REZENSION
DIE GLORREICHEN GILDEN VON BUTTONVILLE
- Genre: Familien-/ Kartenspiel
- Jahr: 2025
- Verlag: Ravensburger
- Autoren: Christian Kudahl, Erik Andersson Sundén
- Grafik: Matt Owen
- Spieler: 2 bis 4
- Alter: ab 8 Jahren
- Dauer: ca. 30 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Taktiklevel: 6/10
Knöpfe, Karten, Kombinationen
Die Stadt der Köpfe hat ein Problem: keine Bewohner! Für die sorgen wir, indem wir die verschiedenen Gilden besuchen und ihre Anhänger für uns akquirieren. Dabei sollten wir sowohl auf Ihre Fähigkeiten achten, als auch auf die Gruppenstärke.
REGELN
Stellt ein Kartendeck aus ausgewählten unterschiedlichen Bewohnern zusammen. Die Anleitung gibt dabei vor, wie viele Karten aus welchen Gilden stammen müssen, auch gibt es bereits empfohlene Kartenkombinationen. Von jedem gewählten Bewohner landen 12 Karten im gut gemischten Stapel. Ein Teil des Stapels wird zum Finalstapel. Deckt nun fünf Karten vom Nachzugstapel auf, zieht außerdem jeweils vier zufällige Karten auf die Hand. Jeder erhält zudem zwei erste Knöpfe.
Gespielt wird reihum. Bist du am Zug, nimmst du zunächst verpflichtend 2 Karten aus dem offenen Angebot oder vom Stapel (beliebig kombiniert). Eine aus dem Angebot genommene Karte wird mit einer neuen vom Stapel aufgefüllt, sofern die Kartenanzahl weniger als fünf beträgt.
Im Anschluss darfst du ein Set aus Handkarten ausspielen. Ein Set kann eine einzelne Karte sein oder aber mehrere Karten, die denselben Bewohner zeigen. Führe dann ggf. die Fähigkeit des Bewohnertyps aus. Die Anzahl der Karten ist wichtig fürs Spielende – je mehr Karten in einem Set liegen, umso mehr Punkte gibt es dafür. Die Krux: Einmal ausgespielte Sets dürfen im Nachhinein nicht ergänzt werden. Spielst du in einem späteren Zug ein Bewohner-Set aus, von dem bereits eins vor dir liegt (in beliebiger Größe), führst du zwar die Fähigkeit des zweiten Sets beim Auslegen aus, musst am Ende deines Zuges aber eines der beiden Sets abwerfen. Jeder Bewohnertyp darf am Ende des Zuges also nur mit einem Set in deiner Auslage vertreten sein, zudem musst du deine Handkarten ggf. am Ende des Zuges auf 7 reduzieren.
Die Bewohner haben verschiedene Fähigkeiten. Egal, wie viele Karten du in einem Set ausspielst, führst du die Fähigkeit immer nur einmalig aus. Es gibt Soforteffekte, es gibt dauerhafte Effekte, es gibt Siegpunkte-Optionen fürs Spielende und Aktionen. Aktionen können einmal pro Spielzug genutzt werden.
Die Fähigkeiten liefern dir neue Karten, Knöpfe, Tauschmöglichkeiten oder beispielsweise auch die Möglichkeit, doch noch Karten im Nachhinein an passende Sets anzulegen. Dabei gibt es auch Karten, bei denen die Anzahl der ausgespielten Karten in diesem Set die Stärke der Fähigkeit bestimmt.
Ist der Nachzugstapel aufgebraucht, wird das Spielende eingeläutet. Spielt die laufende Runde zu Ende plus eine Finalrunde. Nutzt beim Ziehen nun die Karten vom Finalstapel.
Bei der Schlusswertung bekommt jeder 1 / 3 / 5 / 7 / 10 / 13 / 17 Punkte pro eigenem Set aus 1 / 2 / 3 / 4 / 5 / 6 / 7 oder mehr Karten. Addiert die Punkte von Spielende-Effekten hinzu. Erhaltet außerdem je 1 Punkte für jeweils 2 Knöpfe in eurem Besitz. Wer nun die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- Schnell erklärt und gespielt
- Viele Kombinationsmöglichkeiten
- Taktische Optimierung
- Witzige Charaktere
CONTRA
- Mitunter ziemlich glückslastig
- Manchmal gefühlt zu kurz
MEINUNG
Zugegeben, als alter Fan der „Singenden Herrentorte“ (ich sage nur: "Katzenklo") musste ich beim Gildenmitglied „Helge, der Schneider“ natürlich direkt schmunzeln. Auch die weiteren Charaktere von Buttonville sind herzig illustiert und tragen zum Teil Namen, die mit ihren Alliterationen auch in jeder RTL-Datingshow Platz finden könnten, ohne dass sie auffallen. Das sind doch schon mal beste Voraussetzungen, um eine bunte Bewohnerschaft für unsere Stadt zusammenzustellen.
Wurden die Karten erst einmal in ihre übersichtlichen Fächer sortiert (Karton am besten nur waagrecht transportieren und lagern), beginnt jede Partie mit der Zusammenstellung des gemeinsamen Kartendecks. Wir haben da bei jeder Gilde immer die Wahl aus verschiedenen Bewohnern, sodass jede Partie neue Kombinationen erlaubt, wobei es in der Anleitung auch vorgefertigte Tipps für eine gute Zusammenstellung gibt. Das Spiel lebt aber ganz klar von der Varianz, sodass wir in jeder Wiederholungsrunde auch immer wieder andere Gesichter auf den Karten zu sehen bekommen.
Das Spielprinzip ist simpel: Zwei Karten ziehen und dann optional ein Set aussspielen - mehr ist es nicht. Versteht jeder sofort, und doch gibt es taktische Finessen. Je mehr Karten in einem Set ausliegen (maximal lohnen sich sieben), umso mehr Punkte gibt es. Nun ist es aber nicht so einfach, ein solches Set aus gleichen Karten zusammenzusammeln, wenn auch noch das Handkartenlimit auf sieben Karten begrenzt ist, sobald der eigene Zug endet. Viel sinnvoller ist es da meistens, sofort mit nur kleinen Sets zu starten, um direkt die Funktion des Bewohnertyps nutzen zu können.
Die Fähigkeiten der Bewohner sind das Herzstück von Buttonville. Da ist, bei aller Glücksabhängigkeit, wann welche Karte ins Angebot gelangt, dann auf jeden Fall eine schöne taktische Optimierung gefragt, denn das Timing ist oft entscheidend, was mir eine Kartenfunktion bringt. Manche Fähigkeiten belohnen bereits ausgespielte Sets, manche wiederum sind umso stärker, je größer das aktivierte Set ist, es gibt dauerhafte Vorteile, Punkteoptionen fürs Ende, zusätzliche Aktionsmöglichkeiten und sogar die Chance, einmal ausgespielte Sets im Nachhinein doch noch zu erweitern, was ansonsten verboten ist. Da ist die Reihenfolge, in der Karten gespielt werden, also keinesfalls unwichtig, und manche Fähigkeiten sind vielleicht so wertvoll, dass ich sie öfters nutzen möchte. Auch das ist möglich, allerdings muss ich diese Karten dann in meinen Spielzügen bevorzugt einzeln spielen und verringere so die Punkte fürs Spielende. Auf jeden Fall ist das ein interessanter Kniff.
Die Gilden von Buttonville bleiben dabei auf Familienspiel-Niveau. Die einzelnen Funktionen sind gut verständlich, besitzen aber jetzt auch nicht die ganz große Spieltiefe. Es geht einfach ums Kartenziehen, um mehr Auswahl, manchmal auch um die Knopf-Ressourcen; Karten, die mit den mitspielenden Personen interagieren, kommen eher selten vor.
Je nachdem, welche Karten im Spiel und welche Funktionen wie häufig genutzt werden, kann eine Partie auch mal schneller enden, als es einem lieb ist. Andererseits ist da dann auch meistens noch Zeit für eine Revanche, denn Buttonville ist, einmal alle Kartenfunktionen verinnerlicht, wirklich schnell gespielt. Einen großen, übergeordneten Spannungsbogen gibt es dabei nur bedingt, dennoch freut man sich, wenn man coole Kombinationen spielt, die einem mehr spielerische Möglichkeiten verleihen, als nur zwei Karten zu ziehen und vielleicht noch eine auszuspielen.
Für mich ist das ein fluffiges, kurzweiliges Spiel - jetzt nichts komplett Außergewöhnliches, aber dennoch mit einem eigenen Kniff, der bei uns sowohl in Familien-/ Gelegenheitsspieler-Runden, als auch als flotter Absacker unter Vielspielern durchaus gut funktioniert. Weniger aufgrund einer komplett neuen Finesse, sondern eher angesichts der schönen Varianz, vergebe ich dafür gute 7 Kultpunkte. Im Erfolgsfall könnten, Dominion-artig, natürlich irgendwann gern neue Bewohner und Spielelemente nachgeschoben werden.
VIDEO
Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube: https://youtu.be/YpXq5gvbpME
KULTFAKTOR: 7/10
Spielidee: 7/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 7/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 14.12.2025
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Ravensburger
Weitere Fotos: Spielkultisten