REZENSION

BOSS FIGHTERS QR

  • Genre: Familie / Taktik
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Pegasus Spiele
  • Autoren: Michael Palm, Lukas Zach
  • Grafik: Artur Fast, Maximilian Jasionowski, Bartłomiej Kordowski, Timo Mimus
  • Personen: 2 bis 4
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 40 bis 60 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 7/10

Planen, Scannen, Kämpfen

Als Trolle, Halblinge, Zwerge oder Elfen werden wir mit unserem Kartendeck zur Abenteuergruppe, die es sich zum Ziel gemacht hat, die Bosse per Scan & Play zu besiegen. So nämlich wird Beute gemacht und das Kartendeck wird stärker.

REGELN

Zunächst muss die kostenlose App heruntergeladen und installiert werden.
Jeder entscheidet sich für einen Helden (Troll, Halbling, Zwerg, Elfe) und eine Klasse (Krieger, Magier, Schurke, Druide). Neben der Helden- und Klassenkarte besitzt jeder nun auch 12 Aktionskarten. Diese werden gemischt und verdeckt als Nachziehstapel bereitgelegt. Außerdem erhält auch noch jeder, entsprechend seinem Helden, einen Lebenspunktanzeiger und eine Übersichtskarte.

Nun wird die App gestartet. Es können mehrere Gruppen /Spielrunden in der App gespeichert werden. Jede Gruppe überlegt sich einen Teamnamen. Dann werden die einzelnen Mitspielenden eingetragen. Dazu wird der Name eingegeben und die Heldenkarte sowie die Klassenkarte werden gescannt (mit der Frontkamera des Gerätes). Auf den Rückseiten der Karten befindet sich dazu jeweils ein individueller QR-Code.

Sollte die Gruppe mal nicht komplett sein oder eine neue Person dazustoßen, kann dies vor jedem Spiel angepasst werden.

Danach wird gestartet und man erreicht die Auswahl der „Bosse“, gegen die der Kampf starten soll. Zu Beginn können noch nicht alle ausgewählt werden, erst nach und nach werden diese freigespielt. Um noch leichter in die Spielmechanik und den Ablauf einzusteigen, gibt es einen kleineren Trainingsboss, „Mr. Puppet“.
 
Vor jedem Spiel stellt nun jeder Held seine entsprechenden Lebenspunkte ein und zieht, entsprechend dem Handkartenlimit, Karten vom Nachziehstapel. Die einzelnen Werte sind dabei durch die Kombination der Helden- und Klassenkarte herauszufinden (Herz-/ Kartensymbole).
 
Grundsätzlich ist der Rundenablauf nun immer der gleiche, egal gegen welchen Boss man in den Kampf zieht. Eine Runde besteht aus sieben Phasen. Wie viele Runden bis zum Ende benötigt werden, hängt ganz von der Stärke des Bosses und der Taktik der Helden ab.

Phase 1 ist die Planungsphase. In dieser Phase plant der Boss seinen Angriff. Wirklich ausgeführt wird der Angriff erst später. In der App wird nun bei jedem Helden angezeigt, wieviel Schaden er erhalten würde. Zusätzlich kann es auch sein, dass weitere Angriffsarten auf die Helden zukommen. Aber um nicht zu viel zu spoilern, möchte ich an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen.

In Phase 2 kann ein Boss sich Schilde aufbauen (im Trainingskampf wird diese Phase übersprungen). Der Boss wappnet sich gegen die drei Angriffsarten (Nah-, Fern- und Magieangriff). Diese Werte fallen jedes Mal unterschiedlich aus.

Phase 3 ist die Aktionsphase, für jeden Helden die relevanteste bzw. aktivste Phase. Die Gruppe kann selbst entscheiden, welcher Held die Phase starten soll, danach geht es im Uhrzeigersinn weiter. Pro Runde hat jeder insgesamt drei Aktionen zur Verfügung. Durch manche Karten und deren Effekte kann sich die Zahl der Aktionen auch erhöhen.

Ist ein Held (Spieler) an der Reihe, entscheidet er sich für eine seiner Handkarten und hält diese über die Frontkamera des Gerätes. Der QR-Code der Karte wird gescannt und die Aktion ausgeführt. Sollte es sich mal um ein Aktion handeln, die ein Held gar nicht hätte machen können, verfällt seine Aktion – diese wird durch die App dann nicht ausgeführt, aber angezeigt.

Je nach Art der Karte kann es sich um einen Angriff auf den Boss handeln oder um Schutz für sich selbst oder eine andere Person. Auch gibt  es Effekt-Karten. Hierbei gibt es viele verschiedene  Möglichkeiten. In der Galerie seht ihr die jeweiligen Standardkarten. Weitere Karten können im Laufe des Spiels freigespielt werden – durchs Besiegen der Bosse. Da gibt es dann Kampfeffekte. Diese können sich entweder auf Nah-, Fern- oder Magiekämpfe beziehen. Dabei gibt es zwei verschiedene Arten der Kampfkarten. Die „normalen“, die immer gespielt werden können, und die den entsprechenden Schaden verursachen,  und es gibt Verstärkungen – gekennzeichnet durch ein Plus am jeweiligen Kampfsymbol. Dieser Effekt wird nur gewertet, wenn vorher von einem selbst oder einer Person bereits eine Kampfkarte in der entsprechenden Kampfart gespielt wurde.

Schutzkarten minimieren den angezeigten Schaden, den der Boss in seiner Angriffsphase verursachen würde. Sollte ein Held durch Schutzkarten den Angriff des Bosses komplett abwehren und auf Null setzen, werden ggf. weitere Angriffseffekte ebenfalls komplett auf Null gesetzt. Schutzkarten können auf einen selbst oder auf eine andere Person angewendet werden.

Heilungskarten erhöhen die Lebenspunkte eines einzelnen Helden. Wichtig: Es darf nicht über die erlaubte Lebenspunkte-Anzahl einer einzelnen Person geheilt werden. Etwaige zusätzliche Lebenspunkte würden verfallen.

Es gibt aber auch Karten, die es erlauben, zusätzliche Karten nachzuziehen (beim Nachziehen darf man über das Handkartenlimit hinausgehen, das Handkartenlimit ist nur am Start und dann jeweils in der Phase 6 und 7 relevant).

Es kann sein, dass ein Held durchs Ausspielen einer Karte auch Schaden erhält. Schäden werden dann direkt per Lebenspunktezähler abgezogen.

Karten mit Blitzsymbolen ermöglichen direkt eine weitere Aktion.

Und dann gibt es noch Karten mit Spezialeffekten. Diese sind mit einem Stern markiert und haben einen individuellen Text auf der Karte.

Nun hat jede Person pro Runde also  theoretisch drei Aktionen. Um eine Aktion auszuführen, wird die ausgewählte Karte per QR-Code gescannt. Die App führt dann die Aktion aus bzw. gibt ggf. weitere Anweisungen.

In dieser dritten Phase können die Helden versuchen, den Boss anzugreifen. Hat der Boss Schilde aufgebaut, muss erst der jeweilige Schild zerstört werden, bevor dann die Lebenspunkte angegriffen werden. Aber gleichzeitig müssen sich die Spieler auch schützen und ggf. Lebenspunkte aufbauen / heilen, um am Ende den Angriff des Bosses zu überstehen oder aber ihn komplett abzuwehren. Fallen die Lebenspunkte eines Helden auf Null, endet das Spiel.

In Phase 4 führt der Boss seinen Angriff durch. Alle bis dahin nicht entfernten Schadensoptionen werden nun ausgeführt, und die Helden müssen diese an ihrem Lebenspunktezähler entsprechend einstellen.

In Phase 5 werden nun zusätzliche Statusplättchen abgearbeitet. Im Laufe des Spiels können die Helden zum Beispiel Giftstatusplättchen erhalten. Diese würden in dieser Phase nun ihre Wirkung zeigen.

In Phase 6 werden alle ausgespielten Karten jeweils auf den eigenen Ablagestapel gelegt. Zusätzlich muss jeder Held so viele Handkarten abwerfen, dass er maximal so viele besitzt, wie sein Handkartenlimit vorgibt. Dabei dürfen auch beliebig viele weitere Karten abgeworfen werden.

In der letzten Phase, Phase 7 ziehen nun alle wieder neue Karten nach, bis sie ihr Limit erreicht haben. Sollte der eigene Nachziehstapel zu irgendeinem Zeitpunkt leer sein, wird der Ablagestapel gemischt und bildet einen neuen Nachziehstapel.

Spielende: Das Spiel endet auf zwei möglich Wegen sofort: Sollten ein oder mehrere Helden auf null Lebenspunkte fallen, muss dies in der App eingegeben werden. Die Helden haben es nicht geschafft, den Boss zu besiegen. Oder aber der Boss ist besiegt, weil er alle seine Lebenspunkte verloren hat. Dann gewinnt die Heldengruppe gemeinsam.
 
Zu Beginn einer Partie gibt es übrigens die Wahl, in welcher Schwierigkeitsstufe das Spiel gespielt werden soll. Dabei ist Stufe 1 eher für Familien geeignet und Stufe 4 für Profis. Zudem haben die unterschiedlichen Bosse unterschiedliche Fähigkeiten und versteckte Besonderheiten. Es gilt diese herauszufinden, um Angriffe ggf. besser abwehren zu können oder aber den Boss endgültig zu besiegen. 
 
Wurde ein Boss besiegt, werden in der App weitere Bosse freigeschaltet. Außerdem kommen über die verschiedenen Beuteboxen neue Karten und Spielelemente hinzu. 
 
Ist die Spielrunde beendet, können einfach alle Karten jeder Person in die entsprechende Spielerbox gelegt werden. Dies ermöglicht einen schnelleren Start beim nächsten Spiel. Nicht genutzte Karten kommen in die Lagerbox.

GALERIE

Anklicken / Antippen für Komplettansicht

CHECKPOINT

PRO

  • Spielt sich intuitiv und spannend
  • Angenehme App- Steuerung
  • Keine doppelten Züge in der App, die man zusätzlich auf einem Spielplan machen muss
  • Viel Varianz
  • Praktische Sortierung


CONTRA

  • die Lebenspunktezähler verstellen sich schnell

MEINUNG

Boss Fighters QR hat bei uns voll eingeschlagen. Gerade auch meine Kinder (12 und 19 Jahre) sind hin und weg von der Art und Weise, wie dieses Spiel gespielt wird. Es gibt mittlerweile einige Spiele, die auch App-gesteuert oder App-kombiniert sind. Boss Fighters QR kann ich da als wirklich vorbildlich einstufen. Was mir direkt gut gefällt, ist der leichte Einstieg in das Spiel. Die App erklärt alles gut und führt uns schrittweise durch die einzelnen Phasen.

Das Spiel spielt sich dann auch einfach sehr intuitiv. Das Abscannen der QR-Codes hat bei uns auf verschiedenen Endgeräten einwandfrei geklappt. Natürlich sollte man trotzdem achten, dass genügend Licht vorhanden ist. Und als kleiner Tipp: Ruhig bleiben und die Karte nicht hektisch hin und her bewegen, einfach nur halten. Bei manchen Karten werden dann zusätzliche Animationen gezeigt, andere wiederum erfordern weitere Aktionen und man muss mit der App interagieren. Auch das ist alles wirklich sehr übersichtlich und mit einer einfachen Bedienung gestaltet.

Jede Person hat letztlich nur ihre eigene Auslage vor sich liegen, alles andere passiert in der App. Das hat den Vorteil, dass die Züge nicht doppelt ausgeführt werden müssen, also in der App und zusätzlich auf einem Spielplan. Stattdessen wird alles direkt in der App angezeigt; das einzige, was jeder Held bei sich manuell einstellt, sind die Lebenspunkte. Diese werden nicht in der App angezeigt. Da kommen wir dann auch zu meinem einzigen Kritikpunkt. Ich finde die Lebenspunkteanzeiger etwas unglücklich. Die beiden Scheiben sind sehr leichtgängig, was ein schnelles Verdrehen ermöglicht. Da dann auch noch die Aussparungen zum Drehen oben und unten angebracht sind, kommt es beim Greifen der Scheiben gern mal dazu, dass man sich da mal versehentlich etwas Falsches einstellt. Hier sollte man also etwas vorsichtig sein.

Jetzt kann es sein, dass der eine oder andere sagt: „Ich habe kein Tablet, und mit dem Smartphone ist das doch alles schwieriger“. Dazu kann ich nur sagen, dass es nicht zwingend nötig ist, ein mobiles Endgerät mit großem Display zu nutzen, auch mit einem Handy ist dieses Spiel gut spielbar und hat keine Einschränkung. Ja, auf einem Tablet wirkt das ganze natürlich etwas großzügiger und vielleicht für den einen oder anderen angenehmer. Aber es tut spielerisch wirklich nichts zur Sache, ob ich einen großen oder kleinen Bildschirm nutze.

Die Funktion, die Karten neu zu sortieren, weil das Spiel in einer anderen Gruppe/ Besetzung gespielt wird, ist auch wirklich sehr smart gelöst. Natürlich müssen dann am Anfang ein paar Karten umsortiert werden, weil ggf. die Klassen nicht gleich zusammengestellt sind zu den einzelnen Helden. Heißt, es müssen vielleicht die Helden- und Klassenkarten auseinander sortiert werden, damit jeder Held sich sein richtiges Set zusammenstellt. Aber um die Sonderkarten, die Karten, die nach erfolgreichen Bosskämpfen freigespielt wurden, herauszufinden, befinden sich auf den Karten Sternmarkierungen. Diese jeweilige Markierung ist auch in der App vor der jeweiligen Spielgruppe sichtbar. Es müssen dann also nur noch alle Karten mit den Sternen herausgesucht werden. Und Karten mit Sternen, dessen Rang man als Spielgruppe noch nicht erspielt hat, kommen einfach in die Lagerbox. Aus den übrigen darf sich jede Person pro Sternklasse jeweils eine Karte aussuchen und ihrem Deck hinzufügen. Also ja – ein bisschen Aufwand ist natürlich damit verbunden. Aber ich finde, es wurde trotzdem gut gelöst, auch wenn ich persönlich lieber nicht so gern ständig wechselnde Spielgruppen/ -besetzungen habe, zumindest für so eine Art von Spiel. Dennoch wäre eine Anpassung möglich, ohne das komplette Spiel wieder auseinandernehmen zu müssen.

Kommen wir nun zur Einschätzung, für welche Spielrunden dieses Spiel im Allgemeinen meiner Meinung nach geeignet ist. Ja, Boss Fighters QR ist generell als Familienspiel möglich. Und ja, auch für Familien die nicht unbedingt als Vielspieler gelten, eignet sich das Spiel, einfach weil es durch die verschiedenen Schwierigkeitsstufen auch gut angepasst werden kann. Aber trotzdem würde ich Boss Fighters QR schon eher im Kennersegment ansetzen. Die volle Entfaltung gibt es einfach erst durch die höheren Schwierigkeitsstufen und die sind dann deutlich knackiger und herausfordernder, auch wenn natürlich der Spielablauf grundlegend gleich bleibt. Es ist beispielsweise so, dass jeder Boss, nennen wir es mal, eine Sonderfähigkeit hat. Die wird nirgendwo konkret beschrieben oder erklärt. Aber jeder Boss reagiert auf eine bestimmte Art und Weise. Dies herauszufinden und zu umgehen, ist definitiv sinnvoll und ich würde sagen sehr entscheidet für einen Sieg, wenn man höhere Schwierigkeitsstufen wählt. In der einfachsten Stufe schafft man das auch ganz gut, wenn man noch nicht weiß, was genau dahintersteckt.

Bisher ist Boss Fighters QR wirklich in allen meinen Spielrunden besonders gut angekommen. Die Kombination aus Deckbuilding, App-Unterstützung und der allgemeinen Gestaltung, grafisch wie auditiv, hat uns einfach voll überzeugt. Und auch, wenn ich nun doch bereits einige Spielrunden hinter mir habe, haben wir noch nicht alle Bosse besiegt, und somit freue ich immer wieder weiterzukommen und neue Elemente freizuspielen. Ich kann mir übrigens sehr gut vorstellen, dass es in der Zukunft dazu noch einige Erweiterungen geben wird, zumal sich die Umsetzung für Erweiterungen recht einfach realisieren lassen wird.

Für mich und meine Spielrunden ist Boss Fighters QR im kooperativen Genre für all diejenigen, die App-gestützte Hybridspiele mögen, auf jeden Fall ein echtes Highlight, sodass ich dafür einfach mal die Höchstwertung zücke - fantastische 10 Kultpunkte!

KULTFAKTOR: 10/10

Spielidee: 9/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 9/10

EURE REZENSENTIN

DORO

Spielerin, Rätselfan, Familienmensch

Eine Rezension vom 27.10.2025

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Pegasus Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten