REZENSION

ARTENGARTEN

  • Genre: Taktik
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Feuerland Spiele
  • Autor: Mathias Wigge
  • Grafik: Dennis Lohausen, Christof Tisch, Felix Wermke
  • Personen: 1 bis 5
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 20 Minuten pro Person
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 6/10

Diversität und Fokus

In Artengarten errichten wir einen modernen Zoo, indem wir dort Tiere unterbringen, Projekte starten und Gebäude bauen. Das wäre auch gemütlich, wenn es nicht die rotierenden Aktionskarten gäbe ...

Wichtiger Hinweis 

Für diesen Test in einer internationalen Spielgruppe stand uns ein englischsprachiges Exemplar des Spiels (Sanctuary) zur Verfügung; ihr seht auf den Fotos daher englische Texte. Natürlich sind diese Texte in der deutschen Version (Artengarten) komplett in deutscher Sprache zu finden.


REGELN

Artengarten spielt in der gleichen Welt der modernen Zoos wie Arche Nova und zeigt auch dieselben tollen Tierfotos – das Spiel stammt ja auch vom selben Autor, Mathias Wigge, und erscheint  wieder bei Feuerland. Allerdings handelt es sich hierbei um ein deutlich einfacheres Plättchenlegespiel, welches die Aktionswahl mit den rotierenden Karten aus Arche Nova übernommen hat.

Bevor ihr mit den ganzen putzigen Tieren kuscheln könnt, solltet ihr alle hexagonalen Plättchen mischen und einen Stapel bilden, obwohl aus statischen Gründen eher mehrere Stapel klug sind. Deckt sechs Plättchen auf und legt sie auf das Auslagetableau. Bestimmt zudem fünf zufällige Schutzprojekte und legt diese auf das entsprechende Tableau.

Jeder von euch nimmt sich ein Zootableau. Ihr einigt euch auf eine Seite und legt diese nach oben.

Beginnst du das Spiel, legst du die Aktionskarte "Projekt" auf den ersten Platz unter dein Zootableau. Reihum legen alle anderen ihre Projekt-Karte einen Platz höher. Deine restlichen drei Aktionen, Wald, Wasser und Felsen, legst du zufällig auf die anderen drei Plätze. Du nimmst dir die Aufwertungsplättchen und Artenschutzplättchen deiner Farbe. Dazu nimmst du dir noch ein praktisches Bänkchen für die Plättchen, die du im Spiel sammelst. Jetzt kann es schon losgehen.

In deinem Zug musst du ein Plättchen aus der Auslage nehmen. Von welchen Feldern du eins nehmen darfst, hängt von deiner Projektkarte ab. Je weiter rechts diese liegt, desto mehr Auswahl hast du. Das Plättchen kommt auf dein Bänkchen.

Dann musst du eine Aktion ausführen. Bei jeder Aktion kannst du wählen, ob du Plättchen nehmen oder legen möchtest. Nehmen mit den Aktionen "Wald", "Wasser" und "Felsen" bedeutet, zwei Plättchen vom Stapel zu ziehen und auf dein Bänkchen zu legen. Wählst du die Aktion "Projekt", darfst du irgendeins der fünf übrigen Plättchen aus der Auslage wählen.

Wählst du "Wald", "Wasser" oder "Felsen", um Plättchen zu spielen, darfst du ein Tier des passenden Lebensraums spielen, wenn die Aktion mindestens die Stärke hat, die der Größe des gewählten Tiers entspricht. Je weiter rechts eine Aktion ist, desto stärker ist sie.

Mit der Projektaktion legst du ein Projektplättchen. Auch hier muss die Stärke der Aktion mindestens die des Plättchens haben.

Plättchen legst du neben einen deiner drei Zooeingänge oder bereits liegende Plättchen. Einige Plättchen verlangen an bestimmten Kanten Freiflächen. Befindet sich dort keine Freifläche, musst du ein Plättchen von deinem Bänkchen verdeckt als Freifläche dorthin legen. Kanten, die Freiflächen fordern, dürfen nicht an den Rand des Zoos gelegt werden.

Überdeckst du ein Bonussymbol auf deinen Zooplan, bekommt du den entsprechenden Bonus. Dabei handelt es sich entweder um einen Effekt, der es die erlaubt, mehr Karten zu bekommen oder die Reihenfolge deiner Aktionskarten zu verändern.

Tiere geben in der Regeln Punkte, entweder feste Punkte oder Punkte pro bestimmtem Symbol. Manchmal müssen diese Symbole nur im Zoo, manchmal müssen sie verbunden mit dem entsprechenden Tier sein. Projekte geben feste oder variable Punkte oder auch permanente Vorteile, wie das einfachere Ausspielen von Wassertieren.

