REZENSION

AFTER US

  • Genre: Taktikspiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: Pegasus Spiele
  • Autor: Florian Sirieix
  • Grafik: Vincent Dutrait
  • Spieler: 1 bis 6
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 40 bis 60 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 6/10

Postapokalyptische Primaten

Wir schreiben das Jahr 2083. Die Menschheit ist schneller ausgestorben als gedacht. Die Menschenaffen hingegen haben überlebt, organisieren Nahrung und lernen voneinander. Und vielleicht lässt sich mit der einen oder anderen Batterie ja auch ein Überbleibsel aus der Vergangenheit reaktivieren?

REGELN

Jeder von euch erhält ein Spielertableau sowie 8 Startkarten (Tamarine), die ihr mischt und als persönlichen Nachziehstapel verdeckt vor euch ablegt. Sortiert die 120 Primatenkarten nach Affenart (Mandrillen, Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen) und bildet daraus je einen verdeckten Stapel aus Stufe 1- und einen verdeckten Stapel aus Stufe 2-Karten. Legt diese Karten auf den Spielplan, der von der Punkteleiste umrandet wird. Euer Punktemarker startet natürlich auf Feld 0. Legt zudem euren Zornesmarker auf den Beginn eurer persönlichen Zornesleiste.

 

Wählt aus den sieben verfügbaren Gegenständen drei aus, die ihr in dieser Partie verwenden möchtet. 

 

Ziel ist es, vor der Konkurrenz 80 Siegpunkte (Glühbirnen-Symbole) oder mehr zu sammeln. 

 

Gespielt wird in mehreren Runden. Jede Runde besteht aus 3 Phasen:

 

Phase 1: Die Horde versammeln

Zieht jeweils die 4 obersten Karten von eurem Nachziehstapel und legt sie vor euch aus. Bildet daraus nun eine Reihe, deren Anordnung ihr selbst bestimmt. Die Karten zeigen geschlossene und offene Boxen in drei Reihen. Den Inhalt geschlossener Boxen erhaltet ihr auf jeden Fall. Die offenen Boxen müssen zunächst geschlossen werden, indem sie jeweils mit einer weiteren offenen Box einer anderen Karte kombiniert werden. Die rechte Hälfte einer offenen Box in Reihe 2 kann beispielsweise nur mit einer linken Hälfte einer offenen Box einer anderen Karte geschlossen werden. Ihr werdet nicht alle Boxen schließen können. Wird eine offene Box mit einer Karte kombiniert, die an dieser Stelle kein passendes Gegenstück besitzt, verfällt die Funktion dieser Box.

 

In Reihe 1 sammelt ihr nun alle Ressourcen aus geschlossenen Boxen ein. So erhaltet ihr Blumen, Früchte, Körner und Batterien. In Reihe 2 und Reihe 3 tauscht ihr Ressourcen in Siegpunkte, in einen Bonus-Ertrag, in Zornespunkte oder weitere Ressourcen. Auch gibt es die Möglichkeit, solche Tauscherträge über das Auslegen verschiedener Affen-Arten oder Startkarten zu erzielen, zudem sind Gratis-Tauscherträge möglich.

 

Gesammelte Zornespunkte können dazu genutzt werden, um ausliegende Karten dauerhaft aus dem Deck zu entfernen. Gegen jeweils 4 Zorn kann eine Karte aus der eigenen Reihe entfernt werden, um den Ertrag (oben rechts auf der Karte vermerkt) zu erhalten.

 

Wiederholungs-Erträge (Pfeil) öffnen eine Box in eurer Auslage ein zweites Mal, schütten ihren Ertrag also ein zweites Mal aus.

 

Phase 2: Neue Primaten anlocken

Jeder von euch besitzt 4 Aktionsscheiben. Sie zeigen jeweils eine Affenart und eine damit verbundene Aktion. Wählt nun jeweils zunächst geheim ein Plättchen aus und legt es vor euch ab. Deckt die Scheiben dann auf. Führt die Aktion aus, die ihr auf eurer Scheibe seht (2 Batterien, 2 Siegpunkte, 1 Bonus-Ertrag oder 2 Zornespunkte erhalten). Nun dürft ihr eine neue Primatenkarte kaufen. Die ausgespielte Scheibe bestimmt dabei die Affenart, von der ihr eine Stufe 1- oder Stufe 2-Karte ziehen und auf euren Nachziehstapel legen dürft, sofern ihr sie bezahlen könnt. Stufe 1-Karten kosten 3 identische Ressourcen der angegebenen Art, Stufe 2-Karten kosten 6 identische Ressourcen der angegebenen Art. Während den Mandrillen, Orang-Utans und Gorillas jeweils eine bestimmte Ressourcen-Art zugeordnet ist, können Schimpansen mit einer beliebigen Ressourcen-Art bezahlt werden.

 

Gegen Zahlung von zwei identischen Ressourcen dürft ihr auch noch die Aktion der gewählten Scheibe eines eurer Sitznachbarn ausführen.

 

Phase 3: Ausruhen

Legt die ausgespielten Karten auf euren Ablagestapel. Übrige Ressourcen nehmt ihr mit in die nächste Runde; es gibt kein Limit. Danach geht es weiter mit der nächsten Runde.

 

Je nach ausliegendem Gegenstand könnt ihr in der jeweils darauf angegebenen Phase Batterien bezahlen, um den Gegenstand zu nutzen. Da gibt es beispielsweise die Möglichkeit, eine zusätzliche Karte zu kaufen, eine Karte aus der Auslage zu tauschen oder gleich 5 Siegunkte zu sammeln. Jeder von euch darf jeden Gegenstand genau einmal pro Runde nutzen. 

 

Spielende: Sobald jemand die Marke von 80 Siegpunkten erreicht oder überschreitet, endet das Spiel nach der laufenen Phase. Wer nun die meisten Siegpunkte besitzt, gewinnt.

 

Das Spiel bietet zudem einen Solo-Modus.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • trickreiches Aktions-Puzzle
  • taktisches Ressourcenmanagement
  • Wettlauf-Charakter
  • schöne Illustrationen


CONTRA 

  • mitunter glücklastig und teilweise auch beliebig
  • etwas behäbiger Deckbau

MEINUNG

Unsere Zeit auf diesem Planeten scheint wahrlich knapp geworden zu sein. So ist die Menschheit bereits im Jahr 2083 seit einigen Jahrzehnten ausgestorben. Ein düsteres Zukunftsbild also, aber es gibt Überlebende: die Primaten. Diese finden wir auf den wirklich sehr schön illustrierten Karten; auch die Spielertableaus und der Spielplan wirken regelrecht künstlerisch. Vincent Dutrait ist da einfach eine Bank, wenn es um eine Hingucker-Optik geht.

Das Spiel an sich ist dann im Kern ein simples Ressourcenmanagement-Spiel. Heißt: Wir sammeln Ressourcen und tauschen sie an anderen Stellen wieder ein. Das funktioniert, ist jetzt aber auch nicht wirklich innovativ. Die Art und Weise, wie die Ressourcen gesammelt und Tauschoptionen zusammengestellt werden, ist dann aber doch erfrischend neu. So lösen wir in jeder Runde gleichzeitig unser persönliches Aktions-Puzzle, indem wir unsere vier Karten effizient kombinieren, sodass sich die bestmöglichen Erträge ergeben. Manchmal steht man da vor der Wahl, ob man sich für Weg A oder Weg B entscheidet, meistens muss man an verschiedenen Stellen auch auf Erträge verzichten, da man nicht alles nutzen kann, was einem angeboten wird. Da alle gleichzeitig spielen, gibt es da gefühlt wenig Wartezeit, allerdings ist das Spiel dadurch auch sehr solitär geprägt. Eine direkte Interaktion gibt es nicht, jeder puzzelt und sammelt für sich, sodass man auch nicht wirklich viel mitbekommt von den Entscheidungen der Konkurrenz. Das ist etwas schade, denn so fühlt sich After Us dann letztlich wie ein Multiplayer-Solospiel an, das einzig über das Mitnutzen gewählter Aktionsscheiben gegen Bezahlung, hauptsächlich aber natürlich über den Wettlauf-Charakter um die Punkte Berührpunkte erzeugt.

Während das Positionieren der gezogenen Karten taktischer Natur ist, ist das Ziehen der Karten glücksbehaftet. Das trifft leider auch komplett auf den Zukauf der weiteren Primatenkarten zu. After Us möchte ein Deckbauspiel sein, bei dem wir zunehmend bessere Erträge und Tauschaktionen vor uns ausliegen haben möchten. Nun kann aber (außer, es ist ein entsprechender Gegenstand im Spiel, der es zweimal erlaubt) nur eine Karte pro Runde gekauft werden, und diese Karten kosten halt auch Ressourcen, die einem an anderer Stelle fehlen. So wirkt der Deckbau etwas behäbig und zudem nicht so richtig steuerbar. Da scheint es dann zunehmend wichtig, eher schlechtere Karten über Zorn aus dem eigenen Deck zu entfernen, um schneller wieder an die ertragsreicheren zugekauften Karten zu gelangen.

Grundlegend hat jeder Affenart dabei eine Priorität (Punkte, Batterien, Zorn, Bonus-Spielzüge), grundlegend liefern Stufe 2-Karten auch deutlich bessere Optionen als Stufe 1-Karten, ja, und doch gibt es mitunter größere Differenzen zwischen den einzelnen Karten innerhalb eines Stapels. So geht es ja letztlich immer darum, schnell Siegpunkte zu sammeln, und wenn eine Primaten-Karte der selben Art und Stufe dann potenzielle 2 Punkte mehr als eine andere Karte dieser Art und Stufe liefert, dann ist das schon ein Unterschied in einem Spiel, bei dem es auf jeden Punkt ankommt. So gibt es auch Karten, die mit einem einzigen Tausch 5 Siegpunkte liefern, während diese Punkte sich bei anderen Karten dann auf mehrere Boxen aufteilen, die teilweise auch noch geschlossen werden müssen. Wer da mehrfach Pech hat beim Ziehen, denn es gibt kein offenes Angebot, der kann da auch mal das Nachsehen haben gegenüber Konkurrenten, die da mehr Glück beim Einkauf neuer Affen besitzen.

Um After Us zu mögen, muss man also auch Glücksmomente mögen. Es ist ein Optimierungsspiel, bei dem man aus dem, was man bekommt, das Beste machen muss. Das Aneinanderpuzzeln der Karten gefällt mir dabei richtig gut, die Aktionsscheiben wirken auf mich ein wenig aufgesetzt und weniger spannend, der Deckbau könnte für mich noch flotter sein und die Aktionen der einzelnen Karten auch gern noch eine Spur abwechlsungsreicher, als immer nur Ressourcen und Punkte zu generieren, aber okay. Kurzweilig ist After Us dennoch, man freut sich über passende Synergien und fiebert dann schlussendlich auch mit, ob man die Konkurrenz abhängen kann. Wer lieber Spielzüge im Voraus plant und sich sicher sein möchte, dass Entscheidungen auch zu einem Erfolg führen, der mag After Us als ein wenig beliebig und zufällig ansehen. Wer hingegen genau solche Elemente als Herausforderung sieht, der ist hier genau richtig. In Kombination mit seinem noch unverbrauchten Mechanismus und der tollen Gestaltung, erhält After Us, unter Berücksichtigung der genannten Abzüge in der B-Note, insgesamt gute 7 Kultpunkte von mir.

VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/jtFteRMY7M0

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 8/10
Ausstattung: 9/10
Spielablauf: 6/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 05.11.2023

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Pegasus Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten