REZENSION

CALÇADA

  • Genre: Familien-/ Legespiel
  • Jahr: 2024
  • Verlag: Piatnik
  • Autoren: Vangelis Bagiartakis, Konstantinos Karagiannis
  • Grafik: Felix Wermke
  • Personen: 2 bis 4
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 45 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel
  • Taktiklevel: 7/10

Pflaster pflastern

Was haben wir Brettspieler im südlichen Europa nicht schon alles gefliest und gekachelt — denken wir nur an die malerischen Deckengemälde in Fresco, die farbenfrohen Wandmosaike in Azul oder die prächtigen Buntglasfenster in Sagrada. In Calçada bleiben wir in südlichen Gefilden, wechseln aber das Handwerk und müssen portugiesische Gehwege möglichst geschickt pflastern.  

REGELN

Vor euch liegt euer persönliches Tableau, das aus unterschiedlich großen Bezirken besteht. Je nachdem, ob ihr die Vorderseite oder Rückseite wählt, warten im Spielverlauf acht bzw. neun Bezirke darauf, mit Calçada-Plättchen belegt zu werden. Diese gibt es in fünf verschiedenen Farben mit ebenfalls fünf unterschiedlichen Motiven (Brunnen, Promenade, Straßencafé etc.) und werden als mehrere Stapel neben der Wertungstafel bereitgelegt. Von jeder Farbe werden nun drei Plättchen offen aufgedeckt. Zu guter Letzt verteilt ihr die 15 Pflastersteine so auf dem allgemeinen Spielplan, dass ein Stein auf das erste Feld kommt, zwei Steine auf das zweite Feld, drei auf das dritte bis hin zu 5 Steinen auf dem fünften Feld. Das sechste Feld bleibt zunächst frei. 
 
Wer an der Reihe ist, nennt zunächst die Farbe eines beliebigen Steines auf einem der sechs Felder auf dem Spielplan sowie die Gesamtzahl an Steinen, die dort liegen. Nehmen wir mal an, auf einem Feld liegen drei blaue Steine, außerdem ein gelber und ein weißer. Dann könnte die Ansage beispielsweise „Blau 5“ lauten — oder eben „Gelb 5“ oder „Weiß 5“. Den gewählten Stein rückt ihr nun ein Feld weiter. Ihr nehmt euch dann das Calçada-Plättchen der soeben ausgerufenen Farbe und platziert es auf ein freies Zahlenfeld eures Tableaus, das der genannten Zahl entspricht. Dabei dürfen Bezirke immer nur mit Plättchen einer Farbe ausgelegt werden. Da alle Motive gleichmäßig auf alle farbigen Plättchen verteilt sind, fällt die Auswahl meist gar nicht so leicht, denn im weiteren Spielverlauf erhaltet ihr Punkte für jeden vollständig belegten Bezirk (nämlich so viele, wie dort Calçada-Plättchen ausliegen, multipliziert mit der markierten Zahl auf der Wertungstafel). Früh belegte Bezirke sind so zumeist wertvoller als später belegte. 
 
Und dann gibt es noch Calçada-Plättchen, die ein Bonussymbol zeigen. Wer so eines auf dem Tableau platziert, erhält sofort zwei Bonusplättchen. Die könnt ihr einsetzen, um entweder vor eurer Ansage einen beliebigen Stein um ein Feld auf dem Spielplan vorzurücken oder um vor der Entnahme eines Calçada-Plättchens die offene Plättchenauslage einer bestimmten Farbe durch neue Plättchen zu ersetzen. 
 
Wurde eine Bezirkswertung ausgelöst und abgehandelt, wird der Wertungsmarker auf der Wertungstafel nach unten geschoben, sodass die angesammelten Punkte zunächst mit Faktor 3, dann mit 2 und schließlich nur noch mit 1 multipliziert werden. Wird dann erneut die Wertung einer bestimmten Farbe aktiviert, fällt der Wertungsmarker ganz aus dem Spiel, und ab sofort dürfen keine Plättchen dieser Farbe mehr gewählt werden. Zudem erhält die Person, die soeben am Zug war, zwei Siegpunkte und markiert diese am Rand des persönlichen Tableaus.
 
Das Spielende wird eingeleitet, sobald die Pflastersteine von zwei Farben von der Wertungstafel geschoben wurden. Jede Person ist dann noch einmal an der Reihe, bis wieder der Startspieler dran wäre.
 
Je nachdem, wie viele identische zusammenhängende Motive auf eurem Tableau angeordnet sind, erhaltet ihr gemäß einer Übersichtstabelle in der Spielanleitung einen Punkt bei 2 zusammenhängen Feldern bis hin zu 18 Punkte, wenn ihr es schafft, 8 oder mehr Felder identisch zu belegen. Auch für das Restmaterial gibt es noch Punkte. Wer dann vorne liegt, gewinnt das Spiel.

 GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • angenehm leichtgängiges Legespiel
  • einfache und doch raffinierte Plättchenauswahl


CONTRA

  • Bezirke lassen sich schlecht unterscheiden
  • langweilige Illustrationen auf den Plättchen
  • das Thema kommt kaum durch

MEINUNG

Die farbenfrohe Schachtelillustration täuscht nur wenig darüber hinweg, dass es sich bei Calçada um ein eher abstraktes Legespiel handelt. Zwar offenbaren sich beim flüchtigen Hinsehen starke Anleihen an Azul, doch die Ähnlichkeit betrifft eigentlich nur die Gestaltung des Spielplans und den zugrunde liegenden Plättchen-Auswahlmechanismus, der bei Calçada sogar noch einen Tick raffinierter ist: Mein Auge scannt zunächst, welches Plättchen in welcher Farbe ich in meinem Spielzug am besten gebrauchen kann, um damit das eigene Tableau zu füllen, und welche Zahl ich hierfür ausrufen muss. Könnte ich beispielsweise ein 3er-Plättchen gut platzieren, weil ich damit eine Bezirkswertung auslösen würde, streifen die Augen zunächst auf alle Felder, auf denen sich drei farbige Steine befinden. Erst wenn auf einem Feld sechs oder mehr Steine liegen, darf ich die zugehörigen Plättchen überall platzieren. 
 
Das ermöglicht vergleichsweise schnelle Entscheidungen und sorgt für einen leichten Einstieg. Zudem muss ich bei jedem Zug den genommenen Stein stets um eine Position weiterschieben. Daher ist es vorteilhaft, auch die Tableaus der mitspielenden Personen stets im Auge zu behalten. Nur so kann ich deren Absichten erahnen und meinen Plättchenauswahl entsprechend darauf ausrichten. Steht jemand kurz davor, einen Bezirk abzuschließen, wäre es ratsam, ihm diesen Vorteil eben nicht zu gönnen. Da sich die Multiplikation der Wertung stets um einen Faktor reduziert, sobald es einer Person gelingt, einen Bezirk vollständig mit Plättchen einer Farbe zu belegen, sollte man möglichst schnell damit fertig werden. 
 
Die Übersicht beim Spielen könnte aber besser sein. Liegen schon einige Plättchen auf dem eigenen Tableau, neigt man dazu, sie gelegentlich beiseite zu schieben, um zu sehen, wie die Linien der einzelnen Bezirke verlaufen. Die optische Abgrenzung der einzelnen Bezirke ist leider nicht gut gelungen. Die Grafik versucht dieses Problem zwar zu umgehen, indem in römischen Ziffern die Anzahl der Felder eines Bezirks angegeben sind, aber viel übersichtlicher wird es dadurch auch nicht. Dieses Manko sorgt dafür, dass man schon gut aufpassen muss, um eine Bezirkswertung zum richtigen Zeitpunkt auszulösen und den Farbzwang eines Bezirks einzuhalten.
 
Unabhängig davon hat Azul, wenn man den direkten Vergleich als vergleichsweise lockeres Legespiel dann doch zieht, auch in anderer Hinsicht einen klaren Vorteil: Entwickeln sich beim „Spiel des Jahres“ von Michael Kiesling mit zunehmender Anzahl gespielter Partien immer neue Kniffe, wie ich beim Auswählen und Platzieren der Fliesen mein Gegenüber richtig fies durch zugeschanzte Minuspunkte ärgern kann, bleibt Calçada doch relativ gleichförmig. Nicht falsch verstehen: Das muss keine Kritik sein. Es gab in unseren Runden durchaus Personen, denen Calçada zugänglicher erschien, aber der Punkt für spielerische Eleganz geht eindeutig an Azul.
 
Thematisch holt mich Calçada, wie schon eingangs erwähnt, primär durch die Schachtelabbildung ab. Der Spielablauf an sich fühlt sich mehr danach an, ein weißes Plättchen mit Palme drauf an ein anderes weißes Plättchen mit Springbrunnen anzulegen — und weniger, als würden auf dem Tisch stattliche portugiesische Gehwege entstehen. Unterm Strich gefällt mir Calçada dennoch gut, was an der simplen, aber schön ausgedachten Art und Weise der Plättchenauswahl liegt. Wenn es darum geht, Einsteiger in die Welt der abstrakten Legespiele einzuführen, ist es sogar ein richtig guter Genrevertreter. Und damit erhält es solide 7 Kultpunkte!

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 6/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

CHRISTOPH

Kinder- und Kennerspiel-Spieler, Stefan-Feld-Fan, Im-Sommer-in-jeden-See-Springer

Eine Rezension vom 23.09.2025

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Piatnik
Weitere Fotos: Spielkultisten