Tiere und Projekte bringen alle Symbole mit sich. Meist sind es Symbole für den Lebensraum, für den Kontinent und für die Tierart (Reptil, Pflanzenfresser, Jäger, Vogel, Affe oder domestiziertes Tier).

Nach diesen beiden verpflichtenden Schritten, darfst du nun ein Gebäude spielen. Gebäude zeigen bestimmte Bedingungen, die erfüllt sein müssen, um diese zu bauen. So verlangen Gebäude z.B. neben dem Fluss, neben Affen oder neben zwei Europa-Symbolen gelegt zu werden. Auch Gebäude geben Punkte oder Vorteile und bringen Symbole mit sich.

Dann darfst du ein Artenschutzprogramm unterstützen. Dafür brauchst du einen deiner Artenschutzerfolgsmarker. Du hast je einen mit einer 2, 3, 4 und 5. Die Marker bringen  verschiedene Punkte. Du kannst einen dieser Marker unter ein Projekt legen, von dem du mindestens so viele Symbole hast, wie der Marker verlangt. Hast du 4 Asiensymbole, so könntest du entweder deinen 2er-, 3er- oder 4er-Marker unter das Asien-Artentschutzprogramm legen. Du kannst jedes Artenschutzprogramm nur einmal unterstützen und jeden Marker natürlich nur einmal verwenden.

Jetzt darfst du noch Aktionen aufwerten. Deine Aufwertungsmarker zeigen Bedingungen, z.B. zwei Projekte oder vier verschiedene Tierarten im Zoo besitzen. Du darfst alle Aufwertungsmarker umdrehen, deren Bedingung du erfüllst. Zusätzlich drehst du eines deiner Aktionsplättchen um. Zum einen ist diese Aktion jetzt immer auf demselben Platz einen Punkt stärker, und zum anderen erlaubt das Projekt dir jetzt, zwei Plättchen aus der Auslage zu nehmen, und die drei Tieraktionen lassen dich ein oder zwei Tiere spielen.

Nun kommt noch etwas Verwaltung. Du darfst nicht mehr als sechs Plättchen haben. Du musst die Auslage in Richtung kleinerer Zahlen verschieben und dann auffüllen. Und du überprüfst, ob das Spielende eintritt. Ist das Spiel noch nicht zu Ende, ist die nächste Person am Zug. Hast du allerdings alle vier Artenschutz-Erfolgsmarker platziert oder alle freien Plätze in deinem Zoo belegt, so bekommst du das 10-Punkte-Spielende-Plättchen. Alle anderen bekommen noch einen Zug, und sollten jemand auch die Spielende- Bedingung erfüllen, dann gibt es dafür immerhin noch ein 5-Punkte-Plättchen.

Dann geht es ans Werten. Zählt die Punkte für jedes Tier, für Freiflächen, Gebäude und Projekte in euren Zoos. Addiert die Punkte auf euren platzierten Artenschutz-Erfolgsmakern und Spielende-Plättchen.

Hast du jetzt die meisten Punkte, hast du den besten Zoo überhaupt gebaut. 

Das Spiel bietet auch eine Solo-Variante.

GALERIE

Fotos der englischsprachigen Version des Spiels

CHECKPOINT

PRO

  • nicht so lang und schwierig wie Arche Nova
  • verzeihender als der große Bruder
  • schöner Tierbilder


CONTRA

  • aufwendige Punktezählung
  • suboptimaler Block für Punktewertung

MEINUNG

Wir gehen in den Zoo, denn wir bauen diesen Zoo auf. Mit seinen einladenden großen Tierbildern macht mir Artengarten auch direkt Lust auf einen Zoobesuch, aber der muss erstmal warten, zumindest so lange, bis ich meinem Artengarten zu vielen Punkten verholfen habe.

Zum Glück dauert dieses Unterfangen nicht so lange wie beim großen Bruder Arche Nova, der sehr sichtbar durchs Thema, den Autor und die Gestaltung mit Artengarten verwandt ist. Im Gegensatz zu der langen Spielzeit von Arche Nova (90 bis 150 Minuten) braucht Artengarten nur ca. 20 Minuten pro Person, also 40 bis 100 Minuten. An diesen Zahlen sehen wir, dass das Spiel kürzer ist und auch einfacher zu handhaben, weil es weniger Regeln gibt, aber ein Familienspiel ist es immer noch nicht.

Für mich ist Artengarten schon ein sehr eigenes und selbständiges Spiel, es ist sicherlich kein abgespecktes Arche Nova, wie zum Beispiel Terra Nova ein reduziertes Terra Mystica ist. Artengarten fokussiert sich auf das geschickte Auslegen von Hexplättchen, welche mit verschiedenen Symbolen kommen, die geschickt für Punkte im Artengarten koordiniert werden wollen. Dabei soll dies mit einer zufälligen Auslage und den Artenschutzprojekten kombiniert werden. Die Artenschutzprojekte zwingen mich dazu, verschiedene Symbole gruppenweise zu sammeln, da diese so nebenbei noch einmal Punkte bringen. Aber die richtigen Plättchen in meinem Zoo können mich eher für Monokulturen belohnen, z.B. kann ein Europa-Symbol auf einmal 5 Punkte wert sein – in diesem Fall möchte ich eigentlich nur Europa-Symbole bauen. Ich muss also geschickt schauen, wann mir ein Fokus und wann Diversität Punkte bringt.

Und dann ist Artengarten noch so eine Art Rennen. Wer zuerst das Spielende auslöst, bekommt 10 Punkte. Das ist ein netter Bonus, und so sollten wir schauen, dass wir unsere Aktionen effizient nutzen.

Wer Arche Nova kennt, dem wird auch das Aktionssystem bekannt vorkommen. Wir rotieren vier Karten über vier Plätze, genutzte Aktionen wandern nach links und ungenutzte nach rechts, um stärker zu werden. Bei Artengarten sind die Aktionen schnell gelernt, da es eigentlich nur zwei verschiedene gibt, aber eine eben in drei Geschmacksrichtungen. Die Koordination der verschiedenen Aktionen und das Timing, damit ich möglichst oft Plättchen auslegen kann, muss auf die Effekte der Plättchen abgestimmt werden. Das ist anspruchsvoll und hebt Artengarten auf ein Kennerspiel-Niveau.

Die Interaktion ist allerdings eher gering – die Mitspielenden grabschen mir nur die Plättchen weg. Allerdings lohnt es sich, schon mit drei oder vier anderen am Tisch zu spielen, eben weil dann mehr Plättchen durch die Auslage wandern. Auch wenn dies die Planbarkeit verringert, erhöht es doch die Chance, bestimmte Plättchen zu bekommen, wie z.B. ein Projekt, das noch mehr Punkte für Europa-Symbole bringt.

Bei fünf Personen wird nicht nur ständig die Auslage komplett umgekrempelt, sondern es besteht auch die Möglichkeit, das vor dem Spielende die Karten ausgehen. Dann gibt es ein unbefriedigendes Spielende, bei dem es keine Extrapunkte gibt. Außerdem müsste ich mit fünf Personen definitiv meinen Tisch ausziehen, denn das Material ist ordentlich was zum Greifen. Es ist sehr gut verarbeitet, es ist groß, und die Fotos der Tiere sind schön. Die Symbole haben für mich funktioniert, ohne viel nachzuschauen, und das, obwohl ich Arche Nova bisher nur zweimal zuvor auf dem Tisch hatte. Mich hat Arche Nova ehrlicherweise nicht so begeistert wie einen Großteil der Brettspielgemeinschaft. Aber für eben jene Gemeinschaft denke ich, wird Artengarten nicht so ein prägendes Spiel werden wie Arche Nova.

Obwohl Artengarten in vielen Aspekten flotter als Arche Nova ist, so muss sich der Neuling doch in einem Aspekt geschlagen geben: die Endabrechnung. Die Punkteabrechnung bei Artengarten ist recht aufwendig, weil viele Plättchen variable Punktwerte haben. Wenn man also die Anzahl seiner Europa-Symbole nachzählt, hat man vielleicht schon wieder die Summe seiner bisherigen Punkte vergessen. Der beiliegende Abrechnungsblock ist da nur mäßig hilfreich, weil man sein Tableau nicht unbedingt nach Kategorien berechnet. Besser wäre die Möglichkeit gewesen, Zwischensummen für jedes Plättchen zu notieren.

Fazit: Trotz der kleinen Kritikpunkte ist Artengarten ein schönes Spiel mit einer interessanten Optimierungsaufgabe, bei der das Ausbauen des Zoos deutlich fluffiger abläuft als bei seinem großen Bruder. Der Aktionsmechanismus aus Arche Nova leistet hier gute Dienste. Insgesamt vergebe ich dafür gute 7 Kultpunkte.

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

LUTZ

Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast

Eine Rezension vom 07.12.2025

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Feuerland Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten