REZENSION

DUELL UM CARDIA

  • Genre: Kartenspiel
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Hans im Glück / im Vertrieb von Asmodee
  • Autoren: Faouzi Boughida, Mathieu Rivero
  • Grafik: Florian Herold, Qistina Khalidah, Dominik Mayer, Ingram Schell, Jonas Schmutzler
  • Personen: 2
  • Alter: ab 9 Jahren
  • Dauer: ca. 15 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 7/10

Dein Siegel? Mein Siegel!

Einst schuf der Djinn die Stadt Cardia, jetzt rangeln wir um ihre Vorherrschaft. Durchs Ausspielen von Karten versuchen wir, die verschiedenen Fraktionen auf unsere Seite zu ziehen und ihre Siegelringe zu erlangen. Doch nichts ist hier für die Ewigkeit bestimmt, im Gegenteil ...

REGELN

Dem Spiel liegen pro Person zwei verschiedene Kartendecks (jeweils mit Karten von 1 bis 16 und unterschiedlichen Fähigkeiten) bei. Entscheidet euch für ein Deck und mischt dann jeweils eure persönlichen 16 Karten. Ihr spielt also beide mit einem identischen Kartendeck. Kennt ihr das Spiel besser, könnt ihr euch Karten zwischen den Decks austauschen. In jedem Deck befinden sich jeweils 4 Karten jeder Fraktion (= Farbe); so könnt ihr z.B. die grünen Karten aus Deck 1 durch die grünen Karten aus Deck 2 ersetzen etc.

Habt ihr Duell um Cardia schon öfter gespielt, könnt ihr zudem die Schauplatz-Karten mit ins Spiel holen. Deckt einen Schauplatz auf. Dieser verändert nun die Regeln dieser Partie, z.B. dürfen dann keine gleichfarbigen Karten nacheinander gespielt werden etc. Für die ersten Runden könnt ihr die Schauplätze aber auch einfach weglassen.

Gespielt werden mehrere Duelle ("Begegnungen"). Zieht zunächst 5 Karten von eurem Stapel auf die Hand. Sucht euch nun jeweils eine Handkarte aus und legt sie verdeckt vor euch. Deckt im Anschluss beide Karten auf; legt sie dabei so in eine Reihe, dass sich die beiden Karten der Duellanten immer gegenüber liegen. Betrachtet nun die Werte der ausgespielten Karten:

  • Die Karte mit dem höheren Wert erhält ein Siegel.
  • Die Karte mit dem niedrigeren Wert führt hingegen ihre Fähigkeit aus.
  • Bei einem Gleichstand passiert nichts.


Die Fähigkeiten der Karten sind vielfältig. Mal muss das Gegenüber die gerade gespielte Karte wieder abwerfen, mal werden die Einfluss-Werte der Karten verändert, mal müssen Handkarten abgeworfen werden oder die nächste Karte muss direkt offen ausgelegt werden usw. So kann es dazu kommen, dass Duelle, die bereits in vorherigen Runden entschieden wurden, im Nachhinein manipuliert werden. Eine zuvor überlegende Karte kann so im Nachhinein doch noch ein Duell verlieren; zwar wird in diesem Fall nicht mehr ihre Fähigkeit ausgeführt, aber Siegel können durchaus ihre Seiten wechseln.

Nach jedem Duell zieht jeder eine neue Karte vom eigenen Stapel auf die Hand. Durch Kartenfähigkeiten kann sich die Anzahl der Handkarten im Laufe des Spiels (auch einseitig) verringern.

Sollte am Ende einer Runde eine Person fünf oder mehr Siegel besitzen, gewinnt diese Person das Spiel. Gewonnen werden kann auch durch die Sieg-Funktion einer Karte oder wenn das Gegenüber keine Karte mehr zum Ausspielen besitzt.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • spannendes Duell um Taktik und Timing
  • schnell erlernt, schnell gespielt
  • viele Überraschungsmomente


CONTRA

  • auf lange Sicht gibt es gewisse sich wiederholende Strategien

MEINUNG

Manchmal überraschen mich Spiele, die zunächst komplett unter meinem Radar liefen. Duell um Cardia ist so ein Spiel. Im Sommer 2025 bei Hans im Glück erschienen, übersah ich die kleine Schachtel im Spieleladen meines Vertrauens zunächst einmal, ist sie auch für den Hans im Glück-Verlag in ihrer Größe gar nicht typisch. Letztlich gelangte Cardia dann doch noch zu mir, und das war definitiv eine gute Entscheidung.

Zweimal je 16 Karten enthält die Box, heißt: zwei unterschiedliche Kartendecks pro Person. Wir entscheiden uns für ein identisches Deck, und los geht‘s! Das Spiel ist superschnell erklärt. Handkarte auswählen, verdeckt ausspielen, aufdecken, vergleichen - mehr ist das nicht. Der Vergleich ist dann das, was Duell um Cardia so besonders macht. Ziel des Spiels ist es, Siegel zu gewinnen. Diese gewinne ich natürlich bevorzugt mit hohen Kartenwerten. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis gilt nun die Regel, dass die unterlegende Person die Funktion ihrer Karte ausführt. Und schon ist das Chaos perfekt. Gerade noch über das Siegel gefreut, wechselt es plötzlich die Seite, Kartenwerte werden im Nachhinein manipuliert, Karten werden abgeworfen - nichts ist sicher. Und so ist es nicht selten der Fall, dass man eine Begegnung explizit verlieren möchte, um die tolle Fähigkeit der ausgespielten Karte nutzen zu dürfen.

Das Spiel ist dabei natürlich auch glücksbehaftet. Die Karten kommen zufällig auf die Hand, und manche Kombinationen erfordern einfach bestimmte Abfolgen, damit sie so richtig zünden. Das heißt nicht, dass man die Kombinationen nicht auch mit anderen Karten spielen kann, aber es gibt durchaus geniale Winkelzüge. Die 16er-Karte, die höchste Karte im eigenen Deck, hat beispielsweise die Fähigkeit, das Spiel sofort zu gewinnen. Tja, aber wie löse ich die Funktion der Karte aus, wenn doch immer nur der niedrigere Kartenwert dazu befähigt ist und es keine höhere Karte gibt? Jetzt wird es tricky, denn es gibt durchaus Karten, die einen Kartenwert bereits mit Ankündigung verändern. Dann muss ich z.B. zusehen, dass ich zuvor die Karte mit der Funktion „Die nächste Karte ist in ihrem Wert um 5 reduziert“ auslöse, und dann hoffentlich mit der auf 11 manipulierten 16 das Duell verliere, um die Siegfunktion direkt nutzen zu dürfen. Genial, aber natürlich nicht so einfach, denn kennen beide Duellanten das Spiel, wird Duell um Cardia zum bekannten „Ich denke, dass du denkst, dass ich denke ..."-Phänomen. Ich antizipiere also, was mein Gegenüber wohl mit seiner gewählten Karte als nächstes vorhat. Und so triumphiere ich, wenn ich seinen Plan vereitele - oder ärgere mich, weil er am Ende etwas ganz anderes macht, ich aber dafür eine meiner wertvollsten Karten geopfert habe. Emotionen sind da vorprogrammiert.

Bei all den Gedanken um Taktik und Timing ist es natürlich auch nicht ganz unwichtig, welche Karten mir zu welchem Zeitpunkt zur Verfügung stehen. Auch gibt es Ärgerelemente im Spiel, die einen aus einer Partie kicken könnten, nämlich dann, wenn ich beispielsweise alle Karten einer vom Gegenüber zufällig bestimmten Farbe von meiner Hand abwerfen muss. Da ich nach jedem Einzelduell immer nur eine Karte nachziehe, kann eine reduzierte Kartenhand schon ordentlich ins Gewicht fallen. Weniger Auswahl - weniger Entscheidungsmöglichkeiten. Spielen wir dann auch noch mit den über die Schauplätze veränderten Regeln, kann es tatsächlich auch mal schwierig werden, alle Vorgaben zu erfüllen. Sollte eine Partie auf diese Weise schneller enden, als es einem lieb ist, steht einer Revanche aber nichts im Wege, denn Duell um Cardia ist echt schnell gespielt. 15 Minuten sind da schon das Maximum.

Als kleines flottes Zweier-Spiel gefällt mir Duell um Cardia wirklich sehr gut. Ich mag das lockere, aber doch taktische Konzept, ich mag die Überraschungsmomente, ich mag das gegenseitige Belauern. Wenngleich sich auf lange Sicht dann gewisse Abfolgen wiederholen, so bietet das Spiel durchs mögliche Mischen der Decks auch noch einmal zusätzliche Varianz. Nicht jeder mag solche Duellspiele, bei denen es nur darum geht, das Gegenüber auszumanövrieren. Bei Duell um Cardia ist die Hemmschwelle, meinem Mitspieler Böses zu wollen, aber angenehm niedrig, da sich beide Seiten nie sicher sein können, dass die Pläne wirklich aufgehen. Wer bevorzugt zu zweit spielt und genau solche Spielkonzepte interessant findet, dem kann ich Duell um Cardia wärmstens empfehlen - sehr gute 8 Kultpunkte meinerseits, in engen Partien sogar mit persönlicher Tendenz zur 9!

P.S. Dass auf der Schachtel die Personenanzahl 4 in Klammern steht, hat übrigens seinen Grund. Ja, theoretisch könnt ihr das Spiel auch zu viert spielen, aber ihr spielt dann nicht zusammen, sondern einfach nur zwei Duellrunden parallel. Die Kartendecks reichen dafür aus, die Marker eher nicht. Die Variante ist somit nur ein Notbehelf;  ist und bleibt für mich ein reines 2-Personen-Spiel.

VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/OZ5iZc8U-5g

KULTFAKTOR: 8-9/10

Spielidee: 9/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 07.09.2025

Bildnachweis:
Coverfoto: Hans im Glück
Weitere Fotos: Spielkultisten