REZENSION

ALPINO

  • Genre: Familienspiel
  • Jahr: 2024
  • Verlag: Piatnik
  • Autor: Mads Fløe
  • Grafik: Christine Alcouffe
  • Personen: 1 bis 4
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: ca. 20 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 6/10

Alpen-Domino

Die Alpen sind der Lebensraum zahlreicher Tierarten. Im Legespiel Alpino bringen wir diese Tiere zusammen, indem wir möglichst große Gruppen bilden. Dabei gilt es allerdings auch auf die Landschaften zu achten, denn die müssen sich sinnvoll fortsetzen.

REGELN

Legt die sechs Punkteplättchen in die Mitte. Mischt die zehn Geheimplättchen und zieht jeweils ein Plättchen auf die Hand. Dieses zeigt zwei Tierarten auf Joker-Landschaften. Haltet dieses Plättchen zunächst vor den Blicken der Mitspielenden geschützt.

Mischt die 40 Alpinplättchen mit der Rückseite (Wasserstellen) nach oben. Die Plättchen sind, genau wie die Geheimplättchen, Domino-artig aufgebaut und bestehen aus je zwei Landschaftsfeldern mit einem Tier oder aus einer Wasserstelle mit Joker-Landschaft. Je nach Personenanzahl werden nun noch (im Spiel zu dritt) vier oder (im Spiel zu zweit) acht Plättchen entfernt und in die Schachtel zurückgelegt. Im Spiel zu viert bleiben alle Plättchen im Spiel.

Wählt die Startperson aus. Diese deckt nun (im Spiel zu zweit oder dritt) vier bzw. (im Spiel zu viert) fünf Plättchen auf und legt sie als Angebot in die Mitte. Reihum, beginnend bei der Startperson, wählt jeder ein Plättchen aus und legt es in die eigene Auslage. Ein letztes Plättchen, das niemand genommen hat, legt die Startperson im Anschluss an ein passendes Punkteplättchen an; so erhöht sich der Wert dieses Plättchen-Typs. Sind auf dem Plättchen beispielsweise ein Murmeltier und ein Steinbock zu sehen, kann die Startperson den Wert der Steinböcke oder der Murmeltiere um 1 erhöhen.

Danach wechselt die Startperson um eine Position weiter. Wieder werden neue Plättchen aufgedeckt, reihum ausgewählt, der eigenen Auslage hinzugefügt und der Wert eines Plättchen-Typs gesteigert. Das geht nun solange weiter, bis keine neuen Plättchen mehr aufgedeckt werden können.

Beim Anlegen neuer Plättchen in die eigene Auslage gibt es Regeln:

  • Das erste Plättchen ist ein beliebiges Plättchen.
  • Jedes weitere Plättchen muss orthogonal an ein bereits ausliegendes (oder mehrere ausliegende) Plättchen angelegt werden, mindestens ein Feld muss dabei angrenzend an einem Feld derselben Landschaft (Hintergrundfarbe) platziert werden. Wasserstellen sind Joker und zählen als beliebige Landschaft. 
  • Wer das gewählte Plättchen nicht anlegen kann oder möchte, dreht es auf die Rückseite. Hier sind dann zwei Joker-Felder mit Wasserstellen zu sehen. So kann das Plättchen dann an eine beliebige Stelle angefügt werden. 


Wurden alle Plättchen ausgewählt und gelegt, offenbart nun jeder sein anfangs gezogenes Geheimplättchen und legt es an seine Auslage an, wieder nach den üblichen Regeln.

Bei der Schlusswertung wird nun für jede Tierart und die Wasserstellen kontrolliert, wer das größte zusammenhängende Gebiet dieses Plättchentyps besitzt. Dabei werden die Landschaften nun nicht mehr beachtet! Wer also das größte Gebiet besitzt, erhält dann für jedes der zusammenhängenden Felder dieses Typs so viele Punkte, wie es Punkteplättchen dafür gibt, also mindestens 1 Punkt plus weitere Punkte für am Rundenende hinzugelegte Plättchen dieses Typs, die den Wert entsprechend steigern. Bei einem Gleichstand erhalten alle daran beteiligten Personen die Punkte.

Wer nach den sechs Einzelwertungen die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt. Gleichstände werden hier über eine Rangfolge der Plättchen-Typen aufgelöst und folgen der Reihenfolge Steinbock > Luchs > Bussard > Murmeltier > Alpenbock > Wasserstelle.

Das Spiel kann auch solo gespielt werden. Da werden dann kleine Stapel aus Plättchen gebildet, die den Runden zugeordnet sind. In jeder Runde werden ein oder zwei Plättchen für die eigene Auslage ausgewählt, ein Plättchen wird entfernt und eins zu einem Punkteplättchen hinzugelegt. Die Geheimplättchen dienen nun als Aufträge. So müssen Paare aus darauf sichtbaren Tieren gebildet werden, um sie zu erfüllen. Am Ende wird nicht mehr auf Mehrheiten geschaut, sondern jede Tierart wird einzeln gewertet und bringt auch jeweils die erspielten Punkte. Das Spiel ist gewonnen, wenn mindestens 50 Punkte erzielt und alle Geheimaufträge erfüllt wurden.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • lockeres Legespiel
  • schnell erklärt und gespielt
  • interessante Solo-Variante


CONTRA

  • sehr einschränkende Wertung 
  • teilweise wenig Einfluss
  • keine Hingucker-Optik

MEINUNG

Wie toll es aussehen kann, wenn wir den Tieren, ja sogar Tieren der Alpen, zu Lebensräumen verhelfen, hat Mischwald vorgemacht. Alpinos Optik ist dagegen eher kindlich geraten, die Tiere sind recht simpel illustriert und die Hintergrund-Landschaften nur stilisiert; man könnte sie auch einfach als Farbflächen bezeichnen. Nein, ein echter Hingucker ist Alpino da nicht, das wirkt eher zweckmäßig, die Plättchen sind aber qualitativ gut, weil stabil.

Spielerisch haben wir es dann mit einem sehr simplen Legespiel zu tun. Eine einfache Plättchenauswahl bringt uns Domino-artige Plättchen (wie wir sie zum Beispiel auch aus Kingdomino) kennen, hier mit dem Kniff verbunden, dass Landschaften passend aneinandergefügt werden müssen, es dafür aber keine Punkte gibt, sondern nur für zusammenhängende Tiere identischer Art bzw. für Wasserstellen. Das ist eine ganz schöne Idee, was auch für das Geheimplättchen gilt, das am Ende nochmal als große Unbekannte für die Mitspielenden für Überraschungen sorgen kann. 

Während das Legen und Puzzeln solitär geprägt ist und allen Freunden von Spielen dieser Art sicher Spaß macht, ist die Wertung am Ende dann jedoch konfrontativ gestaltet, denn nur, wer das größte Gebiet eines Wertungstyps vorweisen kann, bekommt überhaupt Punkte dafür. Das ist sehr einschränkend, da sich gleichmäßiges Ansammeln verschiedener Tiere meistens nicht lohnt. Wenn ich von allem ein bisschen besitze, kann ich, insbesondere im Spiel zu viert, auch völlig leer ausgehen, weil mich dann immer irgendeine Person bei jeder Wertung übertrifft. Zu zweit verläuft das etwas gnädiger, überhaupt habe ich zu zweit auch mehr Entscheidungsoptionen, denn dann bin ich viermal aktive Person, die am Rundenende ein Plättchen den Punkteplättchen zuordnen darf. Im Spiel zu viert darf ich das nur zweimal, sodass der eigene Einfluss darauf, wie viele Punkte am Ende welcher Plättchen-Typ liefert, nicht der größte ist. 

Warum man sich für so eine eindimensionale Wertung entschieden hat, kann ich leider nicht so wirklich nachvollziehen. Gerade weil das Spiel ja doch als Familienspiel angelegt ist, kann es da eher frustrieren, wenn einem die zusammengepuzzelten Tiere am Ende nur so wenige oder sogar gar keine Punkte bescheren. Diese Wertung lässt das Spiel für mich, im Kontrast zur eigentlichen Legeaufgabe, auf nur 5 Kultpunkte abrutschen, was schade ist.

Die Regeln fürs Solospiel muss man sich von der Webseite des Verlages herunterladen, sie sind nicht Teil der gedruckten Anleitung, die in der Schachtel liegt. Erstaunlicherweise ist es dann das Solospiel, das mir hier mehr Spaß macht. Zusätzlich zu den Geheimaufträgen gibt es da die Wertung, die ich mir auch im Multiplayer-Modus gewünscht hätte: Da bringen dann alle Gebiete einzeln die Punkte, die die Punkteplättchen und daran angefügte Plättchen als Wert vorgeben. Das Spiel ist auch dann zwar nicht die große Innovation, aber es ist kurzweilig und für Genre-Fans sicher interessant genug, um es als schnelle Alternative gern auf den Tisch zu bringen.

Meine Hausregel: Spielt das Spiel mit mehreren Personen grundlegend wie in der Anleitung beschrieben, nutzt als Schlusswertung aber einfach die des Solospiels, indem jeder jeweils das größte eigene Gebiet jedes Plättchen-Typs entsprechend des Punktewertes wertet und alle Punkte addiert. Dann wird die eigene Auslage vielfältig belohnt, es gibt mehr Punkte, es wird spannender. Und wer das Wettrennen um die größte Gebiete dennoch nicht vernachlässigen möchte, kann ja einfach je 5 Bonuspunkte für eben das größte Gebiet eines Typs zusätzlich vergeben. Auch wenn ihr die Punkte dann vielleicht notieren müsst, ist diese Wertung für mich deutlich zufriedenstellender als die vom Autor bzw. der Verlagsredaktion in der Anleitung beschriebene Wertung.

Für das Solospiel und die leicht zu bewerkstelligenden Hausregeln vergebe ich abweichende 7 Kultpunkte im Genre der einfachen Legespiele für die Familien-Zielgruppe.

KULTFAKTOR: 5/10*

Spielidee: 6/10
Ausstattung: 6/10
Spielablauf: 7/10

* Abweichender Kultfaktor für das Solospiel: 7/10
* Abweichender Kultfaktor mit Hausregeln: 7/10 


EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 12.03.2025

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Piatnik
Weitere Fotos: Spielkultisten