REZENSION
ATUA
- Genre: Familien-/ Legespiel
- Jahr: 2025
- Verlag: Schmidt Spiele
- Autor: Scott Almes
- Grafik: Olivier Danchin
- Spieler: 1 bis 6
- Alter: ab 8 Jahren
- Dauer: ca. 30 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Taktiklevel: 6/10
Chaotische Harmonie
Die Atua, die Götter Polynesiens, erschufen Inseln, auf denen Mensch und Natur in Einklang leben. Die dafür nötigen Quellen der Harmonie erschaffen wir nun in diesem Legespiel, indem wir Karten geschickt verbinden und die Landschaft auf diese Weise stets verändern.
REGELN
Mischt die Inselkarten und deckt vier zufällige Karten auf. Jeder erhält eine Karte mit einem Start-Dorf, außerdem fünf Kokosnüsse sowie ein Bewohner-Plättchen. Dann wird von den Schicksalsplättchen ein Plättchen mehr aufgedeckt als Personen am Spiel teilnehmen.
Los geht‘s. Bist du am Zug, nimmst du eine Karte aus dem Angebot. Die am weitestens links liegende Karte der Reihe ist kostenlos, übersprungene Karten musst du ansonsten jeweils mit einer Kokosnuss aus deinem Vorrat belegen. Wer eine Karte wählt, auf der sich Kokosnüsse befinden, erhält diese hinzu.
Die Karten zeigen eine Insellandschaft (Festland / Strand / Meer), auch kombiniert, sowie verschiedene Symbole, darunter Vulkane.
Jede neue Karte muss mindestens 1 Symbol einer bereits liegenden Karte der eigenen Auslage überdecken, das dürfen auch gleich mehrere Symbole oder mehrere Karten sein, die verdeckt werden. Dabei müssen sich die Landschaften sinnvoll ergänzen: Strand muss entsprechend fortgeführt werden und Meer darf nie direkt ans Festland grenzen, sondern muss immer mit einem Strand-Übergang angelegt werden.
Die restlichen Karten der Angebotsreihe werden nun noch nach links verschoben und eine neue Karte wird vom Stapel ans rechte Ende der Reihe angefügt.
Zudem kannst du in deinem Zug ein Schicksalsplättchen kaufen und so eine Wette eingehen, ob du von dem, was auf dem Plättchen zu sehen ist, am Spielende die Mehrheit besitzt. In diesem Fall erhältst du am Ende die Bonuspunkte des Plättchens, andernfalls Minuspunkte. Bezahlt werden diese Plättchen mit Kokosnüssen, die dann einfach der Reihe nach auf Karten der Angebotsreihe gelegt werden.
Auch darfst du in diesem Spielzug dein Bewohnerplättchen aufdecken. Das liefert dir dann zusätzliche Symbole sowie eine Sofortwertung, die sich auf die Angebotsreihe bezieht. Du bekommst dann Punkte für bestimmte Symbole in der Reihe, die das Plättchen zeigt.
Nach Runde 4 findet eine Zwischenwertung statt. Jeder wertet dann eine von sechs möglichen Harmonie-Quellen, wobei jeder frei entscheiden kann, welche er werten möchte. Nach Runde 7 gibt es erneut eine Wertung, bei dem jeder zwei verbliebene Quellen wertet, und nach Runde 9 werden dann schließlich die restlichen drei Quellen gewertet.
Folgende Quellen (sichtbare Symbole auf der eigenen Karten-Insel) liefern Punkte:
- Jedes Paar aus Fischer und Fisch bringt 2 Punkte, sollten jedoch mehr Fischer als Fische vorhanden sein, gibt es 0 Punkte.
- Jedes Paar aus Jägerin und Vogel bringt 3 Punkte, sollten jedoch mehr Jägerinnen als Vögel vorhanden sein, gibt es 0 Punkte.
- Jedes Paar aus Kanu und Palme bringt 4 Punkte, sollten jedoch mehr Kanus als Palmen vorhanden sein, gibt es 0 Punkte.
- Jede Kokosnuss bringt 1 Punkt, Kokosnuss-Symbole auf dem eigenen Bewohnerplättchen werden hinzu addiert.
- Die Anzahl einzigartiger Totem-Symbole bringt umso mehr Punkte, je mehr verschiedene Symbole vorhanden sind. Ein doppeltes Totem-Symbol bringt keine Punkte.
- Die Abstände vom Dorf zu evtl. gelegten Vulkanen bringen Punkte, die das beigelegte Lineal anhand der Entfernung bestimmt.
Am Spielende gibt es zudem Punkte / Minuspunkte für evtl. gekaufte Schicksalsplättchen sowie einen 5-Punkte-Bonus für die Person mit der längsten Strandverbindung und die Person mit den meisten Kokosnüssen.
Wer die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt.
