REZENSION
CLICK A TREE
- Genre: Taktik-/ Legespiel
- Jahr: 2025
- Verlag: Skellig Games
- Autor: Uwe Rosenberg
- Illustration: Roman Kucharski
- Personen: 1 bis 4
- Alter: ab 8 Jahren
- Dauer: ca. 30 bis 60 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel
- Taktiklevel: 7/10
Geerntet wie gesät
Uwe Rosenberg und verschiedene deutsche Spieleverlage unterstützen das Nachhaltigkeitsprojekt Click a Tree. Konkret engagieren sie sich in Ghana für die Aufforstung von Wäldern und eine syntropische Landwirtschaft, die darauf abzielt, Bäume anzupflanzen, dabei aber stets auf natürliche Synergien zu achten. Im Spiel werden wir genau das tun. Wir pflanzen verschiedene Bäume, erfüllen damit Vorgaben und ernten Früchte, immer im Wettlauf mit der Konkurrenz.
REGELN
Nehmt euch jeweils ein eigenes Spieltableau, wählt 9 der 15 Aufgabenstreifen aus und platziert diese in den oberen 9 Reihen eures Boards. Achtet darauf, dass ihr alle dieselben 9 Aufgaben auf eure Tafel legt. Legt zudem die 7 Fruchtmarker in die Startreihe (unter den Aufgaben) und die drei Zahlenmarker (5, 6 und 7) an den linken Rand, beginnend auf dem Feld unter der vorgedruckten 2 (die 3 wird erst einmal überdeckt).
Ziel ist es, so viele Fruchtmarker über die Trennlinie zu bringen, die von einem Zahlenmarker (bzw. einer vorgedruckten Zahl) vorgegeben wird. Heißt: Schaffe ich es, alle 7 Fruchtmarker über die Linie mit dem 7er-Marker zu bringen, beende ich das Spiel. Das geht auch beispielsweise mit nur 3 Markern, wenn ich diese über die Linie mit der 3 bringe. Problem: Je weniger Marker fürs Spielende eingefordert werden, umso höher ist die entsprechende Linie auf dem Board, der Weg für die Marker ist also weiter. Nächstes Problem: Die Aufgabenstreifen blockieren die Reihen, auf denen die Marker nach oben gezogen werden können. Bedeutet: Ich muss Aufgaben erledigen, um die Marker bewegen zu können.
Doch von vorn. Zieht jeweils ein zufälliges Landschaftsplättchen, das ihr als Startplättchen vor euch auslegt. Die Landschaftsplättchen zeigen jeweils einen Baum (es gibt 6 verschiedene Arten) und am Rand Früchte (da gibt es 7 verschiedene Arten). Manche Plättchen sind in der Mitte geteilt und zeigen zwei verschiedene Fruchtarten. Unten auf den Plättchen gibt es zudem Schilder mit den Buchstaben A oder B oder A/B. Außerdem besitzt jeder einen Stapel mit Ernteplättchen, von denen immer zwei offen vor euch liegen.
Platziert nun noch die 7 Kostenmarker für die Früchte zufällig im Kreis und legt zwischen je zwei Marker ein zufälliges Landschaftsplättchen.
Los geht's.
Bist du am Zug, suchst du dir zunächst einen Kostenmarker einer Frucht aus, zahlst die Kosten, indem du deinen eigenen Marker mit dieser Frucht auf deinem Tableau eine Zeile nach unten bewegst und nimmst dir dann die beiden Landschaftsplättchen, die rechts und links vom Kostenmarker in der allgemeinen Auslage liegen. Fülle die Lücken mit neuen Plättchen vom Stapel nach.
Die beiden genommenen Plättchen legst du nun in deine eigene Auslage, immer so, dass ein neues Plättchen mindestens eine Kante eines bereits liegenden Plättchens berührt. Dabei muss es keine Übereinstimmung von Bäumen oder Früchten geben, dennoch kann das ein Vorteil sein.
Platziere im Anschluss eines der beiden Ernteplättchen in deiner Auslage. Diese Plättchen zeigen an verschiedenen Kanten zwei oder mehrere Sicheln. Lege das Plättchen so an, dass mindestens eine Sichel auf die Früchte eines bereits ausliegenden Landschaftsplättchen zeigt. Ernte nun so viele Früchte dieser Art, wie es dort zusammenhängende Plättchen mit der Fruchtart gibt. Legst du die Sichel an ein Einzelplättchen mit Bananen an, rückst du deinen Bananen-Marker, sofern nicht von den Aufgabenstreifen blockiert, um eine Zeile nach oben. Erstreckt sich das geerntete Bananengebiet über mehrere Plättchen, zum Beispiel über 4 verbundene Felder, erntest du direkt 4 Bananen, bewegst den Marker im Idealfall also um 4 Zeilen nach oben.
Zeigen mehrere Sicheln auf das selbe Gebiet, fährst du die Ernte trotzdem nur einfach ein. Zeigen die Sicheln auf verschiedene Gebiete, erntest du jedes Gebiet einmal.
Es kann sinnvoll sein, Ernteplättchen so zu legen, dass ggf. einzelne Sicheln zunächst ins Leere zeigen. Beim späteren Anlegen eines Landschaftsplättchen an eine solche Sichel fährst du sofort die entsprechende Ernte ein.
Hast du alle Stellen eines Ernteplättchens abgeerntet, markierst du dieses Plättchen mit einem grünen Haken und ziehst einen Zahlenmarker eine Reihe nach unten: zuerst die 7, dann die 6, dann die 5, dann wieder die 7 usw. So wird es im Laufe des Spiels einfacher, die Vorgabe einer Zahl zu erfüllen, da die Wege für die Marker kürzer werden.
Zusammengefasst erhältst und legst du in jedem Spielzug immer zwei neue Plättchen (gegen Bezahlung), und du platzierst im Anschluss ein Ernteplättchen. Dann ist die nächste Person an der Reihe.
Wie schon erwähnt, blockieren die Aufgabenstreifen die Reihen, um die Fruchtmarker nach oben zu ziehen. Das Erfüllen von Aufgaben ist also obligatorisch. Immer, wenn du durch das Legen eines Plättchens eine oder auch mehrere Aufgaben erfüllst (z.B. drei identische Baumarten im Dreieck, vier verschiedene Baumarten mit Kennzeichnung A, sechs beliebige Bäume in einer Reihe, ein komplett umschlossenes Ernteplättchen etc.), entferne die entsprechenden Streifen von deiner Tafel und schiebe die verbliebenen nach oben, um die Lücken zu füllen. So erspielst du dir zunehmend mehr Reihen für deine Ernte.
Sobald jemand genügend Marker für eine Zielvorgabe über die entsprechende Reihe gebracht hat, endet das Spiel nach der laufenden Runde. Hat nur eine Person so ein Ziel erfüllt, gewinnt sie. Sollten mehrere Personen ein Ziel erfüllt haben, bringt jeder Fruchtmarker auf dem eigenen Tableau die Punkte der entsprechenden Reihe, in der er sich gerade befindet (umso mehr Punkte, je weiter oben). Punkte werden auch gezählt, wenn niemand ein Ziel erreicht hat, aber auch niemand mehr Ernteplättchen besitzt. In diesem Fall gewinnt die Person mit den meisten Punkten.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- trickreiches Legespiel
- unverbrauchte Mechanik
- Wettrennen-Charakter
- schönes Material
CONTRA
- mitunter kann auch das Glück entscheiden
- teilweise erhöhte Downtime
MEINUNG
Dass ich in einem Spiel von Uwe Rosenberg (u.a. Agricola) Landwirtschaft betreibe und Früchte ernte, überrascht mich genauso wenig, wie die Tatsache, dass ich Plättchen aneinanderfüge, um Aufgaben zu erfüllen (Nova Luna, Sagani ...), wobei mich die Neuheit Click a Tree dann letztlich noch am meisten an Applejack erinnert. Alles schöne Spiele von Uwe, und doch hatte man zuletzt öfter mal das Gefühl, als sei ein gewisses Ideen-Recycling vorhanden. Umso gespannter war ich auf Click a Tree, das mich mit seiner dann doch neuen Mechanik direkt in der ersten Partie überzeugen konnte. Ja, in seiner Gesamtheit ist Click a Tree dann tatsächlich unverbraucht.
Besonders gelungen finde ich die reizvolle Verzahnung von Legen, Ernten und Werten. Dass mir zusammenhängende Flächen größere Erträge liefern, je größer die Fläche, ist nichts Neues, doch in Click a Tree bringen mir die größte Ernte nichts, wenn ich die Früchte nicht einlagern kann. In den ersten Spielzügen werde ich da mitunter öfter einen gewissen Überschuss produzieren, der verfällt. Das sollte mich aber nicht weiter stören, denn das Spiel gewinnt an Fahrt, wenn ich mich um die Aufgaben gekümmert habe. Zunehmend mehr Streifen verlassen dann mein Board, sodass ich mich dann aufs Steigern der Erträge konzentrieren kann.
Natürlich ist da bereits beim Legen Taktik gefragt. Zunächst achte ich wohl hauptsächlich darauf, passende Bäume in vorgegebene Formationen zu bringen, was durch die zufällige Plättchenauslage auch immer etwas vom Glück geprägt ist, schnell an die passenden Plättchen zu gelangen. Die Aufgaben sind für sich genommen nicht schwer, aber es ist gewissermaßen Multitasking gefragt, und zudem ähneln sich die grünen Baumarten auf den ersten Blick durchaus, sodass ein zweiter Blick nicht schaden kann.
Das Platzieren der Ernteplättchen ist ein weiteres schönes Taktikelement. Schließe ich ein Plättchen schnell ab, um die Ziellinien fürs Spielende zu verschieben? Oder bereite ich lieber offene Stellen vor, an denen ich dann, durchs nachträgliche Anlegen, auch Gebiete mehrfach werten kann?
Gerade zum Ende hin kommt der Wettlauf-Charakter des Spiels so richtig zur Geltung. Und da macht es sich dann auch bezahlt, erreichbare größere Fruchtgebiete angeschlossen zu haben, um die Marker über eine Ziellinie pushen zu können. Eine gewisse Lernkurve ist hier erkennbar, dennoch verliefen unsere Partien oftmals sehr eng.
Click a Tree ist für mich dabei eigentlich ein perfektes 2-Personen-Spiel. Da jeder an seiner eigenen Auslage bastelt, gibt es, außer beim Wegschnappen von Plättchen, keine direkte Interaktion. Mehr Personen am Tisch bedeuten dann vor allem mehr Wartezeit. Ja, Click a Tree lädt durchaus zum Grübeln ein, was man spätestens dann merkt, wenn der Nachbar nach 5 Minuten immer noch keine Entscheidung getroffen hat. Mit nur 2 Personen wird das Spiel keinesfalls schlechter, aber schneller.
Die Aufgabe, die wir in Click a Tree bewältigen müssen, gefällt mir als Freund solcher taktischen Legespiele insgesamt sehr gut. Durch die schöne Verzahnung muss ich mich um alles kümmern, ohne dabei nach Schema F handeln zu können. Ich muss mich immer wieder neu aufs Spiel einstellen und darum bangen, von der Konkurrenz überholt zu werden. Das Wettrennen, das im besten Fall ohne Punktewertung auskommt, ist dann auf jeden Fall spannend. Dass das ökologische Thema (überhaupt die Idee des Click-a-Tree-Projektes) dabei hauptsächlich als Hintergrundstory für eine eigentlich abstrakte Legeaufgabe genutzt wird, ist völlig okay, auch wenn es kleine thematische Brüche geben mag, wenn ein und dieselbe Baumart auch mal unterschiedliche Früchte hervorbringt, was der Spielmechanik geschuldet ist, oder damit erklärt werden kann, dass im Schatten dieses Baumes eben die auf dem Plättchen angezeigten Früchte zu finden sind.
Für mich insgesamt sehr gute 8 Kultpunkte, Daumen hoch!
Hinweis: Das Spiel erscheint im Herbst 2025 bei Skellig Games. Zum Test stand uns leihweise ein englischsprachiges Vorabexemplar zur Verfügung. Die finale Version kann sich ggf. in Details zur hier gezeigten Version unterscheiden. Natürlich wird es dann auch eine Version in deutscher Sprache geben.
VIDEO
Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube: https://youtu.be/PXltdA0pIF0
KULTFAKTOR: 8/10
Spielidee: 8/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 8/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 24.07.2025
Bildnachweis:
Coverfoto: Skellig Games
Weitere Fotos: Spielkultisten