REZENSION

A CARNIVORE DID IT!

  • Genre: Denkspiel
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Horrible Guild
  • Autoren: Daumilas Ardickas, Urtis Šulinskas
  • Grafik: Cecilia Lonnie
  • Personen: 1 bis 5
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 10 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Initiativlevel: 9/10

Ein Geständnis heißt noch gar nichts

Vor uns liegt eine Reihe tierischer Verdächtiger, und jeder hat etwas zu sagen, aber wir wissen genau, dass einer lügt. Der Pfau sagt, dass der Hund lügt, also muss einer der beiden lügen. Aber wer?

REGELN

In A Carnivore Did It! bekommt ihr 1000 Fälle, in denen ihr anhand der Aussagen der Verdächtigen und der Anzahl der falschen Aussagen herausbekommen müsst, wer die nicht näher benannte Tat begangen hat.

Du kannst alleine spielen oder mit anderen. Du suchst dir eine der 20 großen Dossierkarten aus. Diese werden von 1 bis 20 immer schwieriger, z.B. haben die 50 Fälle des ersten Dossiers nur drei Verdächtige, während die 50 Fälle des 13. Dossier sieben Verdächtige haben.

Die Dossierkarte gibt dir an, wie viele Verdächtige du benötigst, wie viele Leute die Tat begangen haben und wie viele Leute lügen oder die Wahrheit sagen. Du nimmst die Lupenbanderole und schiebst sie über die Dossierkarte. Wenn im Schlitz der Fall zu sehen ist, den du spielen möchtest, dann lege die passenden Verdächtigen auf den Tisch. Suche die angegeben Aussagenkarten heraus und lege diese verdeckt neben die entsprechenden Verdächtigen.

Starte deine Stoppuhr und drehe die Aussagenkarten herum. Da gibt es so Aussagen wie "Ein Fleischfresser war es!", "Ich war es nicht!", "Der Pfau lügt!", "Jemand, der größer als 190 cm ist, war es!" etc. Schlussfolgere anhand der Vorgaben, wer die Tat begannen haben muss. Stoppe die Zeit. Durch Umdrehen der Dossierkarte kontrollierst du deine Lösung. Je nachdem, ob du das kurze, mittlere oder lange Zeitlimit erfüllt hast, bekommst du 1, 2 oder 3 Sterne.

Du kannst einfach frei einzelne Fälle spielen oder eine Kampagne. Eine Kampagne besteht aus 8 Fällen von 8 aufeinanderfolgenden Dossiers, z.B. je 1 Fall von Dossier 1 bis 8. Du darfst zweimal daneben liegen. Addiere alle verdienten Sterne und schaue in der Tabelle nach, wie gut du abgeschlossen hast.

Wenn du die volle Punktzahl hast, dann solltest du vielleicht Lügendetektoren unterrichten.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • Illustrationen
  • knackige Rätsel


CONTRA

  • nur Rätsel, kein Spiel
  • Zahlen mit Rotfilter schwer zu lesen
  • eigentlich ein reines Solospiel

MEINUNG

Wer Escape-Raum-Spiele oder andere Rätselspiele mag, wird irgendwann einer bestimmten Kombinations- bzw. Logikaufgabe begegnen. Es gibt immer ein paar Leute, die was sagen und dann muss man herausfinden, wer lügt. Oder, wie bei A Carnivore Did It!, weißt du, wie viele Lügen es gibt, und du musst rausfinden, wer die Tat vollbracht hat. Das ist also ein klassisches und bekanntes Rätsel.

Ich war nach Lesen der Anleitung etwas enttäuscht, dass dieses Spiel auch wirklich nur aus diesen Rätselaufgaben besteht, ich hatte da mehr Spiel erwartet. Aber schnell merkte ich, wie ich mich in die Fälle vertiefen konnte. Allerdings tat ich das schon alleine. Ich habe es einmal mit meinem Mann zusammen ausprobiert. Da dauerte es mir beim Kooperieren einfach zu lange, wenn man seine Gründe und Überlegungen erst formulieren muss. A Carnivore Did It! ist daher für mich ein Solospiel.

So sitze ich dann hier und sortiere Karten, knoble, und dann geht es auf zum nächsten Fall. Ein bisschen erinnerte mich das an Turing Machine. Zum Glück dauert es bei A Carnivore Did It! bei weitem nicht so lange alle Karten herauszusuchen und es ist auch nicht so fehleranfällig wie Turing Machine. Das läuft alles recht flott und einfach, genau wie das Lösen der Fälle am Anfang. Aber mit jedem Dossier kommen mehr Verdächtige hinzu, mehr Lügner oder eine variable Anzahl von Lügen, z.B. 1 oder 2 Lügen. Und ab Dossier 13 geht es dann richtig los. In diesen Fällen haben gleich zwei Tiere die Tat begangen. Das sind echt harte Nüsse, die hier in kurzer Zeit geknackt werden sollen. Es half mir schon, mich von den niedrigen zu den hohen Nummern durchzuarbeiten, um die mentalen Werkzeuge zu entwickeln, die ich für die Fälle der höheren Dossiernummern brauchte.

Bei den Fällen ist es keine gute Strategie, einfach ein Tier als schuldig anzunehmen und dann alle Aussagen durchzugehen, um dies für jedes Tier zu wiederholen. Es müssen widersprüchliche Aussagen gefunden werden, damit eine davon gelogen sein muss. Oder es müssen Aussagen gefunden werden, die wahr oder falsch sein müssen, weil sonst z.B. drei andere Aussagen auch gelogen wären.

Und zum Thema Tiere: Die verschiedenen verdächtigen Personen auf den Karten sind immer Tiere. Sie bringen drei Eigenschaften mit sich: Name, Größe und Nahrung. Wer also weiß "A Carnivore Did it!" ("Ein Fleischfresser hat es getan!"), kann Pfau, Leguan und Pferd ausschließen.

Die Tiere sind auch wirklich toll gestaltet, nicht nur optisch ansprechend, sondern der Charakter jedes Tieres ist auch direkt deutlich. Der Panther ist sich zu fein für alles. Der Hund hat ein hinterlistiges Lächeln. Über das Grinsen des Hais brauche ich vermutlich gar nichts  sagen. Die Aussagenkarten haben klare Texte, wobei ich hervorheben sollte, dass das Spiel bisher nur in englischer Sprache erschienen ist. Die Dossierkarten, die Banderole und alle andere Materialien fühlen sich auch sehr wertig an. Es gibt nur ein Manko. Wenn ich bei der Auflösung durch den Rotfilter schaue, brauchte ich sehr lange, um herauszufinden, ob es sich um eine 3 oder 5 handelt. Die Zahlen sind doch oft recht schwer auseinanderzuhalten.

Wer auf Logikaufgaben steht, bei denen  Aussagen als wahr oder falsch eingestuft werden müssen, der wird sicher Gefallen an A Carnivore Did It! finden – so wie ich, aber nur als Solospiel.

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 6/10

Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

LUTZ

Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast

Eine Rezension vom 17.03.2026

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Horrible Guild
Weitere Fotos: Spielkultisten