REZENSION
BIDDLE
- Genre: Würfelspiel
- Jahr: 2025
- Verlag: Amigo Spiele
- Autoren: Ralf zur Linde, Carsten Rohlfs
- Grafik: Markus Erdt
- Personen: 2 bis 5
- Alter: ab 8 Jahren
- Dauer: ca. 30 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Taktiklevel: 2/10
Würfel, Wetten und Wahrscheinlichkeiten
Keiner der sechs Würfel darf eine 4 zeigen? Klingt simpel? Aber in maximal wie vielen Würfelversuchen ist die Aufgabe erfüllt? Reihum wettet ihr, folgt den anderen, unterbietet sie oder steigt aus. Im Würfel-Showdown zeigt sich dann, wer die Erfolgsaussichten besser eingeschätzt hat.
REGELN
Legt den zweigeteilten Spielplan aus, legt jeweils einen Marker eurer Farbe auf das Startfeld der Bietleiste.
Mischt die Aufgabenkarten, zieht eine erste Karte und legt sie offen aus. Zur Erfüllung der Aufgabe werden die sechs Würfel benötigt. So kann beispielsweise eine Aufgabe lauten, dass alle Würfel eine 4 zeigen, dass die Summe aller Augenzahlen 30 ergibt, dass drei gerade und drei ungerade Zahlen zu sehen sind oder eine aufeinanderfolgende Reihe aus Zahlen gebildet werden muss. Reihum bieten wir nun darauf, in wie vielen Würfelversuchen uns die Erfüllung der Aufgabe wohl gelingt.
Die Startperson legt ihren Marker in die entsprechende Reihe der Bietleiste, z.B. in Reihe 6 von 10. Die nächste Person hat nun drei Möglichkeiten:
- Sie unterstützt das letzte Gebot und legt ihren Marker in die selbe Bietreihe.
- Sie unterbietet die letzte Wette und legt ihren Marker in einer niedrigere Reihe, im Beispiel könnte das dann Reihe 5 oder direkt Reihe 4, 3... sein.
- Sie steigt aus der laufenden Runde aus und verschiebt ihren Marker auf das lilafarbene Punktefeld der entsprechenden Runde.
Das geht reihum so weiter, bis mindestens eine Person ausgestiegen ist und sich alle verbliebenen Personen in derselben Bietreihe befinden.
Somit ergeben sich zwei Gruppen: Diejenigen, die behaupten, sie können die Aufgabe innerhalb ihrer gebotenen Versuche erfüllen, und diejenigen, die ausgestiegen sind – die also daran glauben, dass es der anderen Gruppe nicht gelingt, die Aufgabe zu erfüllen.
Die Gruppe der Optimisten darf die sechs Würfel nun maximal so oft werfen, wie sie geboten hat. Dabei dürfen jederzeit Würfel herausgelegt / neu geworfen werden.
- Wurde die Aufgabe innerhalb der gebotenen Versuche erfüllt, legen alle Beteiligten dieser Gruppe ihren Marker von der Bietleiste auf das blaue Punktefeld der laufenden Runde. Diejenigen, die fälschlicherweise gepasst haben, müssen ihre Marker wieder vom lilafarbenen Punktefeld entfernen.
- Wurde die Aufgabe nicht geschafft, bleiben hingegen die Marker derjenigen, die gepasst haben, auf dem lilafarbenen Punktefeld der laufenden Runde liegen, alle anderen bekommen keine Punkte. Die Punkte fürs Passen sind dabei stets niedriger als die Punkte im Erfolgsfall.
Gespielt werden 10 Runden, wobei sich die möglichen Punkte im Laufe der Partie steigern. Nach 10 Runden werden dann sämtliche Punkte von den Feldern, auf denen eigene Marker liegen, addiert. Wer die meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt.
CHECKPOINT
PRO
- witziges Zockerspiel
- besonders zu viert, noch besser zu fünft mit einer schönen Dynamik
- kann für Emotionen sorgen
CONTRA
- zu zweit weniger reizvoll
- Schwierigkeitsgrad der Würfelaufgaben unabhängig von den Punkten
MEINUNG
Direkt vorab: Wer bei Kniffel schreiend den Spieltisch verlässt, gehört wahrscheinlich nicht zur Zielgruppe von Biddle. In der Tat mutet das Spiel auf den ersten Blick wie der Klassiker an, wenn Würfel mehrfach geworfen werden, um damit Aufgaben zu erfüllen – allerdings mit eigenen Ideen.
Vor jede Würfel-Challenge wird bei Biddle "Wetten, dass" gespielt. Wir bieten also darum, wem es in weniger Versuchen gelingt, die aktuelle Aufgabe zu erfüllen. Wir fragen uns, ob wir zum Mitläufer werden, mutig nach vorn preschen oder einfach aussteigen – in der Hoffnung, dass die Würfler danach versagen.
Das Spiel entwickelt dabei seine eigene Dynamik, insbesondere in Vollbesetzung oder zumindest zu viert. Zu zweit sind die Optionen leider begrenzter, da es schnell dazu kommen kann, dass eine Person passt und sich dann kein richtiges Battlen um die Würfelversuche entwickelt.
Natürlich ist Biddle ein Zockerspiel. Die Aufgaben sind unterschiedlich schwer, wir spielen also mit Wahrscheinlichkeiten. Und wer solche Würfelspiele kennt, wird wissen, dass man sich auf diese Wahrscheinlichkeiten keinesfalls verlassen kann. Die Chance, dass fünf Würfel eine 1 zeigen und ein Würfel eine 6, ist eigentlich eher gering. Und zack – erster Wurf: Direkt eine 6 und viermal die 1. Umgekehrt kann es doch nicht schwer sein, dass kein Würfel eine 4 zeigt. Murphys Gesetz legt uns bei jedem Versuch natürlich direkt eine 4 in die Mitte. So entstehen Emotionen am Tisch. Freude, wenn man als Team erfolgreich gepokert hat, Ärger, wenn man wiederholt patzt, Schadenfreude bei den Personen, die es vorher besser wussten.
Große Taktik ist bei Biddle nur bedingt gefragt, bestenfalls Optimierung, was für ein Würfelspiel dieser Art aber vollkommen okay ist. Etwas schade ist die Tatsache, dass die Punktezahlen mit jeder Runde steigen, der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben sich aber nicht daran anpasst. Es kann also sein, dass in Runde 1 eine vergleichsweise schwere Aufgabe gemeistert wird und nur 2 Punkte bringt, während eine vermeintlich leichte Aufgabe in Runde 10 dann 12 Punkte liefert. Noch spannender wäre es für mich da gewesen, wenn die Aufgaben ein wenig abgestuft gewesen wären.
So oder so ist Biddle für mich aber ein sympathisches Spiel mit dem Glück, das in seiner Dynamik von der Personenzahl abhängt. Mit Personen am Tisch, die solche Zockerspiele mögen, am besten in Vollbesetzung, gefällt mir Biddle am besten. Insgesamt vergebe ich für diesen Spaß, mit möglichen Schwankungen, gute 7 Punkte.
KULTFAKTOR: 7/10
Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 02.12.2025
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Amigo Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten