REZENSION

CAT IN THE BOX

  • Genre: Kartenspiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: Pegasus Spiele
  • Autor: Muneyuki Yokouchi
  • Grafik: Osamu Inoue
  • Spieler: 2 bis 5
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 30 bis 50 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 5/10

Im Karton sind alle Katzen bunt

Schrödingers Katze wurde missverstanden, es geht gar nicht um Leben und Tod der Katze, sondern um deren Farbe! In diesem Stichspiel dürft ihr euch beim Spielen einer Karte die Farbe aussuchen, aber passt auf, dass ihr kein Paradoxon verursacht!

REGELN

Stellt euch vor, ihr spielt ein Stichspiel und ihr seid alle farbenblind, und zwar so krass, dass für euch jede Karte schwarz ist. Jetzt wollt ihr aber, dass das niemand merkt und behauptet einfach, dass jede Karte, die ihr spielt, eine bestimmte Farbe hat. Zum Glück sind auch alle anderen farbenblind.

Wenn ihr das ausprobieren wollte, mischt die Karten mit den Werten 1 bis 9, wobei je nach Spieleranzahl Zahlenwerte entfernt werden, und verteilt sie gleichmäßig unter euch. Ihr nehmt euch je ein Tableau und alle Steine einer Farbe bzw. eines Symbols, denn wir sind ja alle farbenblind. In die Mitte kommt ein Tableau, das in vier Reihen alle Zahlenwerte in den vier Spielfarben rot, gelb, blau und grün zeigt.

Auf dem eigenen Tableau deckt ihr jeweils mit euren eigenen Spielsteinen die X in den vier Farben ab. Jemand sollte sich jetzt noch die Startkarte nehmen, damit es losgeht.
Es werden so viele Runden gespielt, wie ihr Leute seid. Ihr könnt also im Spiel alle einmal die Runde beginnen. Am Anfang der Runde sucht ihr euch je eine Karte von der eigenen Hand aus und werft diese verdeckt ab.

Von euren jetzt noch 9 Handkarten werden 8 gespielt werden. Hast du die Startkarte, sagst du als erstes an, wie viele Stiche du gewinnen willst. Dabei steht nur eine begrenzte Anzahl zur Auswahl. Mit vier Leuten zum Beispiel 1, 2 und 3. Haben alle eine Ansage gemacht, spielst du die erste Karte des ersten Stiches. Wenn du die erste Karte spielst, legst du sie so neben dein Tableau, dass die Karte an der Kante mit der Farbe liegt, die diese Karte haben soll. Legst du also eine 5 an die gelbe Kante, so hast du eine gelbe 5 gespielt. Jetzt wird die gelbe 5 mit einem deiner Spielsteine markiert. In dieser Runde darf die gelbe 5 nicht mehr gespielt werden. Du darfst nicht rot anspielen, bis mindestens eine rote Karte gelegt wurde.

Wer als nächstes dran ist, muss eine Karte spielen. Diese muss dieselbe Farbe haben wie die erste Karte. Willst du diese Farbe nicht spielen, kannst du auch sagen, dass du diese Farbe nicht mehr hast. Du entfernst deinen Marker vom X dieser Farbe. Jetzt wissen alle, dass du diese Farbe in dieser Runde nicht mehr spielen darfst. Dafür kannst du jede beliebige andere Farbe spielen.

Ihr spielt reihum alle eine Karte in den Stich und markiert jede gespielte Karte auf dem zentralen Tableau. Habt ihr alle eine Karte in den Stich gespielt, gewinnt die höchste Karte der angespielten Farbe, außer es liegt eine rote Karte im Stich. Rote Karten sind höher im Wert als die angespielte Farbe. Nicht-rote Karten in einer Farbe, die nicht als erste gelegt wurde, könnt ihr ignorieren.

Hast du die höchste Karte gespielt, sammelst du den Stich (alle gespielten Karten) ein und beginnst mit der ersten Karte des nächsten Stiches.

Die Runde kann auf zwei Arten enden:

  • Es konnten tatsächlich alle 8 Stiche gespielt werden und ihr haltet jeweils noch eine Karte auf der Hand. 
  • Jemand verursacht ein Paradoxon. Dies geschieht, wenn du eine Karte spielen musst, aber keine deiner Karten nach den Regeln gespielt werden kann. Vielleicht hast du nur noch eine 3 und eine 4 auf der Hand, aber alle 3er- und 4er-Plätze sind auf dem zentralen Tableau schon belegt. Oder die einzige freie 4 wäre die blaue 4, und du hast behauptet, keine blauen Karten mehr zu haben. Bei einem Paradoxon endet die Runde sofort und der aktuelle Stich wird nicht mehr vergeben.


Jetzt kommt die Wertung. Zunächst bekommst du für jeden Stich einen Punkt. Hast du so viele Stiche bekommen, wie du vorhergesagt hast, dann bekommst du noch Bonuspunkte. Du erhältst so viele Bonuspunkte, wie es der Anzahl eigener Steine in der größten zusammenhängenden Gruppe auf dem zentralen Tableau entspricht. Hast du nicht so viele Stiche gesammelt wie vorhergesagt, gibt es dementsprechend keine Bonuspunkte.

Wer ein Paradoxon verursacht hat, erhält sowieso keine Bonuspunkte und bekommt obendrein noch pro Stich einen Minus- statt einem Pluspunkt.