Das Spiel enthält auch eine eigene Solo-Variante.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- variables Legespiel
- viele Freiheiten beim Legen
- interessanter Wertungskniff
CONTRA
- mitunter etwas chaotisch
- Paar-Symbole hätten sich noch stärker unterscheiden dürfen
MEINUNG
Seid ihr harmoniebedürftig oder eher auf Krawall gebürstet? Ich mag‘s lieber harmonisch. Da kommt mir das Thema von Atua doch sehr gelegen. Harmonie wollen wir also in diesem Legespiel erzeugen, jedoch spielen wir nicht kooperativ. Also entsteht dann doch ein Wettstreit darum, wer am Tisch wohl die harmonischte Person ist. Nun gut, das Thema wäre austauschbar, aber es bietet einen passenden Background, sodass sich die Gestaltung des Spiels also voll und ganz auf die Inselwelt Polynesiens stützt.
Spielerisch geht es dann darum, diverse Sets zu bilden. Mal Pärchen, mal eine Mehrheit, mal möglichst viele unterschiedliche Symbole. Wer jetzt sagt, dass das nichts Neues sei, dem kann ich erst einmal auch gar nicht widersprechen, aber letztlich dann doch! Das Besondere an Atua ist da schon allein die Art und Weise, wie die Karten gelegt werden. Wer es lieber sauber und akkurat mag, der wird sich an dem verschachtelten Chaos vielleicht etwas stören, aber gerade diese Freiheiten beim Legen, begrenzt auf die Vorgabe, mindestens ein Symbol zu verdecken, machen das Spiel aus und lassen dann immer wieder neu zusammengesetzte Inseln entstehen, die allerdings auch etwas Platz benötigen. So ist es dann auch gut möglich, einmal gewertete Bereiche später wieder zu verdecken, da andere Symbole wichtiger geworden sind. Da lässt sich gut taktieren bzw. optimieren.
Der Bezahlmechanismus für die Karten ist wiederum bekannt, ebenso die Möglichkeit, auf Mehrheiten zu wetten, besonders dagegen ist die Wertung. Die findet dreimal im Spiel statt, wobei die erste Wertung nur aus einer Einzelwertung besteht, dann folgt eine doppelte und dann noch eine dreifache, aber was genau wann für jeden gewertet wird, das steht nicht fest. So geht es darum, die eigene Auslage so zu gestalten und anzupassen, dass möglichst viele Punkte pro Wertungsart möglich sind, und da ist dann auch Timing gefragt. Werte ich lieber schnell vier gerade sichtbare Totem-Symbole oder hoffe ich darauf, noch mehr sammeln zu können, verbunden mit der Gefahr, bis dahin vielleicht sogar schon wieder Symbole überdeckt oder doppelte angesammelt zu haben? Die Paar-Wertungen sind auch tricky, denn wer vom jeweiligen Referenz-Symbol zu viel besitzt, geht gar leer aus! Dieses Timing ist genauso beim Aufdecken des eigenen Bewohnerplättchens gefragt.
So ensteht für mich ein interessanter Spielablauf, der für jeden einzelnen variabel ist. Gute 7 Punkte würde ich Atua hier geben, zumindest im Spiel zu zweit, zu dritt oder auch nur zu viert. Mit fünf oder sechs Personen wird das Spiel für mich nicht spannender, dafür erhöhen sich die Wartezeiten, denn das Legen der Karten geht nicht immer so flott von der Hand, wie man es vielleicht anfangs denkt. Da muss man immer etwas abschätzen, gucken, was möglich ist, wie genau die Karten aneinanderpassen; nicht jedem fällt das leicht.
Warum vielleicht doch ein Punktabzug? Zum einen, weil die Besonderheit, die Karten wild verschachtelt legen zu dürfen / müssen, häufiger zu Situationen führt, in denen nicht ganz klar ist, ob die neu gelegte Karte wirklich hundertprozentig korrekt platziert wurde oder ob nicht doch noch an irgendeiner Mini-Stelle eine Symbolecke hervorlugt. So etwas passiert auch durch kleine Unachtsamkeiten schon mal aus Versehen. Ob die Bewohner alle gleich stark sind, haben wir uns dann auch mal gefragt, vor allem aber waren es die Symbole, die anfangs noch etwas für Verwirrung sorgten. Die Paar-Symbole sind zwar farbcodiert, dennoch fällt eine Verwechslung leicht, von welchem der zwei Symbole man gerade nicht mehr haben darf als vom anderen, um keine Minuspunkte zu bekommen. Hier hätten wir uns noch eine deutlichere Unterscheidung gewünscht.
Wer diese kleinen Hürden überwunden hat und zudem gut mit etwas Chaos beim Legen umgehen kann, dem kann ich Atua aber auf jeden Fall als taktisches Legespiel im Familienspiel-Bereich empfehlen, da es an gleich zwei Stellen mit Gewohnheiten bricht. Somit dann für mich insgesamt gut!
VIDEO
Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube: https://youtu.be/MY90yw4MSK8
KULTFAKTOR: 7/10
Spielidee: 8/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 7/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 30.03.2025
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Schmidt Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten