REZENSION

WAVE

  • Genre: Kartenspiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: KOSMOS
  • Autor: Thomas Weber
  • Grafik: Kreativbunker
  • Spieler: 2 bis 4 
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 25 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel
  • Initiativlevel: 5/10

Bereit für den Wellenritt?

Irgendwo auf der Erdkugel ist bekanntlich immer Sommer. Und was liegt da näher, als sich mit lässiger Sonnenbrille auf der Nase und Reggae-Blues auf den Lippen ein Surfbrett zu schnappen, zum Strand zu eilen und bis in die Dämmerung auf den Wellen zu reiten? Zumindest darf man davon doch träumen ...

REGELN

Jede Person erhält fünf Handkarten, wobei nur drei davon wie gewohnt zu den Spielern selbst zeigen. Zwei Karten werden so gehalten, dass die Vorderseiten den Mitspielern zugewandt sind. Mit den übrigen Karten wird ein Nachziehstapel begonnen und die oberste Karte offen ausgelegt. 


Wer an der Reihe ist, muss eine seiner Karte mit zwingend steigendem Wert ausspielen – und hierfür gibt es zwei Möglichkeiten. Auf eine 2 muss zum Beispiel eine 3 oder 4 folgen, ehe dann nur noch die 5, also der höchstmögliche Zahlenwert, gelegt werden kann. Damit das Spiel an dieser Stelle nicht an ein abruptes Ende gelangt, kommen jetzt die Kartenfarben ins Spiel.


Alle Karten weisen nämlich eine ebenfalls steigende Farbwertigkeit auf, die auf einer extra ausliegenden Übersichtskarte näher beschrieben wird. So gelten weiße Karten als am niedrigsten, gefolgt von gelben, orange-, lila- bis hin zu türkisfarbenen und dunkelblauen. Da sowohl der Farb- als auch der Zahlenwert beim Ausspielen von Karten gleichberechtigt zählen, genügt es, wenn lediglich ein Merkmal höherwertig ist. Dabei darf man den Mitspielern Tipps geben, welche der verdeckten Karten sich bevorzugt eignet („Nimm die hier!“). Es dürfen jedoch weder Farbe noch Zahl konkret genannt werden.


Manche Karten führen einen Richtungswechsel herbei und verändern plötzlich die Spielerreihenfolge. Auch hierfür gibt es eine passende Übersichtskarte. 


Jeder Spielzug endet mit dem Nachziehen einer Karte vom Nachziehstapel. Dabei gilt, dass gegenteilig nachgezogen werden muss, d.h. auf eine verdeckt liegende Karte folgt eine Karte, die offen zu den Mitspielern zeigt. Im Umkehrschluss folgt auf eine offen sichtbare Karte eine verdeckte.


Ihr gewinnt das Spiel als Team mit der Höchstbenotung, wenn ihr es schafft, eure letzte Karte auf den Ablagestapel zu legen. Sollte irgendwann der Fall eintreten, dass ein Spieler seinen Zug den Regeln entsprechend nicht ausführen kann, ist die Partie zwar nicht ganz verloren, allerdings seid ihr dann nur noch „nicht schlecht“, „ziemlich gut“ etc., je nach Anzahl der verbliebenen Handkarten.


Beim Spiel zu zweit kommt ein fiktiver Spieler namens Silver hinzu, der über fünf Karten, davon drei sichtbare, verfügt. Immer dann, wenn Silver an die Reihe kommt, dürft ihr euch für eine der offen liegenden Karten entscheiden und zieht dann wieder eine Karte nach. Diese ist aber immer offen zu sehen. Sobald das Spielende eingeleitet wird, d.h. der Nachziehstapel aufgebraucht ist und Silvers letzte offenliegende Karten gezogen wurde, werden die beiden übrigen verdeckten Karten aufgedeckt und dann ebenfalls regulär ausgespielt. Erst wenn diese Karten erfolgreich auf dem Kartenstapel liegen, ist die Partie gewonnen und das Surf-Erlebnis endet vorzeitig.

In einer Variante für Experten müssen die Karten in Pyramidenform platziert werden (siehe Meinung unten).

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • coole Aufmachung 
  • schöner Kniff mit der Farbwertigkeit
  • Spielvariante inklusive


CONTRA

  • Thema kommt nur mäßig zum Tragen
  • Erfolg hängt stark vom Kartenglück ab

MEINUNG

Spiele mit verdeckt gehaltenen Karten gibt es mittlerweile zuhauf, man denke nur an die Fast-schon-Klassiker Hanabi und The Game. Bei Wave werden einige Karten „richtig“ herum und andere „verkehrt“ herum gehalten, was natürlich im Auge des Betrachters liegt. Ich entscheide mich für eine bestimmte Karte und muss darauf achten, dass entweder Zahlen- oder Farbwert steigen. Ist beides höherwertig, gilt das Ausspielen der Karte natürlich ebenfalls als erfüllt. Nachgezogen wird immer umgekehrt, sodass man stets auf die Karten der Mitspieler achten muss.


Da die Mitspieler einen Teil ihrer eigenen Handkarten also gar nicht kennen, ist man auf die Zurufe der Mitspieler angewiesen, doch direkte Hinweise („Hier ist eine gelbe 3!“) sind tabu. Anfangs kommt man beim Spielen etwas durcheinander, da man eine gewisse Routine benötigt, um die Regel „Handkarten werden umgekehrt nachgezogen“ fehlerfrei anzuwenden. So jedenfalls ging es uns in den ersten Partien. Über Sieg und Niederlage entscheiden am Spielende insbesondere die zuletzt gezogenen Karten. Wird versehentlich die ungeliebte „blaue 4“ als eine der letzten Karten gespielt, ist das vorzeitige Aus fast schon besiegelt.


Wird mit den beiden Sonderkarten gespielt, tritt gelegentlich eine Umkehr der Farb- und Zahlenwertigkeit ein, womit dann Blau der niedrigste und Weiß der höchste Farbwert ist. Wer die ganz große Herausforderung sucht, der wagt sich an „Die ganz große Welle“ heran, die nicht zu Unrecht in der Spielanleitung als sehr schwer beschrieben wird. Dadurch verändert sich das Spielprinzip nochmal ganz entscheidend und die Spieler legen ihre Handkarten in Form einer Pyramide aus, die mit 6 Karten ihren Höchststand erreicht. Das Vertrackte daran ist, dass eine Karte stets höherwertiger als die Karte links daneben sein muss – und zusätzlich höherwertig als eine Karte direkt darunter. Glücklicherweise erlaubt die Regel einen Sonderzug, der darin besteht, eine beliebige Handkarte verdeckt auf die Auslage zu platzieren und die für die nachfolgenden Spieler stets als niedrigste Karte überhaupt gilt. Diese Alternative ist ungleich schwerer zu meistern als die Grundregel und ließ in unseren Runden dessen Leichtigkeit vermissen, zur Abwechslung sorgt die Variante aber für Pepp. 


Obwohl das zugrundeliegende Thema „Surfen“ nur marginal zum Tragen kommt, gefällt mir die sommerliche Aufmachung, die schon Lust auf den nächsten Strandurlaub weckt. 

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

CHRISTOPH

Kinder- und Kennerspiel-Spieler, Stefan-Feld-Fan, Im-Sommer-in-jeden-See-Springer

Eine Rezension vom 20.12.2023

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: KOSMOS
Weitere Fotos: Spielkultisten