REZENSION
BLOOM
- Genre: Familienspiel
- Jahr: 2024
- Verlag: Game Factory
- Autor: Wolfgang Kramer
- Grafik: Melanie Friedli
- Spieler: 2 bis 5
- Alter: ab 8 Jahren
- Dauer: ca. 30 bis 60 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Taktiklevel: 6/10
Klassisches in neue Blüte
Legt eure Zahlensteine in gültigen Reihen ab, um über die sichtbaren Blumen Punkte zu sammeln. Dabei solltet ihr jedoch schneller sein als die Konkurrenz, denn die Wertungsplättchen sind begehrt. Zudem können Steine aus fremden Reihen geraubt oder es können Steine angelegt werden, um das eigene Ziel zu erreichen.
REGELN
Gebt die 100 Zahlensteine (mit den Werten von 1 bis 100) zusammen mit 3 Joker-Steinen in den Beutel. Legt zudem einen zusätzlichen Joker auf eines der vier Joker-Felder des Spielplans. Mischt die Steine im Beutel gut durch. Zieht 8 Steine heraus und legt sie als offene Auslage auf den Spielplan, legt dort auch die Wertungsplättchen von 1 bis 15 bereit, wobei die Plättchen von 1 bis 5 doppelt vorhanden sind. Zieht dann noch jeweils 13 Steine aus dem Beutel und stellt sie vor euch ab, sodass die Mitspieler keinen Blick auf eure Zahlen haben. Diese Steine sind euer jeweiliger Vorrat.
Gespielt wird reihum. Bist du an der Reihe, hast du die Wahl aus 3 Optionen, von denen du eine ausführst:
(A) Nimm 1 bis 2 neue Steine aus der offenen Auslage (keine Joker!) oder ziehe sie aus dem Beutel und stelle sie vor dir ab. Fülle ggf. einen frei gewordenen Platz auf dem Spielplan mit einem neuen Stein nach. Ziehst du beim Nachziehen einen Joker, kommt er auf ein Joker-Feld des Spielplans; ziehe dann einen weiteren Stein als Ersatz.
(B) Spiele Steine aus deinem Vorrat als Reihe aus. Eine Reihe besteht aus mindestens drei Steinen, deren Zahlen jeweils einen maximalen Abstand von 2 zueinander haben dürfen. Eine gültige Reihe wäre beispielsweise 2-3-5 oder 91-93-95-97-98-100. Zähle die Blumen auf den ausgespielten Steinen zusammen und nimm dir dann das entsprechende Wertungsplättchen (oder, wenn nicht mehr verfügbar, das nächstniedrigere Plättchen).
Spielst du eine 3er-Reihe aus, erhältst du zudem einen eventuell noch ausliegenden Joker vom Spielplan. Joker können fehlende Zahlen in Reihen ersetzen. In Reihen ausliegende Joker können zudem zu Beginn des eigenen Spielzuges mit passenden Zahlensteinen ersetzt werden, um den Joker dem eigenen Vorrat hinzuzufügen.
Beim Auslegen von Reihen dürfen 1 bis 2 Steine aus einer bestehenden Reihe geraubt werden, wenn sie in die eigene neue Reihe integriert werden können. Die bestohlene Reihe muss allerdings weiterhin den Regeln entsprechen (also mindestens drei Steine mit einem maximalen Zahlenabstand von jeweils 2), andernfalls ist das Rauben nicht erlaubt.
(C) Lege beliebig viele Steine in einer ausgewählten Reihe an. Füge die Steine aus deinem Vorrat exakt einer ausliegenden Reihe an passenden Stellen hinzu (am Anfang, am Ende oder auch mittendrin). Dafür erhältst du dann aber keine Punkte!
Warum kann es Sinn machen, Steine anzulegen, ohne dafür Punkte zu sammeln? Weil jeder Stein, den du am Ende einer Runde noch im eigenen Vorrat besitzt, Minuspunkte in Höhe der darauf abgebildeten Blumen verursacht. Die Blumen-Anzahl kann pro Stein zwischen 1 und 7 Blumen betragen.
Rundenende: Die Runde ist beendet, wenn jemand alle eigenen Steine losgeworden ist oder niemand mehr einen passenden Zug machen kann, sobald der Vorrat zum Nachziehen geleert wurde. Addiert nun die Punkte eurer gesammelten Wertungsplättchen und zieht eventuelle Minuspunkte übrig gebliebener Steine im eigenen Vorrat ab.
Bereitet das Spiel dann wieder so vor, wie ihr es zu Spielbeginn gemacht habt. Spielt nun einen zweiten Durchgang. Addiert zum Schluss die Punkte des zweiten Durchgangs zu denen des ersten Durchgangs hinzu. Wer nun insgesamt die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- Klassiker-Vibes mit neuem Kniff
- Wettrennen-Charakter
- hochwertiges Material
CONTRA
- wer abstrakte Rummy-Spiele noch nie mochte, ist hier falsch
MEINUNG
Während die hochwertigen schwarzen Spielsteine aus Holz mit ihrer farbigen Bedruckung in ihrer Optik und Haptik an Qwirkle erinnern, lässt der Spielablauf die Vibes eines anderen Klassikers entstehen. Im Jahr 1980, also vor über 40 Jahren, wurde Rummikub mit der damals noch neuen Auszeichnung „Spiel des Jahres“ bedacht. Und bis heute hat sich das Zahlenablegespiel eine eigene Fangemeinde erhalten, die insbesondere auch unter den ansonsten eher wenig bis nur gelegentlich spielenden Personen, ja, oft auch unter den etwas älteren Spielefans zu finden ist.
Bloom von Erfolgsautor Wolfgang Kramer greift das typische Rummy-Prinzip auf. Wieder müssen Zahlensteine gesammelt und dann in Reihen ausgespielt werden, um Punkte zu generieren, wieder sollte der eigene Vorrat geleert werden, um am Ende keine Minuspunkte zu kassieren. So weit, so bekannt.
Bloom bringt dann aber neue Kniffe ins klassische Spiel. Mindestsummen beim Ausspielen neuer Steine müssen nun nicht mehr beachtet werden, es geht einfach nur ums Auslegen von Zahlenfolgen mit einem maximalen Zahlenabstand von jeweils 2 zum Nachbarstein. Das ist leicht verständlich, und das lästige Rechnen fällt damit auch weg. Beim Sammeln der Punkte zählen dann einfach die Blumen auf den Steinen. 5er-, 10er- und 11er-Zahlen bringen einem mehr Blumen als die restlichen Steine, sodass es sich oft lohnt, offen ausliegende Steine des Angebots gezielt zu nehmen, um damit eine punkteträchtige Reihe zu bilden.
Ja, liegt da gerade ein Joker auf dem Spielplan, kann das Ausspielen einer kleinen 3er-Reihe durchaus auch attraktiv sein, vielleicht, um dann im nächsten Zug mit dem Joker eine extralange Reihe präsentieren zu können. Allerdings, und auch das ist ein schöner neue Aspekt, ist Bloom ein Wettrennen. Bei den Wertungsplättchen gilt: Was weg ist, ist weg. Gerade in Vollbesetzung kann es dann schnell passieren, dass einem die Konkurrenz eine anvisierte Zahl wegschnappt, vielleicht auch gleich die nächstniedrigen - und plötzlich ist eine 10-Blumen-Reihe nur noch 5 Punkte wert, einfach weil alle anderen Plättchen schon von den Mitspielern abgegriffen wurden.
Das Rauben ausliegender Steine ist eine gute Möglichkeit, bestimmte Zahlen doppelt zu werten, sofern das Entnehmen der Steine nicht die Folge hat, dass die bestohlene Reihe dann nicht mehr den Regeln entspricht. Auch wenn diese Option mit „Rauben“ betitelt wird, ist das kein direktes Ärgerelement. Hat jemand anderes eine Reihe gelegt, an der ich mich regelkonform bediene, ist das für den ursprünglichen Besitzer der Reihe kein Nachteil - da gehen keine Punkte verloren. Somit bleibt Bloom familienfreundlich.
Zum Ende möchte ich Steine mit hohem Blumenwert dann aber auch gern mal schnell loswerden, wenn sich keine Möglichkeit mehr bietet, sie in eine neue Reihe zu intergrieren, um die Punkte einzukassieren. Verlässt mich da der Mut zum Risiko, kann ich so einen Steine (oder auch mehrere) dann in einer von mir ausgewählten Reihe entsorgen - ohne Punkte, aber mit dem Wissen, dass ich dafür keine Minuspunkte mehr befürchten muss. Da ich das aber in jedem Spielzug nur in einer (!) ausliegenden Reihe machen darf, und die Steine im eigenen Vorrat oftmals breiter streuen, als dass sie in einer einzigen Reihe regelkonform Platz finden würden, wirkt so ein Spielzug dann manchmal - eben durch den Wettlauf-Charakter des Spiels - wie ein verschenkter Spielzug. Ein Gespür für Timing ist hier wichtig, auch ein Gespür für den Zeitpunkt, an dem besser keine neuen Steine mehr blind aus dem Beutel nachgezogen werden sollten.
Bloom erinnert vom gesamten Spielgefühl trotz der Neuerungen natürlich klar an Rummikub und ähnliche Spiele, die darauf folgten. Heißt: Man sollte solche abstrakten Sammel- und Ablegespiele generell schon mögen, um Bloom gut zu finden. Wer mit Spielen dieser Art noch nie etwas anfangen konnte, der wird wohl auch Bloom im Regal stehen lassen. Aber: Für mich optimiert Bloom den Klassiker mit seinen eigenen Kniffen, sodass das Spiel für alle, die so einem Konzept etwas abgewinnen können, auf jeden Fall auch mehr als einen Blick wert ist.
Für mich sind das dann - eben in seinem speziellen Genre - gute 7 Punkte, da es kein bloßer Abklatsch eines bestehenden Erfolgstitels ist, sondern nochmal eigene neue Aspekte ins Spiel gebracht werden. Wer echter Rummikub-Fan ist, kann für sich daher ggf. auch noch einen Punkt draufrechnen, da Bloom dann eine schöne neue Variante darstellt.
VIDEO
Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube: https://youtu.be/rADEekqAi2U
KULTFAKTOR: 7/10*
Spielidee: 6/10
Ausstattung: 9/10
Spielablauf: 7/10
* Für Rummikub-Fans: 8/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 10.12.2024
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Game Factory
Weitere Fotos: Spielkultisten