleinen Holzplatte) und ein Arbeiter auf eine Säule bugsiert werden, dann ist dabei schon etwas Feinmotorik gefragt, insbesondere, wenn die eng nebeneinander liegenden Baufelder unterschiedlich bebaut werden. Kurz und knapp: Die Tischpräsenz ist solange schön, wie die Säulen stehen bleiben. Eine kleine Unachtsamkeit reicht da aus, um so ein Bauwerk einstürzen zu lassen, was die Bestimmung der Mehrheiten dann schwierig werden lässt, wenn die Reihenfolge der Steine nicht mehr nachzuvollziehen ist - wir haben es tatsächlich mehrfach erlebt. Seid also bitte vorsichtig beim Tempelbau oder lasst direkt die Feinmotoriker eurer Runde die Ausführung der Bauvorhaben für alle übernehmen.

Der Weg zur Säule und zu den Punkten für unterschiedliche Höhen, für Mehrheiten, teils unter Ausnutzung der neutralen Steinen, ist taktisch geprägt. Das abzulaufende Aktionsrondell offeriert einem immer drei Aktionsfelder, aus denen dann eins gewählt werden muss. Klingt erst einmal gut, kann aber, mit entsprechender Blockade bestimmter Felder durch die Mitspieler, was taktisch natürlich so gewollt ist, auch dazu führen, dass man keinen Zugriff auf eine gerade dringend benötige Aktion hat. Umso wichtiger sind die Aktionskarten, die teil starke Fähigkeiten besitzen. Die Idee, eine farblich zum gerade belegten Feld passende Karte ausspielen zu dürfen (vor dem Bewegen oder nach dem Bewegen auf der Baustelle), schafft oft neue Voraussetzungen oder erhöht den Ertrag einer Aktion. Diese Verknüpfung ist tatsächlich ein taktisches Herzstück des Spiels, wobei manche Karten in passenden Synergien stärker erscheinen als andere. Da ist dann auch immer so ein kleiner Glücksfaktor mit im Spiel, welche Karten sich gerade in der Auslage befinden.

Besonders taktisch ist die Aktionsauswahl übrigens im Spiel zu zweit, da jeder dann zwei Arbeiter über das Rondell zieht und sich somit selbst Vorlagen für bestimmte Aktionen schaffen kann.

Das Area-Control-Element, also das Erschaffen und Werten von Mehrheiten, ist dann klassischer Natur. Da wird einfach die Anzahl eigener Bauteile gezählt, was innerhalb einer Säule jetzt kein großes Problem darstellt. Die Bestimmung der Mehrheiten auf den einzelnen Ebenen aller Säulen ist da schon schwieriger zu überblicken, da die Säulen einem teilweise auch die Sicht auf andere Säulen nehmen, und, ihr wisst ja, wer sich über den Tisch beugt, um nur mal kurz zu kontrollieren, ob eine dahinter stehende Säule denn schon eine eigene Farbe beinhaltet, der riskiert als Grobmotoriker (aus eigener Erfahrung) den Einsturz der ganzen Baupracht ...

Interessant wiederum ist die Tatsache, dass es bereits beim Bau einzelner Säulenteile schon unterschiedlich viele Punkte auf den einzelnen Etagen gibt. Da ist es bewusst nicht so gewählt, dass sich die Punkte für die Etagen nach oben hin steigern, sondern gerade auch die mittlere Position heiß begehrt ist. Das führt dann zu einem schönen Gerangel um die Bauplätze, sofern alle dazu bereit sind, sich wirklich nichts zu schenken. Ja, manchmal hat man das Gefühl, nur Vorlagen für andere Personen zu erschaffen, aber das gleicht sich dann doch meistens ganz gut aus. Wir haben es allerdings auch schon erlebt, dass die Spielenden meinten, es sei eine gute Idee, sich nur auf eigene, farbreine Säulen zu konzentrieren. Ich sage mal so: So eine Säule kann dann mit einer passenden Karte oder einem aufgewerteten Kaiserbonusplättchen richtig viele Punkte bringen, aber eigentlich ist das Überlassen von solchen Geschenken nicht in der DNA der Spielintention verankert. Das Spiel lebt davon, den Mitspielenden in die Suppe zu spucken bzw. in die Säulen.

Alles in allem ist Évora für mich ein grundsolides Mehrheitenspiel mit schönen eigenen Kniffen, was die Aktionsauswahl und die Verknüpfung mit den Karten angeht. Das eigentliche Spielziel, Area Contol eben, wirkt dagegen wiederum wie ein guter alter Bekannter, und zudem ist das Errichten der optisch imposanten Säulen leider etwas wackelig geraten, was das Spiel für alle, die feinmotorisch nicht so gut unterwegs sind, teilweise zum Geschicklichkeitsspiel werden lässt. Dennoch ist das Spiel kurzweilig, besonders dann, wenn um jede Position in einer Säule (spielerisch) gekämpft wird. Insgesamt vergebe ich daher 7 Punkte an dieses Spiel.

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 10.10.2023

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: MEBO Games / HeidelBÄR Games
Weitere Fotos: Spielkultisten