REZENSION

WÜRFELZUCKER

  • Genre: Würfelspiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: moses. Verlag
  • Autorin: Sophia Wagner
  • Grafik: Kreativbunker
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: ca. 30 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Initiativlevel: 4/10

Eine Überdosis Süßes, bitte!

Jetzt mal ehrlich: Jeder hat doch zuhause dieses gut gehütete Küchenfach, das ganzjährig mit Süßigkeiten jeglicher Art gefüllt ist. Da liegen Schokohasen neben Weihnachtsmännern, angebrochene Packungen Gummibärchen neben verklebten Müsliriegeln, weil mal wieder jemand heimlich zu später Stunde das Regal geplündert und vergessen hat, die Spuren zu beseitigen. In Würfelzucker schnappt ihr euch die süßen Schätze, indem ihr Aufgabenkarten sammelt –  also nichts wie ran an die kleinen Zuckerbomben!

REGELN

Mit wenigen Handgriffen ist der Candy-Shop startklar: Je nach Spielerzahl wird eine unterschiedliche Anzahl an Aufgabenkarten gestapelt und die „Wir schließen bald“-Karte unter die übrigen Karten gelegt. Auch die Joker-Karten werden als Stapel bereit gelegt. Jeder sucht sich seine Lieblingsfarbe aus und nimmt sich die farblich passenden Würfel sowie die Farbkarte. Wer zuletzt etwas Süßes gegessen hat, erhält die Startspieler-Karte. Jetzt wird von den Aufgabenkarten eine Karte mehr aufgedeckt, als Spieler teilnehmen. Diese offenen Aufgaben gilt es jetzt zu lösen. 

Und das geht so: Wer an der Reihe ist, prüft zunächst, ob er eine oder mehrere ausliegende Aufgaben erfüllt hat. Dies kann natürlich ganz zu Spielbeginn noch nicht möglich sein, spätestens ab der zweiten Runde aber nahezu immer. Besagte Aufgabenkarten können beispielsweise von euch verlangen, nur 1er-Werte zu sammeln, ein Full House (z.B. 3, 3, 3, 5, 5) zu würfeln oder die niedrigste Summe aus fünf Würfeln auf der Karte abzulegen. Dass die geschilderten Aufgaben in Form von Süßigkeiten dargestellt werden, mag anfangs ungewohnt erscheinen, erleichtert aber schnell die Zuordnung, wenn man erst einmal im Spielverlauf drin ist.

Als Nächstes dürft ihr bis zu dreimal mit allen sechs Würfeln würfeln. Nach jedem Mal dürft ihr frei entscheiden, welche Würfel ihr erneut würfeln möchtet und welche ihr auf eurer Farbkarte liegen lasst, was sich vor allem dann als sinnvoll erweist, wenn ihr auf bestimmte Aufgaben hinarbeiten möchtet. Wer mag, darf auch schon vorher mit dem Würfeln aufhören und gleich zur nächsten Phase übergehen, dem Platzieren der Würfel.

Mit etwas Glück dürft ihr nun die erforderlichen Würfel auf der entsprechenden Karte ablegen. Die Aufgabe gilt damit zwar als erfüllt, doch die Belohnung gibt es erst, wenn ihr das nächste Mal dran seid. Liegen auf der Karte bereits andersfarbige Würfel eures Mitspielers, könnt ihr diese von dort herunterschmeißen, sofern ihr die Aufgabe besser gelöst habt. Ein Drilling mit 2, 2, 2 lässt sich beispielsweise mit 3, 3, 3 vertreiben. In anderen Fällen kommt es auf die höchste Augenzahl oder die größte Summe aus beliebig vielen Würfeln an. Hier hat sich Autorin Sophia Wagner schöne Variationen ausgedacht, sodass sich die Aufgabenkarten hinreichend voneinander unterscheiden.

Wer partout keine passende Würfelkombination vorliegen hat, kann die Würfel auch auf die Joker-Karten verteilen. Diese verschaffen euch bestimmte Vorteile, zum Beispiel dürft ihr die Augenzahl immer dann, wenn ihr an der Reihe seid, um 1 oder 2 erhöhen (oder verringern), nochmal würfeln oder die Würfel auf den Kopf drehen, sodass aus einer 2 eine 5 wird etc. Und wie gelangt man an diese Joker? Ebenso wie an die Aufgabenkarten – und ebenso können euch Mitspieler auch den Vorteil streitig machen, indem sie eure Würfel verdrängen, wenn sie es schaffen, die Anzahl eurer dort ausliegenden Würfel um mindestens einen zu überbieten.

Wird beim Nachziehen neuer Aufgabenkarten die „Wir schließen bald“-Karte aufgedeckt, wird die laufende Runde noch zu Ende gespielt, ehe eine weitere Runde folgt. Dann darf der Startspieler nochmal würfeln und die Würfel platzieren, allerdings nur noch, um die Würfel der Mitspieler zu verdrängen. Er selbst erhält keine Karten mehr aus dieser Runde. Die übrigen Spieler schnappen sich noch ihre Aufgabenkarten, die sie geschafft haben. Dann werden die jeweiligen Punktergebnisse der Teilnehmer addiert. Wer vorn liegt, gewinnt. Bei Gleichstand kommt es auf die Aufgabe mit dem höchsten Punktewert an. Gibt es dann noch immer keinen Gewinner, lautet das Ergebnis „Unentschieden“.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • man kann sich wunderbar ärgern
  • Joker-Karten bringen etwas Kontrolle ins Würfelglück
  • schöner Bonbonbeutel (wenn auch spielerisch nutzlos)


CONTRA

  • nervig, wenn Mitspieler zu lange grübeln
  • zu zweit nicht ganz so witzig

MEINUNG

Wer kennt nicht diese runden, zylinderförmigen Lakritzbonbons, die sich in jeder Fruchtgummi-Gemischtpackung befinden? Die einen lieben sie, die anderen können sie gar nicht ausstehen und mampfen lieber alles andere weg, bis sich schon irgendwer der ungeliebten Süßigkeiten erbarmt. So in etwa ist es auch mit Würfelspielen: Der hohe Glücksfaktor ist manchen Puristen schlicht zu viel des Guten, während ich eine gewisse Portion Würfelglück als durchaus reizvoll erachte. Nicht umsonst kommen Würfelhelden und Würfelkönig bei uns regelmäßig auf den Tisch.

Wie die beiden genannten Titel macht auch Würfelzucker seine Sache recht gut: Man ist schnell im Spielablauf drin und würfelt zunächst einfach mal munter drauf los. Sofort wandert der Blick zu den ausliegenden Aufgabenkarten: Welche davon versuche ich in dieser Runde zu erfüllen? Gibt es Kombinationen, die gut zu den ausliegenden Karten passen? Gut, dann würde ich mich wohl dafür entscheiden, einzelne Würfel liegen zu lassen und die übrigen erneut zu werfen. Oder stellt mich die Auswahl überhaupt nicht zufrieden, sodass ich mich gezwungen sehe, mit allen Würfeln erneut zu würfeln? Das kann durchaus passieren, weshalb der Glücksfaktor anfangs nicht unbeträchtlich erscheint.

Der zweite Wurf bringt zumeist hingegen schon mehr Klarheit: Komme ich meinem Plan, eine bestimmte Aufgabe zu lösen, diesmal näher, oder fällt die Würfelauslage so aus, dass ich mich nochmal anders entscheide? Spätestens nach dem dritten Wurf muss ich mich festlegen, wie ich die Würfel verteile. Die Würfel werden also auf einer oder mehreren Karte platziert (das kann auch der Joker-Kartenstapel sein) und schon ist der nächste Spieler an der Reihe. So geht es flott reihum weiter. 

Damit Würfelzucker kein solitäres Vergnügen bleibt, gibt es dieses gewisse Regeldetail, dass ausliegende Würfel weggeräumt werden können, wenn ihr es schafft, die ausliegenden Würfelwerte zu überbieten. Ein 5er-Drilling schlägt beispielsweise einen 3er-Drilling und fünf Würfel mit dem Gesamtwert 12 sind besser als fünf Würfel mit dem Gesamtwert 18, wenn es darum geht, den niedrigsten Wert zu sammeln, um nur zwei Beispiele zu nennen. 

In vielerlei Fällen kann es sogar sehr sinnvoll sein, besser eine lukrative Auftragskarte links liegen zu lassen , wenn sich stattdessen die Gelegenheit ergibt, die Würfel eines Mitspielers von einer punkteträchtigen Karte zu schubsen. Diese Gemeinheiten machen den Reiz aus, den wir an Würfelzucker sofort gemocht haben. Da kann man es durchaus verschmerzen, dass der Glücksfaktor, wie schon oben beschrieben, recht hoch ausfällt, was aber zu einem Spiel dieser Art durchaus passt. Immerhin kann man durch die Joker-Karten seine Würfe noch dezent steuern, wovon man auch häufig Gebrauch machen sollte. Am besten spielt sich Würfelzucker aus dem Bauch heraus. Man muss gar nicht allzu lange alle Möglichkeiten durchrechnen, sondern kann einfach flott die Würfel ablegen. Nervig kann es werden, wenn Spieler anders agieren, aber das kennt man ja.

In puncto Ausstattung ist es für mich persönlich zwar schade, dass man auf Plastik- anstelle von Holzwürfeln gesetzt hat, doch dafür hat der Verlag dem Spiel ein schickes Stoffsäckchen spendiert, das keinerlei spielerischen Nutzwert hat, sondern nur dazu dient, die Würfel aufzubewahren. Das hätte es zwar nicht unbedingt gebraucht, ist aber wirklich schön anzuschauen, zumal das Säckchen stilecht mit „Bonbonbeutel“ bedruckt ist. Echt nett! 

Für die gelungene Umsetzung eines ansonsten abstrakten Würfelspiels (in der Anleitung interessanterweise als „Würfelklassiker“ bezeichnet) zücke ich gern 7 Kultpunkte. Zu zweit ist das Würfel-Verdrängen nicht ganz so hitzig, weshalb ich hier einen Punkt abziehe. Und jetzt ist es Zeit für etwas Süßes. Wir Spieler mögen zwar bekanntlich keine Fettfinger an Spielkarten, aber wer kann einem Fruchtgummi schon widerstehen?

KULTFAKTOR: 6-7/10

Spielidee: 6/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

CHRISTOPH

Kinder- und Kennerspiel-Spieler, Stefan-Feld-Fan, Im-Sommer-in-jeden-See-Springer

Eine Rezension vom 28.11.2023

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: moses. Verlag
Weitere Fotos: Spielkultisten