REZENSION

5 TOWERS

  • Genre: Kartenspiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: Deep Print Games / Pegasus Spiele
  • Autor: Kasper Lapp
  • Grafik: Annika Heller
  • Spieler: 2 bis 5
  • Alter: ab 7 Jahren
  • Dauer: ca. 15 bis 30 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 5/10

Baue jetzt, dann reißt du ab in der Not!

Während Tolkien sich mit zwei Türmen und die in Babel sich sogar nur mit einem Turm zufrieden gaben, bauen wir gleich fünf Türme, wenn alles gut läuft. Leider baut nur, wer einen auf richtig dicke Hose macht, aber euer „Ich baue fünf Karten“ könntet ihr bald bereuen ...

REGELN

In 5 Towers bietet wir um Karten, um diese in unsere Türme einzubauen. Unser Gebot legt dabei fest, wie viele der ausliegenden Karten wir verbauen möchten. Wer nicht wagt, der baut nichts, aber wer zu viel wagt, baut bald vielleicht noch viel weniger.

Passt die Karten an eure Spielanzahl an, bei 2 und 3 Personen benutzt ihr in den fünf Farben die Zahlen 0 bis 15 je einmal, bei mehr Leuten gibt es auch doppelte Werte.

Mischt alle Karten und legt sie in die Mitte. Deckt 5 Karten auf. Bestimmt jemanden, der anfängt.

Wenn du an der Reihe bist, sagst du, wie viele der ausliegenden Karten du anbauen kannst und willst. Reihum darf jeder das Gebot erhöhen oder passen. Bietest du fünf Karten, so kann niemand mehr erhöhen und du gewinnst sofort die Auktion. Oder die Auktion wird entschieden, wenn jeder einmal bieten durfte. Hast du das höchste Gebot abgegeben, musst du entsprechend viele Karten anbauen.

Die Karten zeigen die Werte von 0 bis 15 in fünf verschiedenen Farben bzw. Turmdesigns. 

Du baust bis zu fünf Türme, aber jeder Turm darf nur aus einer Farbe bestehen und jede Farbe darf nur in einem Turm gebaut werden. Idealerweise hast du am Ende des Spiels einen Metallturm, einen Sandturm, einen Süßigkeitenturm, einen Gruselturm und einen Baumturm. Karten dürfen immer nur auf Karten mit höherem Wert gelegt werden, wobei beliebig viele Werte übersprungen werden dürfen, z.B. darf die 2 auf die 10 gebaut werden.


Es gibt drei Sonderkarten. Auf die 8 jeder Farbe darf jede beliebige Zahl gebaut werden, also auch die 15. Die 9 jeder Farbe darf auf jede beliebige Karte gebaut werden, also z.B. auf die 2, obwohl diese niedriger als die 9 ist. Die 0 schließt einen Turm ab, auf diesem Turm darf nicht mehr gebaut werden. Die 0 kann nicht abgerissen werden, aber alle Karten im Turm zählen 2 Punkte.

Zum Thema Abreißen: Bevor du die Karten anbaust, darfst du eine Karte abreißen. Dies ist die oberste Karte eines Turms. Sie wird verdeckt vor dich gelegt und bringt am Ende des Spiels Minuspunkte.

Wenn du angebaut hast, werden übrigen Karten aus der Auslage abgeworfen und wieder fünf Karten aufgedeckt. Wer links von dir sitzt, gibt das erste Gebot für diese Auslage ab.


So wachsen vor euch eure Türme in die Höhe, und der Kartenstapel schrumpft. Seid ihr einmal durch den Stapel durch, so werden alle abgelegten Karten (nicht die abgerissenen) wieder in den Stapel gemischt und ihr spielt weiter. Seid ihr ein zweites Mal durch den Stapel, ist das Spiel vorbei und ihr zählt eure Punkte.

Jede Karte in einem Turm ohne 0 bringt einen Punkt. Mit einer 0 als Turmspitze bringt jede Karte in diesem Turm 2 Punkte. Euer Turm mit den meisten Karten bringt noch einmal einen Punkt pro Karte.

Wer die meisten Punkte hat, ist sehr gut im türmen.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • einfache Regeln
  • spannendes Bieten
  • schöne Gestaltung


CONTRA

  • zu zweit viel Leerlauf

MEINUNG

Ich fühle mich unter Druck gesetzt, aber vielleicht kann ich noch warten, schließlich sind da draußen noch bessere Karten. Oder bekomme ich dann gar keine Karten mehr ab? So geht es in meinem Kopf zu, wenn ich 5 Towers spiele … Witzig, da ich ähnliche Gedanken beim Verwenden von Dating-Apps habe. Die, die sich viel grapschen, bekommen auch immer mehr, aber sind die dann immer zufrieden mit dem, was sie abbekommen haben oder bereuen sie es später?

5 Towers ist wirklich elegant. Es braucht nur sehr wenige Regeln, um Spannung aufzubauen. Ähnlich wie beim zum Spiel des Jahres 2013 nominierten Qwixx müssen wir uns immer entscheiden, wie viele Zahlenwerte in einer Reihe wir bereit sind zu überspringen, um im Rennen zu bleiben und die meisten Punkte zu machen. 

Der Auswahlmechanismus für die Zahlen in unserer Reihe funktioniert dabei aber ganz anders, denn hier werden Karten versteigert, und das Gebot ist die Anzahl der Karten, die ich in meinen Türme platziere. So muss ich, wenn ich drei gute Karten abbekommen möchte, auch ein oder zwei schlechtere Karten nehmen, sonst kriege ich nichts. So halte ich die Türme der anderen im Auge, um abzuschätzen, wie viel ich riskieren muss, um mir Karten zu sichern, und bei meinen eigenen Türmen muss ich schauen, ob ich bereit bin, so viele Zahlen zu überspringen.

Der Kartenstapel wird zweimal durchgespielt, was bedeutet: Ich will mir nicht zu früh die Möglichkeiten, meine Türme zu erweitern, verspielen, aber wenn ich zu lange warte, gibt es auch nichts mehr.

So viel Spiel mit so wenig Karten, und dann sind die Punkteregeln auch nicht so komplex. Das Spiel kann ich sogar mit meiner Schwiegermutter spielen, die sich eher schwer mit neuen Spielen tut. Es gibt nur drei Sonderkarten, und die Wertung am Ende ist spätestens nach der ersten Runde deutlich.

Das Spielgefühl ändert sich mit der Spielerzahl, was ein Manko oder ein Grund sein kann, 5 Towers öfters zu spielen. Mit gefällt es zu dritt am besten, denn dann gibt es jede Zahl von 0 bis 15 in jedem Turm einmal. Bei 4 und 5 Personen gibt es einige Karten doppelt, und dann ist es direkt viel schwieriger nachzuhalten, welche Karten noch im Stapel sind. Bei 5 Leuten ist eine abwartende Strategie, bei der ich die ganzen Reste abzugreifen will, nicht so geschickt, denn irgendwer nimmt schon die Karten. Bei 4 Personen geht das wiederum leichter, da es dann mehr Karten pro Person gibt. Natürlich hängt dies aber immer davon ab, wie vorsichtig oder forsch eure Gruppe so spielt. 

Ich hätte 5 Towers beinahe keine 9 Punkte gegeben, da in den Partien mit nur 2 Personen zu viele Leerlauf-Runden aufgetreten sind, in denen offensichtlich keiner die Karten in der Mitte wollte. Das fühlte sich dann nicht so toll an. In anderen Konstellationen lief es dafür aber umso besser, sodass ich dem Spiel diese Kultpunkte nicht verwehren möchte.

Toll aussehen tun übrigens auch die Karten. Es gibt auf fast jeder Karte irgendwelche Bezüge zu fiktionalen Charakteren, von Klassikern wie den Sandwürmern und den Ewoks bis zu ganz aktuellen Referenzen wie Wednesdays Fenster und das Videospiel Journey. Da macht es immer wieder Spaß, auf den Karten Details zu erkennen.

Fazit: Wenn mit so wenigen Regeln so viel Spiel geschaffen wird, dann kann man fast immer nur begeistert sein - und dabei sieht 5 Towers auch noch wirklich toll aus. 

VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/0gcQpiRBlOo

KULTFAKTOR: 9/10

Spielidee: 9/10
Ausstattung: 9/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

LUTZ

Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast

Eine Rezension vom 18.01.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Deep Print Games / Pegasus Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten