REZENSION

3 RING CIRCUS

  • Genre: Strategiespiel
  • Jahr: 2023 / deutsche Version: 2024
  • Verlag: Devir / deutsche Version: KOSMOS
  • Autoren: Remo Conzadori, Fabio Lopiano
  • Grafik: Edu Valls
  • Spieler: 1 bis 4
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 80 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 7/10

Ich brauche mehr Zelte!

Der Zirkus ist in der Stadt, und zwar unser Wanderzirkus, dessen Vorstellung sicherlich brillanter und besser und größer und beeindruckender wird, als die unserer Konkurrenz. Entscheidet euch, ob euer Zirkus sein Personal weiter ausbaut oder in der nächsten Stadt auftritt, um den anderen Zirkussen überlegen zu sein.

Hinweis vorab: Für diese Rezension stand uns die englischsprachige Ausgabe des Spiels zur Verfügung. Seit Mai 2024 ist eine deutsche Version erhältlich, erschienen bei KOSMOS. Die verwendeten Begriffe in der deutschen Anleitung können von unseren übersetzten Begriffen abweichen.

REGELN

In 3 Ring Circus baut ihr euer Tableau mit Artist*innen und Tieren für euren Zirkus aus, damit ihr durch die USA reisen könnt, um Ruhm und Reichtum zu sammeln. Dabei solltet ihr genug Zelte in einer Region angesammelt haben, wenn der legendäre Barnum-Zirkus die nächste Hauptstadt besucht.

Ihr beginnt 3 Ring Circus mit einem leerem Tableau, auf dem ihr Plätze für eure Artist*innen, eine Leiste zum Zählen eurer Podien (ihr beginnt mit einem), drei Plätze für Spielende-Karten und jede Menge Symbole für Boni, die ihr beim Platzieren von Karten bekommt oder verliert, vorfindet. In eurer Hand habt ihr vier Geldkarten, eine Ticketkarte und eine Spielende-Karte. 

Wenn du am Zug bist, hast du zwei Optionen, eine davon ist es, neue Künstler anzuwerben.

Für deine Künstler gibt es jeweils 5 Plätze in 3 Reihen, welche deine Manegen bzw. 3 Rings sein sollen. Suche dir einen Künstler von deiner Hand aus und eine Reihe. Der Künstler muss bezahlt werden. Die Kosten sind der Wert der gespielten Karte minus dem höchsten Wert, der schon in der Reihe liegt. Spielst du eine 8, und eine 4 liegt schon in der Reihe, musst du noch 4 bezahlen. Zum Bezahlen wirfst du Geldkarten ab in einem Gesamtwert, der mindestens dem Preis entspricht.

Die Geldkarten zeigen die Werte von 1 bis 5, wobei die Karten 1 bis 4 auch als Showleute angeheuert werden können, und die Karten mit dem Wert 5 als Personalkarten einen einmaligen Soforteffekt bei Shows liefern, aber dazu später mehr. Die meisten Karten mit den Werten 1 bis 4 geben, wenn sie auf dem Tableau liegen, mehr Podien.

Die Ticketkarten zeigen Werte von 5 bis 16 und haben nie einen Geldwert. Diese Karten geben oft neue Symbole, meistens geben sie Punkte.

Eine gespielte Karte wird immer so in ihre Reihe sortiert, dass dort eine streng aufsteigende Zahlenfolge entsteht, d.h. die Kartenwerte werden von links nach rechts immer größer und dürfen sich in einer Reihe nicht wiederholen.

Beim Ablegen einer neuen Karte können mehrere Dinge passieren. Du deckst Symbole ab und verlierst deren Vorteil, z.B. eine Lokomotive. Du deckst ein Feld ab, das dir einen Bonus bringt. Dann gibt es direkt eine Karte oder Punkte. Füllst du eine Spalte komplett, so musst du bei den ersten drei Spalten eine Spielende-Karte spielen, und bei den letzten zwei Spalten gibt es Punkte. Spielende-Karten bekommst du durch das Abdecken bestimmter Felder.

Alternativ zum Anheuern, kannst du reisen und eine Show aufführen. Ihr alle reist durch Nordamerika. Je nach Spieleranzahl zeigt das Spielbrett 3 bis 5 Regionen. Jeder Zirkus beginnt in einer anderen Hauptstadt, also in einer anderen Region. Die letzte Hauptstadt wird vom Barnum-Zirkus belegt.

Wer reist, muss in eine andere Stadt gehen. Du darfst so viele Schritte machen, wie du Lokomotiven auf deinem Tableau siehst. Diese können darauf aufgedruckt soder auf gespielten Karten zu sehen sein. Dabei musst du Kleinstädte mit Zirkuszelten überspringen, Hauptstädte und Städte mit eigenem Zelt darfst du überspringen. Auch die Wagen anderer Zirkusse darfst du überspringen. In der neuen Stadt musst du auftreten.

Der Auftritt und dessen Belohnung unterscheiden sich nach Stadtgröße:

  • Kleinstädte sind froh, dass dort überhaupt ein Zirkus anhält. Du bekommt eine Geldkarte für jedes sichtbare Geldsymbol auf deinem Tableau, eine Geldkarte für jede benachbarte Kleinstadt ohne Zirkuszelt und eine Geldkarte für die Kleinstadt, auf der du stehst. Geldkarten ziehst du einfach oben vom Geldkartenstapel. Danach deckst du die Kleinstadt mit einem deiner Zirkuszelte ab.
  • Mittelgroße Städte sind etwas anspruchsvoller, darum ist dort die Anzahl deiner Podien wichtig. Städte haben fünf Plätze, denen eine Anzahl Podien zugeordnet ist, z.B. 1, 3, 5, 7 und 9. Du darfst jeden freien Platz, dessen Podien-Anzahl du erreichst oder überschreitest, belegen. In jeder Stadt gibt es einen Bonus, wenn auf deinem Tableau eine bestimmte Geldkarte liegt, also zum Beispiel möchte Philadelphia in diesem Spiel einen Clown (Geldkarte mit Wert 1) sehen. Jedem Platz ist eine Belohnung zugeordnet, bei der du dich zwischen Punkten und Ticketkarten entscheiden musst. Es liegen fünf Ticketkarten offen aus; du kannst aus diesen wählen oder die oberste vom Ticketkartenstapel ziehen. Dann belegst du den Platz mit einem Zelt. Du bekommst noch je eine Geldkarte für jedes Geldsymbol auf deinem Tableau.
  • Die Leute in den Hauptstädten sind sehr wählerisch. Du musst den in der Hauptstadt gezeigten Künstler auf deinem Tableau vorweisen können. Es gibt Extrapunkte, wenn vor oder nach dem gefragten Akt bestimmte andere Kartenfarben liegen. Bist du die erste oder zweite Person, die ein Zelt in dieser Hauptstadt platziert, gibt es noch mehr Extrapunkte. Du bekommst noch je eine Geldkarte für jedes Geldsymbol auf deinem Tableau.


Du darfst pro Reise auch eine 5er-Geldkarte für ihren einmaligen Soforteffekt abwerfen und so z.B. mehr Tickets, mehr Geld, mehr Lokomotiven oder Podien für diese Reise haben.


Nach jedem Auftritt bewegt sich der Barnum-Zirkus ein Feld entgegen dem Uhrzeigersinn auf der Landkarte. Dabei überspringt der Zirkuswagen alle Zelte und anderen Zirkuswagen, außer in Hauptstädten.

Am Ende deines Zuges, egal ob du anheuerst oder reist, darfst du maximal 10 Karten auf der Hand haben, sonst musst du Tickets oder Geldkarten abwerfen.

Erreicht der Wagen von Barnum eine Hauptstadt, so gibt es am Ende des Zuges von der Person mit dem Barnum-Plättchen eine Regionenwertung. Wer von euch die meisten Zelte in dieser Region besitzt, bekommt 10 Punkte, für den 2. Und 3. Platz gibt es noch 6 und 3 Punkte. Gleichstände entscheiden sich danach, wer von euch eher in der Hauptstadt aufgetreten ist. Dann wandert das Barnum-Plättchen zur nächsten Person gegen den Uhrzeigersinn.

Solltest du in deinem Zug nichts machen können, so ziehst du eine Geldkarte und bewegst Barnum um ein Feld.

So wird gespielt, bis Barnum alle Regionen besucht und gewertet hat. Jetzt gibt es noch ein paar Punkte: Jede Karte bringt so viele Punkte, wie in der rechten oberen Ecke sichtbar. Karten mit einer Eigenschaft, die Punkte bringt, geben jetzt auch diese Punkte. Spielende-Karten geben Punkte abhängig davon, wie gut die darauf sichtbare Bedingung erfüllt ist, z.B. Zelte in bestimmten Regionen, verschiedene orange Karten, Anzahl an Podien.

Wer dann die meisten Punkte hat, sollte vielleicht ins Unterhaltungsbusiness gehen.


Das Spiel bietet auch eine Solo-Variante, die im Rahmen dieser Rezension jedoch nicht getestet wurde.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • Karten optimieren
  • Wettrennen um Auftritte
  • schöne Gestaltung


CONTRA

  • zu wenig Zelte im 2er- und 3er-Spiel

MEINUNG

Seit meiner Kindheit hat sich der Zirkus gewandelt. Der Fokus liegt heute deutlich mehr auf Menschen und weniger auf Tieren, weil die meisten fahrenden Zirkusse den Tieren keine artgerechte Haltung bieten konnten. Weiterhin gibt es Initiativen wie den Kinder-Mitmach-Zirkus, bei dem Kinder über die Sommerferien lernen, selber eine Show abliefern.

Bei 3 Ring Circus wenden wir uns aber der Vergangenheit zu. Ende des 19. Jahrhunderts war die Hochzeit der klassischen Zirkusse, und besonders bekannt war der Zirkus Barnum, bekannt aus dem Film The Greatest Showman. Heute betrachten wir, wie gesagt, viele der Attraktionen und Personen mit anderen Augen. In diesem Spiel glauben wir aber selber der Illusion, die der Zirkus uns verkauft: Exotische (glückliche) Tiere und talentierte, tollkühne Stars in der Manege.

Um in die Welt von 3 Ring Circus einzutauchen, eignet sich die wunderbare Gestaltung. Putzige Zirkuszelte, kleine Zirkuswagen, Popcorntüten und Podien als Spielsteine sind wirklich allerliebst. Die Karten sehen toll aus und zeigen sogar für die gleichen Kartenwerte unterschiedliche Illustrationen. So ist nicht jeder Clown oder jeder Löwe gleich. Natürlich schimmert das mechanische Gerüst an einigen Stellen durch. Am Ende suche ich dann doch nach einer gelben 16 und nicht nach der Giraffe, weil ich meistens auch vorher nicht weiß, welche Bilder auf den verschiedenen Zahlen zu finden sind.

Mein Zirkuspersonal zu optimieren ist eine reizvolle Aufgabe. Ich muss zum einen schauen, ob die Eigenschaften der Karten mir bei dieser Anordnung viele Podien oder Punkte bringen werden. Zum anderen stellt sich die Frage, wann ich die Karten spiele, damit ich Rabatte optimal nutze und nicht mit zu teuren Geldkarten bezahle. Dann sind noch die verschiedenen Bonussymbole wichtig und damit, in welche Reihe ich die Karten spiele. Die Spielende-Karten möchte ich früh bekommen, um dafür zu planen, aber ich möchte sie spät spielen, um meine Bonussymbole spät zu überdecken. Die passenden Karten zu sammeln, zum richtigen Zeitpunkt zu spielen und so Vorstellungen und Wertungen zu organisieren, ist recht befriedigend.

Dann kommt noch das Wettrennen um die verschiedenen Auftritte hinzu. Ich möchte gerne Kleinstädte mit vielen leeren Nachbarn besuchen, den erste Platz in der Großstadt einnehmen, und ich schaue auf den höchsten Platz, den mir meine Podium in Städten erlauben. Jetzt muss ich aber auftreten, um mehr Geldkarten und Ticketkarten zu erhalten, die dann neues Personal und mehr Punkte bedeuten. So herrscht ein gewisser Konkurrenzdruck durch die anderen Spieler und gleichzeitig die kleine Stimme in meinem Kopf, die das perfekte Tableau möchte, bevor ich losreise. Dabei kommen noch kleine Hindernisse hinzu, wie die limitierten Quellen für Ticketkarten und die beschränkte Bewegung, wenn zu viele Lokomotiven abgedeckt wurden.

Einen kleinen Dämpfer gibt es während dieser Kartensammelei. Die Großstädte verlangen nach bestimmten Karten, z.B. die orange 11. Zu eurer Beruhigung, alle 11en sind orange, aber trotzdem bedeutet dies für einen Auftritt in einer Hauptstadt, dass ich eben diese Karte brauche. Dies kann recht dringlich sein, wenn die Hauptstadt für meine Spielende-Karte wichtig ist. Liegt die gesuchte Karte nicht in der Auslage oder sogar gar keine benötige Karte für Hauptstädte, so beginnen alle zufällige Ticketkarten vom Stapel zu nehmen, und die offenen Auslage liegt da wie Blei. Vielleicht wäre es hier gut gewesen, wenn es möglich gewesen wäre, mehrere Karten aus der Auslage auszutauschen.

3 Ring Circus macht mir zum Großteil Spaß, und ich vertiefe mich in das Füllen meines Tableau und dem Wettlauf um die Städte, aber dann fällt 3 Ring Circus zum Ende vieler Partien leider recht stark ab.

Ihr habt alle 12 Zelte. Es gibt Effekte, die Barnum mal nicht vorwärts ziehen lassen und Effekte, die ihn Felder überspringen lassen, also bewegt sich Barnum mit 24 Zelten nicht zwangsweise 24 Schritte. Die Differenz zwischen zur Verfügung stehenden Zelten und Schritten bis zum Spielende wird mit sinkender Anzahl an Personen kleiner. Für 2 oder 3 Personen ist es bei uns öfter passiert, dass jemand keine Zelte mehr hatte, aber das Spiel noch nicht vorbei war. Zunächst füllt diese Person ihr Tableau auf, aber was ist, wenn alle keine Zelte mehr haben und das Spiel noch nicht vorbei ist? In Online-Foren (z.B. BoardGameGeek) findet sich die Antwort: Wer nichts machen könne, solle eine Geldkarte ziehen und Barnum einen Schritt bewegen.

In meinen Partien sind mehr als einmal die Zelte vor Spielende ausgegangen. Darum überrascht es mich, dass weder die oben genannte Regel, noch eine Überarbeitung des Spielendes stattgefunden hat (Ich beziehe mich hier auf die 1. englischsprachige Auflage). Wäre es nicht geschickter gewesen, die Anzahl der Zelte an die Personenanzahl anzupassen? Einfach, damit der Puffer größer ist?

Wer sich fragt, warum ich mit dem Ende so Probleme habe, dem erkläre ich das gerne. Gerade lobte ich das Rennen und die Entscheidung, ob ich mich ums Tableau kümmern sollte oder um die besten Plätze für Auftritte. Der Mangel an Zelten in Runden mit weniger als 4 Personen sorgt nun dafür, dass am Ende jeder einfach mal sein Tableau vollmacht. Damit sind auch die Punkte für das Füllen des Tableaus Mumpitz. Meines Erachtens beraubt dies 3 Ring Circus eines der Hauptmotive für unsere Entscheidungen.

Fazit: 3 Ring Circus bietet die spannende Aufgabe, die eigenen Zirkusnummern für die Punkte auf dem Tableau und das Veranstalten von Auftritten zu optimieren. Weiterhin muss die Optimierung des eigenen Tableaus mit dem Wettrennen um die verschiedenen Veranstaltungsorte kombiniert werden. Leider werten meine negativen Erfahrungen, die am Spielende im 2- oder 3-Personenspiel auftreten können, aber nicht müssen, das Spiel für mich dann deutlich ab. Während ich dem Spiel eigentlich eine 8 geben möchte, kann ich, wenn diese Mängel auftreten, dann ruhigen Gewissens nur eine 6 geben. Ich hoffe hier noch auf eine nachträgliche Überarbeitung.

KULTFAKTOR: 6/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 9/10
Spielablauf: 6/10

EUER REZENSENT

LUTZ

Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast

Eine Rezension vom 30.05.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Devir / KOSMOS
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