REZENSION

AQUARIA

  • Genre: Strategie
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Skellig Games / Delicious Games
  • Autor: Tomáš Holek
  • Grafik: Anežka Bělohoubková, Roman Kucharski, Milan Vavroň
  • Personen: 1 bis 4
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 45 bis 120 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: hoch
  • Initiativlevel: 7/10

Trockene Fische

Wir bauen uns ein Aquarium. Da macht es zwar nicht „Puff“, aber wir füllen es mit Clownfischen, Anemonen, Fischschwärmen und natürlich Pflanzen. 

REGELN

In diesem Strategiespiel von SETI-Autor Tomáš Holek müsst ihr in nur 16 Aktionen euer Aquarium gut füllen, und dabei sollte euch nicht die Luft ausgehen.

Ihr habt jeweils ein leeres Aquarium mit Filteranlage und 8 Mikroflora-Anzeigern, nämlich einen pro Spalte und Reihe eures 4x4-Aquariums. Mischt die Aquariumskarten und legt sechs offen aus. Pro Person legt ihr auch zwei Feuerfische aus. Ihr bekommt je zwei Startplättchen, von denen ihr euch jeweils eins aussucht, das andere kommt weg. Dann bekommt ihr jeweils fünf Karten und behaltet davon jeweils drei. Jetzt deckt jeder sein Startplättchen auf und nimmt sich die angegeben Sachen. Es gibt weitere Karten, Perlen, Futterdosen in drei verschiedenen Farben oder auch Sauerstoff.

Ihr beginnt auf Position 4 der Sauerstoffleiste und bewegt eure Scheibe auf der Leiste vor oder zurück, wenn ihr Sauerstoff bekommt oder bezahlt.

Puzzelt das Aktionsbrett zusammen und setzt alle Zeiger auf das Startfeld ihrer Leiste. Legt das Wissenstableau aus, welches mit Wissensplättchen bestückt wird. Dann kann es schon losgehen. Jede der vier Runden besteht aus sieben Phasen. Die erste Phase ist die wichtigste, denn da führt ihr reihum Aktionen aus. Ihr macht jeweils vier Aktionen pro Runde.

Wenn du an die Reihe kommst, setzt du deinen Würfel auf ein Aktionsfeld. Handelt es sich dabei um ein benachbartes Aktionsfeld zu deinem vorherigen Feld, gibt es einen Bonus. Dann bewegst du den Zeiger ein Feld weiter, wodurch der Bonus schlechter wird. Danach führst du die Aktion deines Feldes aus. Alle Felder erlauben eine Aktion gratis, aber du kannst durch das Zahlen von Perlen stärkere Aktionen durchführen. So kannst du gratis deinen Sauerstoff um 2 erhöhen, für eine Perle aber schon um 4, oder für 3 Perlen um 7, und es gibt 1 Punkt. Du kannst Karten aus der Auslage und Futterdosen sammeln. Mit einer anderen Aktion werden besagte Karten in dein Aquarium gespielt. Die meisten Karten kosten dich Sauerstoff, aber Wasserpflanzen sind gratis. Sie bringen keine Punkte, aber dafür oft Einkommen in einer späteren Phase. Anemonen und Clownfische sind meist teuer und wollen gefüttert werden, aber haben gute Symbiosen. Schwarmfische wollen in deinem Aquarium als Nachbarn liegen.

Wenn du eine Karte spielst, dann bezahlst du den Sauerstoff und nimmst dir die Belohnungen der Karte. Oft bringen die Karten Filter, Filterschwämmchen, Futter oder Drehungen deiner Mikroflora-Anzeiger.

Da du gerade mit Begeisterung beginnst, dich der Aquaristik zu widmen, liest du darüber ganz viel und lernst auch was. Durch die Wissensaktion gehst du im Wissensbaum voran und sammelst dort liegende Wissensplättchen ein, die du während des Spiels für Boni eintauschen kannst oder am Ende des Spiels für Punkte.

Die Aktion des Zooladens verlangt keine Perlen, sondern das Abwerfen gleichfarbiger Karten.  Wirfst du die verlangten Karten ab, steigst du im Zooladen auf, was verschieden Boni bringt.

In die Mitte der Aktionen befindet sich ein Aktionsfeld, das nicht nur benachbart zu allen anderen Aktionen ist, sondern auch als Aktion entweder die Aktion der anderen Felder bietet (in ihrer schwächsten Version) oder Perlen.

Durch verschiedene Aktionen oder Boni kannst du Filterschwämme in dein Filtersystem einsetzen. Hast du 5 Schwämmchen gesammelt, aktivierst du die Boni aller deiner Filter, dann gibt es Punkte entsprechend deines Sauerstoffniveaus und alle Filterschwämmchen werden entfernt. So kannst du deine Filter mehrfach im Spiel aktivieren.

Machst du genug Fortschritte beim Filtersammeln, auf dem Wissenstableau oder im Zooladen, darfst du einen Feuerfisch in deinem Aquarium platzieren. Diese seltenen Fische geben entweder einfach 6 Punkte oder haben eine variable Bedingung, z.B. 3 Punkte pro Anemone in deinem Aquarium.

Reihum macht ihr Aktionen, bis ihr je 4 Aktionen gemacht habt. Dann ist diese Phase vorbei.

Jetzt bekommt jeder alle Boni jener Mikroflora-Anzeiger, die auf die Farbe der Runde zeigen. Wer mehr Mikrofloraboni bekam, ist weiter hinten in der neuen Reihenfolge. Dann gibt es Einkommen von den eigenen Karten im Aquarium, sofern sie welches zeigen. Jeder muss zudem seine Fische füttern. Für jede Karte im eigenen Aquarium, die Futterkosten hat, müssen die passenden Futterdosen abgegeben werden. Für einen gefütterten Fisch gibt es Punkte, kann ein Fisch nicht gefüttert werden, gibt es Minuspunkte.

Dann bereitet ihr die nächste Runde vor – durchs Austauschen der Kartenauslage und durch Zurückdrehen der Bonusleisten.

Nach 4 Runden gibt es eine Endwertung, bei der es für folgende Dinge Punkte gibt:
Perlen und Filterschwämme, Stand auf der Sauerstoffleiste, Erreichen des Endes des Wissensbaums, Futterdosen, vollständig gefüllte Reihen und Spalten, ungenutzte Wissensplättchen, Feuerfisch-Karten, Clownfische neben Anemonen, Gruppen von Schwarmfischen und Wasserpflanzen mit Nachbarn verschiedener Farbe.

Hast du jetzt die meisten Punkte, wird es Zeit für ein eigenes Aquarium!

Das Spiel bietet auch eine Solo-Variante.

 GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • komplexe Aufgabe mit klaren Regeln
  • interessanter Spielablauf
  • schöne Optik


CONTRA

  • Aquaristik-Atmosphäre will nicht so richtig aufkommen

MEINUNG

Aquaria hat auf den ersten Blick wenig Aufregendes. Wir sehen auf der Schachtel farbenfrohe Fische zwischen Wasserpflanzen und Dekorationen. Das klingt genau wie das Thema recht idyllisch, denn wir befüllen ein Aquarium. Hier fand ich die Wahl von Skellig Games, bei der deutschen Lokalisierung das (in meinen Augen schreckliche) Original-Cover von Delicious Games auszutauschen, sehr richtig.

Was aber mein Interesse geweckt hat, ist der Name des Autors, Tomáš Holek. Tomáš Holek hat zuletzt einige spannende Spiele herausgebraucht. Neben Tea Garden und Galileo Galilei hat er das mit dem deutschen Spielepreis ausgezeichnete SETI zu verantworten.  Da wollte ich mir sein neues Spiel nicht entgehen lassen.


Aquaria benötigt schon etwas Zeit für die Regelerklärung, aber es spielt sich überraschend gradlinig. Vier Mal wähle ich je eine Aktion aus, deren Funktion recht deutlich ist. Einen Bonus gibt es für die Wahl einer benachbarten Aktion. Auch die Boni auf den verschiedenen Karten sind leicht zu verstehen, wenn die Symbole bekannt sind – aber die sind auch schnell gelernt. Hier erinnert Aquaria an z.B. Russian Railroads, wo die Struktur und Symbole ähnlich gradlinig gestaltet waren.

Die Einstiegshürde ist bei Aquaria für ein Spiel dieser Komplexität überraschend niedrig. So können sich alle am Tisch schnell darauf konzentrieren, wie sie ihr Aquarium schnell gefüllt bekommen, obwohl schon wieder 1 Sauerstoff fehlt. Aber wie viele sind alle? Mit zwei Personen haben wir bei unserer ersten Partie nur 75 Minuten gebraucht und so die angesagten 80 bis 120 Minuten unterboten. Mit vier Leuten sind aber die 120 Minuten schnell erreicht. Da wir uns gegenseitig nicht besonders stark beeinflussen, würde ich Aquaria lieber flott zu zweit als lebhaft mit vier Leuten spielen.

Der Einfluss aufeinander besteht hauptsächlich darin, zu entscheiden, wie dringend ich einen bestimmten Feuerfisch oder den Bonus einer bestimmten Aktion brauche. Auf dem Wissensbaum können sich selbst vier Aquaristik-Fans gut aus dem Weg gehen. Somit ist Aquaria für mich eher von wenig Interkation geprägt. Da hat der größere Bruder SETI schon etwas mehr glänzen können. Hier waren verschiedene Effekte durch ein Wettrennen limitiert, oder die Drehung des Sonnensystems konnte meine Pläne ordentlich stören.

Auch was das Thema angeht, hat mich, bleiben wir beim Autoren-Vergleich, SETI deutlich mehr überzeugt. Auf den verschiedenen Aquariumskarten finden sich zwar viele großartige Fischbilder, und echte Aquariumsbesitzer können bestimmt Bekanntes entdecken, aber wir haben die Karten meist nur auf deren Effekte und Kosten abgesucht. Wir fühlten uns nie so, als gingen wir zum Zooladen für den neusten Aquaristik-Trend oder als bestücken wir wirklich ein Aquarium. Wir haben einfach Reihen und Spalten gefüllt.

Dabei ist das gestellte Optimierungspuzzle trotzdem sehr interessant. Ich kann versuchen, schnell viele Filter zu sammeln und diese dann mehrfach aktivieren. Ich kann ein Schachbrettmuster aus Anemonen und Clownfischen bauen. Aber auch das Gruppieren von Schwarmfischen gibt ordentlich Punkte. Es gibt verschieden Wege, Aquaria zu spielen, allerdings werde ich immer Fische in mein Aquarium bringen müssen. Ich kann also nicht ganz am Thema vorbeispielen.

Fazit: Dieser Fisch ist sehr stromlinienförmig – aber auch ein wenig trocken. Ich kann meine Energie in die Optimierung meines Aquariums stecken statt ins Lernen der Regeln. Spielerisch gefällt mir Aquaria gut, wenn das Spiel thematisch bei mir auch keine Leidenschaft für Aquaristik entfacht hat. 

KULTFAKTOR: 8/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

LUTZ

Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast

Eine Rezension vom 21.04.2026

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Skellig Games / Delicious Games
Weitere Fotos: Spielkultisten