REZENSION

BLACK FRIDAY

  • Genre: Strategiespiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: 2F-Spiele
  • Autor: Friedemann Friese
  • Grafik: Harald Lieske
  • Spieler: 2 bis 5
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 55 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 6/10

Herabschlagender Bär, aufstoßender Bulle und die Katze im Sack

GELD! Jetzt, wo ich Ihre Aufmerksamkeit habe, reden wir über die Börse. Kaufen Sie günstig, verkaufen Sie teuer, Gold ist die einzig sichere Anlage, und der nächste Absturz kommt bestimmt.

REGELN

In Friedemann Frieses Black Friday (Schwarzer Freitag) gehen wir an die Börse und kaufen Aktien. Unser Kaufverhalten beeinflusst, wie die Aktien steigen. Mit steigender Spielzeit wird ein Absturz der Kurse immer wahrscheinlicher.

Sind Sie bereit nach einer guten Stunde als Bullenreiter hervorzugehen, oder wird der Bär Sie niederstrecken?

Wer an die Börse möchte, muss zunächst ein paar Formalitäten für sein Depot erledigen.

Das Spielbrett wird mit den Aktienmarkern bestückt, die die Kurse der sechs Aktien angeben, und alle schwarzen Aktien werden auf die passenden Symbole gelegt. Die Leisten der Verkaufsaktion müssen dann noch mit Aktien bestückt werden. Der Markt wird abhängig von Investierenden mit Aktien bestückt. Der Goldpreis wird auf 20 gesetzt und die verkauften Goldbarren auf 0.

Der Markt wird mit einigen Aktien bestückt und die restlichen Aktien kommen in den Sack.

Mit 100 Dollar und 5 zufällig gezogenen Aktien beginnen wir den Gang zur Börse. Sind nur 2 Investierende bei diesem Börsengang dabei, so brauchen wir noch de M.I.B.S. (Minimal Intelligenter Börsen Service), bei 3 oder 4 ist M.I.B.S. optional und bei 5 Spielern ist für M.I.B.S. kein Platz. M.I.B.S. ist unser Dummy-Investor.

Wenn feststeht, wer beginnt, bekommen die anderen einen Bonuschip, der einmalig im Spiel eine Bonusaktion erlaubt.

Jetzt geht es los. Schnallen Sie ihren Geldbeutel fest und rufen Sie ihren Börsenmakler an!

Es wird reihum gespielt. Wer an der Reihe ist, muss eine sehr wichtige Entscheidung treffen: Aktien kaufen, Aktien verkaufen oder Gold kaufen. Wie viele Aktien dabei gekauft oder verkauft werden dürfen, ebenso die Anzahl an Goldbarren, die gekauft werden können, hängt vom aktuellen Level ab. Es beginnt bei jeweils 1, und auf Level 9 können dann fünf Aktien auf einen Schlag gekauft werden.

Kauft jemand Aktien, so muss dafür der Preis der Aktie gezahlt werden, welcher durch den Marker angegeben wird. Die passende Aktie wird dann aus dem Markt genommen. Was nicht auf dem Markt ist, kann auch nicht gekauft werden. Zusätzlich wird dann eine Aktie der gleichen Farbe auf die Verkaufsleiste gelegt. Wird dabei die dritte Aktie einer Farbe in die Verkaufsleiste geleget oder die letzte Aktie einer Farbe aus dem Markt genommen, so steigt der Wert der Aktie.

Werden Aktien verkauft, so wird eine Aktie der gleichen Farbe von der Verkaufsleiste in den Markt gelegt und so der Wert der Aktie gesenkt.

Wird Gold gekauft, so muss dafür der aktuelle Goldpreis gezahlt werden. Zudem wird dann eine Aktie vom Markt in die Goldkaufleiste gelegt. Auch hierbei gilt: Das Leeren des Markts oder die dritte Aktie der gleichen Farbe in der Leiste bedeutet einen Kursanstieg. Die Anzahl der gekauften Barren wird auf der entsprechenden Leiste festgehalten.

In allen Fällen gilt: Sollte eine Aktie auf eine Leiste gelegt oder etwas davon genommen werden müssen, und es gibt diese Farbe nicht mehr, muss eine andere gewählt werden.

Jetzt ist die nächste Person am Zug und darf wieder Aktien bzw. Gold kaufen oder Aktien verkaufen.

Ist die Gold- oder Aktienkaufleiste voll oder weist die Aktienverkaufsleiste genug leere Stellen auf, so wird ein Kurswechsel ausgelöst. Der Kurswechsel bringt die Kurse an der Börse zu neuen Höhen oder auch auf neue Tiefen. Zunächst wird, abhängig vom Level, eine bestimmte Anzahl Aktien aus dem Beutel gezogen. Sollte eine schwarze Aktie dabei sein, so wird diese zurückgeworfen. Wurden mehrere schwarze Aktien erwischt, so bleiben diese liegen.

Jede schwarze Aktie lässt den Goldpreis um einen Schritt steigen. Für gekaufte Barren steigt der Goldpreis so um einen Schritt pro drei gekaufter Barren. Dann geht der Zähler für gekaufte Barren auf 0.

Jetzt ändern sich die Aktienkurse. Für jede Aktie werden die gezogenen Aktien dieser Farbe kontrolliert. Wurde eine oder mehrere Aktien gezogen, so steigt der Kurs, bei null Aktien fällt der Kurs. Schwarze Aktien werden immer von der Anzahl abgezogen, sodass es negative Zahlen mit recht negativer Kursentwicklung geben kann.

Wurden alle Aktien ausgewertet, werden die schwarzen Aktien neben das Spielbrett gelegt. Die anderen gezogenen Aktien kommen in den Markt. Die Leiste, die den Kurswechsel ausgelöst hat, wird geleert, diese Aktien kommen zurück in den Sack. Haben die Aktien einen bestimmten Wert erreicht oder überschritten, dann steigt auch das Level. Dies sorgt dafür, dass schwarze Aktien in den Sack geworfen werden. Auch das Leeren der Verkaufsleiste führt zu mehr schwarzen Aktien im Beutel.

Spielende: Gespielt wird reihum, bis der Goldpreis die 100 erreicht hat. Dann werten alle ihre Vermögen. Gezählt werden dabei dann das eigene Barvermögen, der Wert aller Aktien und der Wert aller Goldbarren. Wer nun am reichsten ist, sollte sich überlegen, Finfluencer zu werden.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • klare Information über Risiken
  • schnelle Züge
  • Kursentwicklung ähnlich der echten Börse


CONTRA

  • optisch nicht schön

MEINUNG

6. Dezember 1745, 11. Mai 1866, 24. September 1869, 9. Mai 1873, 13. Mai 1927 und 24. Oktober 1929 waren alles schwarze Freitage. An diesen Tagen ging es der Börse sehr schlecht und folglich den Menschen dann auch. Der Schwarze Freitag 1929 (der in den USA ein Black Thursday ist wegen der Zeitverschiebung) läutete sogar die Weltwirtschaftskrise ein.

Und jetzt sind Börsenspiele ja eh schon nicht die größten Partykracher; wie soll es jetzt mit diesem Namen weitergehen? Dazu gleich mehr, aber wer sich in der Spieleszene auskennt, wird zunächst bemerken, dass hier ein Spiel von Autor Friedemann Friese im 2F-Verlag erschien, welches im Titel kein F am Anfang hat. Vermutlich liegt dies daran, dass Black Friday im Kern eine Neuauflage ist. Bereits 2010, erschien bei KOSMOS Schwarzer Freitag, welches uns jetzt überarbeitet wieder vorgelegt wird.

Black Friday ist ein thematisches Spiel, auch wenn die Gestaltung es zunächst nicht vermuten lässt. Wir sind an der Börse und handeln Aktien, dabei versuchen wir mehr Geld beim Verkaufen zu erwirtschaften, als wie beim Kauf bezahlt haben. Obwohl: Eigentlich erwirtschaftet die Börse nichts. Die Börse in der realen Welt ist (zumindest für mich) ein abstraktes Konstrukt, welches nur mein Finanzdienstleister versteht. In Black Friday geht es auch nur um die Börse. In vielen anderen Spielen gibt es Firmen, die wir verwalten und deren Geschicke wir lenken. Und jetzt kaufen Leute einfach Aktien dieser Firma und man fragt sich, warum man sich denn für die anderen überhaupt anstrengen soll. Es gibt viele Spiele dieser Art wie Panamax, Nusfjord, die 18XX-Spiele, Tesla vs Edison etc.

In Black Friday kaufen bzw. verkaufen wir Aktien … und ein bisschen Bling-Bling, äh, Gold. Dies hat seinen eigenen Reiz, auch wenn es sehr dröge aussieht. Bei Black Friday gibt es natürlich ein paar Grundsätze, die fast jedes Börsenspiel hat: Kaufe billige Aktien und verkaufe diese teuer. Aktien kaufen steigert tendenziell deren Preis, Aktien verkaufen verringert ihn dagegen.

Die spannenden Komponenten stecken in ein paar wenigen Kniffen. Nicht alle Kursänderungen werden sofort ausgelöst, manche Dinge beeinflusse ich irgendwann in der Zukunft. Diese Zukunft steckt in einem Sack. Wird die gefürchtete oder erhoffte Kursänderung ausgelöst, können sich die Kurse der Aktien dramatisch ändern. Die Wahrscheinlichkeiten für die Änderungen können alle am Tisch beeinflussen, aber nicht präzise vorhersagen. Bei diesen Kursänderungen ist dann besonders spannend, dass sich immer mehr schwarze Aktien ansammeln. Diese werden irgendwann die Kurse der Aktien abstürzen lassen. Es ist sehr transparent, wie viele schwarze Aktien im Beutel sind, weil sich alle schwarzen Aktien, die nicht sichtbar sind, im Beutel befinden. Bei anderen Aktien, die ich nicht sehe, sitzen diese potentiell hinter den Sichtschirmen anderer Leute, aber die schwarzen Aktien lauern im Sack. Werden diese in einer Gruppe gezogen, z.B. von drei schwarzen Aktien, dann gibt es quasi einen schwarzen Freitag, denn die Börsenkurse fallen.

Die Form der Aktienkurse über eine Partie Black Friday verteilt sieht dabei ähnlich wie im echten Leben: Ein Sägezahnmuster auf einer Rampe. Die Aktien steigen im Schnitt immer weiter an, aber ab und an gibt es einen Absturz. Dies gilt natürlich nicht für alle Aktien, aber dieses Muster findet sich bei vielen realen Aktien und den Aktien im Spiel. Dies macht dieses abstrakt aussehende Spiel auch zu einem eigentlich thematischen Spiel.

Durch die Transparenz, die Black Friday bietet, können alle am Tisch einschätzen, was die nächste Kursänderung bringt und rechtzeitig verkaufen oder sie weiter halten. Wobei „rechtzeitig“ gar nicht so einfach ist, denn wenn viele die gleiche Aktion wählen, kommen Kursänderungen und der Absturz noch schneller. Vielleicht solltet ihr in Gold investieren. Gold ist am Spielende mit Sicherheit 100 Dollar wert. Dies ist eine gute und risikofreie Anlage, aber Gold ist nicht liquide, d.h. Geld, welches einmal in Gold investiert wurde, ist jetzt gebunden. Darum ist es immer wichtig zu wissen, wann sich Gold lohnt. Wer kein Bargeld mehr hat, der hat es wirklich schwer bei Black Friday.

In der Neuauflage wurde der Minimal Intelligente Börsenservice (M.I.B.S.) eingeführt. Zur Enttäuschung der Solospiel-Fans, ermöglicht dieser kein Spiel alleine, aber dafür zumindest ein Spiel zu zweit. Dafür funktioniert der M.I.B.S. auch gut, aber ich fand den Einstieg in die Verwaltung des M.I.B.S. am Anfang gar nicht so einfach, später ging es dann ganz gut, als ich die Intentionen des M.I.B.S. begriffen hatte. Dieser spielt dann auch gut mit und bringt ein bisschen mehr Bewegung ins Spiel, aber alles in allem werde ich bei drei oder mehr Personen ohne M.I.B.S. spielen, da ich nicht finde, dass der kleine Effekt die Extraverwaltung wert ist.

Ansonsten wurden bei der neuen Auflage noch ein paar Dinge einfach benutzerfreundlicher. Leere Züge (nichts kaufen, nichts verkaufen) können jetzt trotzdem die Börse beeinflussen. Es gibt jetzt auch viel mehr Symbole auf dem Brett, die ganz klar das Merken der Regeln unterstützen. Wer die Regeln erklärt, kann die Symbole auf dem Brett benutzen, um sich an Details zu erinnern, wie wann eine Aktien steigt, wann sie fällt, etc. Was ich mir hier noch gewünscht hätte, wäre eine Übersicht der verschiedenen Schritte der Kursänderung gewesen. Abgeschafft wurden auch die Subventionen, die es 2010 noch gab.

Leider wurde nicht die Gelegenheit genutzt, die ganze Illustration zu modernisieren. Es erscheint mir, dass diese, bis auf die besseren Symbole auf dem Brett, insgesamt sogar schlechter geworden ist. Auf dem Spielbrett von 2010 aus dem Hause KOSMOS fanden sich klare Linien, mehr Verzierungen und irgendwie ein für mich frischeres Design. Auch das Titelcover sah für mich besser aus mit dem Bären und dem Bullen, die sich prügeln. Allerdings mag vielleicht einigen nicht sofort klar sein, dass Bär und Bulle für fallende und steigende Kurse an der Börse stehen. Somit könnten die Tiere auf der Schachtel völlig falsche Erwartungen geweckt haben, aber trotzdem spricht mich die Gestaltung der neuen Ausgabe ästhetisch wenig an. Wie wäre es denn mit dem Bild der koreanischen Ausgabe?

Was positiv überrascht, ist die Spielzeit, oder eher die gefühlte Spielzeit. Die Schachtel verspricht uns 55 Minuten pro Partie, was ich mit 5 Leuten sicherlich zu optimistisch finde, aber mit 2 oder 3 Personen ist die Vorgabe sicherlich zu schaffen. Durch die Tatsache, dass jeder Spielzug recht simpel ist, und nur eine Aktion gemacht werden kann, ist der Spielfluss recht gut. Bei Kursänderungen hat bei uns immer jeder interessiert zugeschaut oder an der Verwaltung mitgearbeitet. Somit haben sich z.B. die 2 Stunden, die ich für 5 Personen brauchte, gar nicht so lange angefühlt.

FAZIT: Black Friday ist ein Börsenspiel, welches allein auf die Börse reduziert ist. Es geht darum,  Risiken und Vorteile der kommenden Kursänderungen abzuschätzen und zum richtigen Zeitpunkt sicheres Gold zu kaufen. Fans der Börse ist es zu empfehlen, und auch denen, die gern ein Wagnis eingehen.

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 4/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

LUTZ

Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast

Eine Rezension vom 17.03.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: 2F-Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten