REZENSION
CRIME PLACES
- Genre: Denk-/ Krimispiel
- Jahr: 2025
- Verlag: Oetinger
- Autoren: Tim Möller-Kaya, Joel Müseler, Hans Pieper
- Illustrationen: Tim Möller-Kaya
- Personen: ab 1
- Alter: ab 16 Jahren
- Dauer: ca. 120 bis 180 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: mittel bis hoch (je nach Edition)
- Initiativlevel: 9/10
Ermittlungen der Vergangenheit
Lost Places, insbesondere längst verlassene alte Gebäude, üben auf abenteuerlustige Menschen nicht selten eine magische Anziehungskraft aus. Die Vergangenheit zu erkunden, verursacht in den verfallenen Räumen oftmals eine Mischung aus Neugier und Schauder – besonders, wenn diese Orte, wie im Spiel, ehemalige Schauplätze von Verbrechen sind.
REGELN
Crime Places sind abgeschlossene Rätselspiele, die eine in sich geschlossene Geschichte erzählen.
Nehmt die 72 Karten aus der Box und legt sie als sortierten, durchnummerierten Stapel vor euch. Lest die oberste Karte und befolgt die Anweisungen.
Um nicht zu spoilern, gehe ich an dieser Stelle auf keine inhaltlichen Details ein. Ganz allgemein beschrieben gibt es aber in jeder Box mehrere Orte, die man auf den Vorderseiten der Karten erkunden kann. Karten ohne weitere Symbole dürfen umgedreht werden. Auf der Rückseite finden wir dann Storytext, weitere Abbildungen und Rätsel. Karten mit speziellen Symbolen dürfen erst gedreht werden, wenn das Spiel es explizit erlaubt.
Unter manchen Karten gibt es negative Überraschungen, andere Gadgets sind hilfreich für die eigene Gesundheit. An einigen Stellen können wir uns zudem zwischen zwei zur Auswahl gestellten Optionen entscheiden.
Zwischen den Orts-/ Storykarten finden wir zudem Rätselkarten, die uns jeweils eine Frage stellen, welche mit der Hilfe aller bis dahin erspielten Informationen beantwortet werden muss. Notiert die vermeintliche Lösung und dreht die Fragekarte dann um. Auf der Rückseite seht ihr die tatsächliche Lösung. Habt ihr eine andere Lösung ermittelt, gibt es dafür eine Bestrafung. Wer nicht weiterkommt, kann vorher einen Hilfetext in Anspruch nehmen.
Am Ende des Falls warten mehrere Fragen darauf, beantwortet zu werden. Legt die jeweils vermeintlich richtige Lösungsoption an jede Frage an, kontrolliert eure Lösung zum Schluss. Je nachdem, wie gut ihr ermittelt habt, fällt auch das Ende der Geschichte aus. Triumphiert ihr oder werdet ihr am Ende selbst Teil der dunklen Vergangenheit?
Hinweis: Zum Test standen mir die beiden ersten Fälle der Reihe zur Verfügung. Das Sanatorium hat einen mittleren Schwierigkeitsgrad und entspinnt eine Geschichte um ein ungeklärtes Verbrechen in einer Anstalt für psychische Erkrankungen. Die Bar der Dämonen hat einen hohen Schwierigkeitsgrad. Da zieht es uns gemeinsam mit einem Mörder in ein verfallenes Etablissement - in einer Story um Sünden und den namensgebenden übernatürlichen Wesen.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- düstere Atmosphäre
- packende Storys, gepaart mit Rätseln
- kleine Entscheidungsoptionen
CONTRA
- recht linearer Ablauf
- viel zu lesen
- Auflösungen werden nicht erklärt
MEINUNG
Verlassene Häuser, aufgegebene Hotels und Kliniken – Lost Places können einem einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen. Ideale Voraussetzung also als düsteres Setting in einer neuen Rätselspiel-Reihe.
Zwei Fälle, die die Schauplätze der Vergangenheit mit Kriminalfällen verbinden, liegen mir vor, und bereits die Einordnung auf der Schachtelrückseite verrät, dass Das Sanatorium einen weniger hohen Schwierigkeitsgrad besitzt als die Bar der Dämonen, also starten wir mit der alten Klinik.
Das Sanatorium bietet dann, ohne Inhalte zu spoilern, eine bedrückende Story, in die man durch die vielen Texte gut eintauchen kann. Viele Texte bedeuten dabei natürlich auch, insbesondere wenn ihr mit mehreren Personen spielt, viel vorzulesen. Das muss man mögen. Die Rätseldichte ist dabei nicht allzu hoch, zudem verläuft das Spiel sehr linear. Wir bauen Orte aus Karten auf, und alles, was nicht markiert ist, drehen wir um, und lesen die Rückseiten. Meistens werden dann automatisch neue Symbole freigeschaltet, deren Karten dann ebenfalls umgedreht (und gelesen) werden. Rätselprofis hätten sich hier noch mehr Aufgaben gewünscht, dennoch fesselt die Geschichte, und man möchte definitiv wissen, wie sie endet.
Die Bar der Dämonen wirkte auf mich durch die wirrere Story tatsächlich weniger gruselig, dafür gibt es im zweiten Fall mehr Rätsel. Während es beim Sanatorium teils nur um genaues Hinschauen oder noch eher einfachere Rückschlüsse geht, sind die Rätsel in der Dämonen-Bar deutlich komplexer. Um beispielsweise zur richtigen Lösung zu kommen, die ein Schloss öffnet, muss man Bilder, Kartenpositionen und Texte (auch inhaltlich) klug kombinieren, was weniger erfahrene Rätselfreunde bereits an ihre Grenzen bringen kann. Daher ist die interne Level-Einordnung auf jeden Fall gerechtfertigt.
Nun gibt es mittlerweile natürlich etliche Rätselspiele dieser Art, sodass sich automatisch Vergleiche aufdrängen. Crime Places lockt uns mit düsteren, dicht erzählten Geschichten, in die die Rätsel eingebaut werden. Der Grafikstil ist dementsprechend angepasst dunkel gehalten, er wirkt künstlerisch, was allerdings auch zur Folge hat, dass man so manches Detail nicht unbedingt immer sofort erkennt bzw. zu deuten weiß. Das ist offensichtlich so gewollt.
Beide Spiele verlaufen recht gradlinig, die jeweilige Story wird durch die Kartensymbole sortiert und entsprechend vorangetrieben. Sackgassen gibt es keine, zumindest aber kleine Überraschungen, die uns auch mal schaden können, ebenso kleine Weggabelungen, die dann ebenfalls Auswirkungen auf das Spielende haben, die den eigentlichen Spielablauf aber nicht in der Hinsicht gefährden, dass wir vorzeitig das Zeitliche segnen.
Diese Linearität setzt sich auch bei den Rätseln fort. Wir bekommen eine Frage gestellt und haben dann nur einen Versuch, sie bestmöglich zu beantworten. Da gibt es kein zusätzliches Kontrollsystem, das uns mehrere Lösungsversuche erlaubt; da wird zur Überprüfung, nachdem eventuell noch ein Lösungshinweis gelesen wurde, einfach die Karte umgedreht und die richtige Antwort vorgelesen. Stimmt unsere Antwort mit der tatsächlichen Lösung überein, ist alles okay – stimmt sie nicht, bekommen wir eine Art Strafe, die wir auf unserem zuvor bereitgelegten Zettel notieren.
Als schade haben wir es dabei empfunden, dass die Lösung an dieser Stelle nicht erklärt wird. So haben wir dann eines der Rätsel hinterher rückwärts gelöst, indem wir versucht haben, die Lösung nachzuvollziehen. Eine Begründung für jede Lösung wäre hier auf jeden Fall ein Verbesserungsvorschlag für zukünftige Ausgaben. Wer nicht gern viele Texte liest, hätte sich vielleicht auch noch eine vertonte Begleit-App gewünscht, aber das wäre dann wohl der Highend-Status; generell funktioniert der Kartenmechanismus gut, sofern man entsprechend Platz hat, um die Karten auch mal zu größeren Orten zusammenzulegen und kein Problem damit hat, sie öfter hin und her zu drehen – und eben viel zu lesen.
Das Spielende gipfelt in der Beantwortung finaler Fragen. Wie die Story dann tatsächlich endet, hängt von unseren Strafen / verursachten Schäden ab. Es gibt keine spielerische Einordnung der eigenen Leistung, sondern einfach verschiedene Schlusstexte, je nachdem, was wir so auf unserem Zettel notiert haben. Auch hier zeigt sich: Die Story steht im Vordergrund.
Insgesamt hat mir das Erkunden der Orte und letztlich auch der Storys dahinter schon Spaß gemacht, gruselige Momente inklusive (von daher ist die Altersangabe ab 16 Jahren nachvollziehbar). Wenn ich beide Editionen vergleiche, gefällt mir die Sanatorium-Geschichte besser, dafür bietet die Bar der Dämonen mehr Rätsel-Anspruch. Sollten weitere Fälle folgen, wäre für mich noch Raum für Optimierungen vorhanden, insbesondere bei der Auflösung der einzelnen Rätselfragen. Wer düstere Storys in Kombination mit Rätseln mag, kann sich Crime Places auf jeden Fall mal anschauen – Spielmaterial wird hier übrigens nicht zerstört, sodass sich durchgespielte Fälle im Anschluss auch weitergeben lassen.
KULTFAKTOR: 7/10
Spielidee: 7/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 6-7/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 26.11.2025
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Oetinger
Weitere Fotos: Spielkultisten