Die Startkarte wandert im Uhrzeigersinn zur nächsten Person. Die Karten werden wieder gemischt. Alle sammeln ihre Steine ein und legen je einen Stein auf jedes X. Jetzt kann schon die nächste Runde beginnen. Wenn jeder einmal die Startkarte am Rundenbeginn vor sich liegen hatte, also jeder eine Runde begonnen hat, ist das Spiel zu Ende.

Rechnet einfach die Punkte aus den verschiedenen Runden zusammen. Wer die meisten Punkte besitzt, kann offenbar richtig gut mit Katzen umgehen.

GALERIE

Anklicken / Antippen für Komplettansicht

CHECKPOINT

PRO

  • sehr originelle Idee
  • herausfordernde Aufgabe


CONTRA

  • Paradoxon-Paranoia schränkt ein

MEINUNG

Das Gedankenexperiment von Schrödinger ist vermutlich das bekannteste Experiment der Quantenphysik und findet immer wieder Eingang in die Popkultur. In diesem Spiel geht es ausnahmsweise mal nicht um das Ableben besagter Katze, sondern um deren Farbe.

Gleichzeitig geht es darum, dem Genre der Stichspiele etwas ganz Neues zu bieten: Stiche, bei denen ihr die Farben der Karten auswählt. Wer sich jetzt gerade noch fragt, was Stichspiele genau sind: Das sind Kartenspiele, bei denen jeder eine Kartenkombination oder eine Karte spielt und dann jemand den ganzen Haufen gewinnt. Sowas wie Wizard oder Skat. Und genau wie bei Wizard muss auch bei Cat in the Box die Anzahl der gewonnen Stiche vorhergesagt werden.

Diese beiden Regeln führen schon zu interessanten Entscheidungen, aber was hält einen davon ab, schnell zu behaupten, man hätte bestimmte Farben nicht, um immer Trumpf zu spielen, und danach zu behaupten, man hätte keinen Trumpf mehr?

Hier kommen zwei weitere Konzepte ins Spiel: Die Bonuspunkte einer Runde hängen von einer zusammenhängenden Gruppe gespielter Karten ab, und ein Paradoxon sollte vermieden werden.

Große Gruppen eigener Steine für Bonuspunkte zu schaffen, ist eine besondere Herausforderung, denn selbige Gruppe bringt nur etwas, wenn auch die Stichvorhersage stimmt. Eine Gruppe von vier oder mehr Steinen ist schon recht gut, sechs Bonuspunkte in einer Runde sind gar beeindruckend.

Und über alldem schwebt das Damoklesschwert des Paradoxon. Wer zu früh eine Farbe für sich sperrt, kann schnell am Ende Runde straucheln, denn auf einmal kann keine Karte mehr gespielt werden und ein Paradoxon führt schnell zu einer verlorenen Partie. Somit wird das Aufgeben einer Farbe zu einem Wagnis, was zum einen verhindert, dass ein Spieler einfach immer Trumpf spielt, aber auch gleichzeitig viele andere Optionen einschränkt. Dies geht bei mancher Kartenhand so weit, dass ich mich etwas gespielt fühlte.

Trotzdem bietet Cat in the Box ein interessantes neues Element, nämlich eben oben genanntes Wagnis plus einer strategischen Wahl, welche Farbe ich wähle, um große Gruppen zu erzielen. So habe ich dies in noch keinem Stichspiel erlebt, und ich habe schon einige Spiele dieser Art gespielt. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Punkte ausreichen, um Cat in the Box zu einem Dauerbrenner wie Wizard, Skull King oder Tichu zu machen. Zu einem besonderen Erlebnis, gerade für Fans von Stichspielen, macht es Cat in the Box auf jeden Fall.

Allerdings ist das Konzept von Cat in the Box so originell, dass es manchmal nicht so leicht ist, es allen Personen am Tisch sofort verständlich zu machen. Oft muss dann doch eine Probepartie gespielt werden.

Zum Glück ist das Spielmaterial sehr ansprechend und wertig, was wirklich dabei hilft, das Spiel zu vermitteln. Mir gefällt, dass die Katzen alle schwarz sind, aber am Rand ihrer Silhouetten die vier Spielfarben zeigen. Die Steine der verschiedenen Spielfarben sind sehr ansprechend, wenn auch etwas fummelig aus dem Tiefziehteil zu holen. Es gibt einen Wertungsblock und Spielsteine, um nicht benötigte Zahlen des zentralen Bretts zu blockieren. Die Spielbretter haben alle kleinen Vertiefungen, und durch eine clevere Konstruktion kann das zentrale Tableau leicht an die Spieleranzahl angepasst werden. Auch kann die Anordnung der Zahlen für die verschiedenen Farben in einer herausfordernden Weise verändert werden, denn nun sind gleiche Zahlenwerte nicht mehr senkrecht, sondern diagonal angeordnet.

Überraschenderweise gibt es bei Cat in the Box auch eine Variante für zwei Personen, die sehr gut funktioniert. Sie erinnert etwas an Der Fuchs im Wald, denn nun gibt es Bonuspunkte, wenn weniger als vier Stiche gemacht werden.

Fazit: Cat in the Box bietet etwas sehr Originelles, nämlich ein Stichspiel, bei dem die Kartenfarbe beim Ausspielen bestimmt wird. Es ist sicherlich eine tolle Erfahrung für jeden Stichspielfan. Ob es allerdings zu einem Stichspiel-Dauerbrenner wird, lässt sich noch schwer vorhersagen. 

KULTFAKTOR: 8/10

Spielidee: 9/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

LUTZ

Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast

Eine Rezension vom 30.01.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Pegasus Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten