REZENSION

TROYES DICE

  • Genre: Würfelspiel
  • Jahr: 2020
  • Verlag: Pearl Games / Asmodee
  • Autoren: Sébastien Dujardin, Xavier Georges, Alain Orban
  • Grafik: Alexandre Roche
  • Spieler: 1 bis 10
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 20 - 30 Min.
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 5/10

Oh, jetzt ist es kaputt!

 Wir begeben uns ins mittelalterliche Troyes, wo das Leben noch durch die drei Stände Klerus, Adel und Bürgertum geregelt wird. Durch Würfel und deren Platz in der Auslage wird bestimmt, welche Gebäude wir bauen können, um Gefolgsleute zu gewinnen und Vorteile zu erhalten. Wer Einfluss, Glauben oder Geld hat, der hat dabei die größere Auswahl.

REGELN

Dies ist die Würfelspiel-Variante des 2010 bei Pearl Games erschienenen "Troyes". Der Aufbau ist recht schnell gemacht. Jeder Spieler erhält ein Blatt vom Block. Ein Spieler legt für die Nummernfelder die Reihenfolge der Zahlen 1 bis 6 fest. Alle Spieler übernehmen dies.

Die Sonnenscheibe wird in die Mitte gelegt. Die innere Scheibe wird auf Tag 1 eingestellt. Die neun Stadtplätze werden zufällig an das Rad angelegt. Und schon geht es los.
Es werden 16 Runden gespielt. Aufgeteilt sind diese in 8 Tage mit je einem Vor- und einen Nachmittag. An einem Vormittag werden alle 4 Würfel, ein schwarzer und drei transparente Würfel, geworfen und dann aufsteigend auf die Stadtplätze neben den hellen Sonnenradfeldern gelegt, beginnend bei dem mit null Kosten. Der Platz mit dem schwarzen Würfel ist unzugänglich für die Spieler. Von den transparenten Würfeln darf sich jeder Spieler gleichzeitig einen aussuchen und für eine Aktion nutzen, wobei die Kosten neben dem Würfel bezahlt werden müssen. Dann wird der Stadtplatz mit dem schwarzem Würfel gedreht und wechselt dabei vielleicht die Farbe.

Für den Nachmittag werden wieder alle Würfel gewürfelt und diesmal entlang der dunklen Felder des Sonnenrads verteilt. Sonst verläuft der Nachmittag wie der Vormittag. Nach dem Nachmittag wird das innere Rad um einen Tag weitergedreht und Tag 2 beginnt.

Ab Tag 3 fängt der schwarze Würfel an, die Stadt anzugreifen. Das Feld mit dem schwarzen Würfel ist nicht nur unzugänglich, sondern die Zahl des Würfels und die Farbe des Feldes geben auf dem Zettel jedes Spielers an, welches Feld zerstört wird. Eine "3" auf einem roten Platz greift also das rote Feld mit der "3" darauf an. Gebaute Gebäude sind davon nicht betroffen, aber alle ungebauten Gebäude dieses Feldes dürfen nicht mehr gebaut werden und werden durchgestrichen.

So verlaufen alle 8 Tage.

Es gibt drei verschiedene Aktionen der Spieler. Die Aktion hängt zum einem vom Wert des gewählten transparenten Würfels ab und zum anderen von der Farbe des Platzes auf dem er liegt.

Der Spieler kann auf rotem Grund Einfluss, auf gelbem Grund Geld und auf weißem Grund Glauben sammeln. Es werden so viele Einheiten der entsprechenden Währung ausgeschüttet, wie die Zahl auf dem Würfel vorgibt. Also: Eine weiße "4" gibt 4 Glauben, die der Spieler dann auf seinem Wertungsblatt einkreist. Sollte neben einer Einheit auch ein Gefolgsmann zu sehen sein, so gibt es diesen noch dazu. 

Einfluss erlaubt es dem Spieler, den Wert eines Würfels zu verändern. Glauben beeinflusst die Farbe. Und Geld wird benötigt, um Zugriff auf zwei der vier möglichen Plätze für transparente Würfel zu haben. Werden diese Währungen benutzt, werden die eingekreisten Symbole einfach wieder durchgestrichen.

Die anderen zwei Aktionen funktionieren beide gleich. Auf dem Wertungsblatt sind für jede Farbe in Kombination mit einer 1 bis 6 zwei Gebäude zu sehen: ein Prestigegebäude und ein Nutzgebäude. Mit einem Würfel in der entsprechenden Farbe mit der entsprechenden Nummer, kann so ein Gebäude gebaut werden. Der Spieler zeichnet dazu einfach die Silhouette des Gebäudes nach.

Ein Nutzgebäude bringt dem Spieler Gefolgsleute in der Farbe des Nutzgebäudes. Bei einer roten "3" kann das Nutzgebäude auf Feld 3 des roten Bereichs gebaut werden, welches zwei rote Gefolgsleute bringt. Diese werden einfach in der Liste der Gefolgsleute eingekreist. Bestimmte Mengen an Gefolgsleuten in unterschiedlicher oder gleicher Farbe geben manchmal noch einen Bonus.

Die Prestigegebäude haben je nach Farbe einen individuellen Effekt. Die Festungen in rot schützen die ganze Spalte, also z.B. alle Felder mit einer "4", vor den Angriffen des schwarzen Würfels. Die Markthallen in gelb geben verschiedene Belohnungen abhängig von den Plätzen, auf denen die Würfel liegen. Kathedralen ermöglichen es, Punkte für gebaute Gebäude zu bekommen, z.B. einen Punkt pro gebaute Festung. Dabei steigen mit der Anzahl der Kathedralen auch die Multiplikatoren, z.B. wenn ich erst als dritte Kathedrale die Festungs-Kathedrale baue, so erhalte ich 2 Punkte pro gebaute Festung. 

Befindet sich ein Bonus zwischen zwei Gebäuden, so bekomme ich diesen, wenn ich die beiden Gebäude errichtet habe.

Wurden alle 8 Tage gespielt, so gibt es Punkte für errichtete Gebäude, wenn die entsprechende Kathedrale gebaut wurde, für je zwei gleiche unbenutzte Einheiten der drei Währungen. Jeder Gefolgsmann ist 1 Punkt wert. Und wie so oft gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten. 

GALERIE: Klickt auf die Pfeile bzw. wischt die Fotos nach links oder rechts.

CHECKPOINT

PRO

  • interessante Entscheidungen
  • Troyes-Gestaltung
  • verschiedene Strategien


CONTRA

  • keine Interaktion

MEINUNG

2010 feierte Pearl Games sein Debut mit "Troyes", einem anspruchsvollem Würfelauswahlspiel (Dice-Drafting), und würde dafür ordentlich gelobt. "Troyes" war schon gut mit Würfeln bestückt, so erscheint es logisch, dass 2020 ein Würfelspiel nachgeschoben wurde.

Deutlich einfacher als "Troyes" ist "Troyes Dice". Es dauert 30 Minuten laut Schachtel, aber mit Regelkenntnis ist es auch locker in 20 Minuten zu bewältigen. Es ist dabei aber nicht trivial. Es bewegt sich ungefähr auf dem Level der beliebten Reihe von Wolfgang Warsch, die mit "Ganz schön clever" begann. 

Jede Runde muss ein Würfel gewählt und bezahlt werden, damit dieser entweder ein Gebäude baut oder in Währungen umgewandelt wird. Gebäude haben verschiedene Effekte, aber besonders spannend sind die Gefolgsleute, da diese Punkte bringen.

Der Reiz bei "Troyes Dice" ergibt sich aus zwei Gründen. Zum einen sind die verschiedenen Gebäude mit Boni verknüpft, welche durch geschickte Wahl weitere Boni bringen. Auch bringen bestimmte Schwellenwerte bei den Gefolgsleuten Extraboni. Dabei kann man sich auf bestimmte Farben fokussieren oder versuchen, gleichmäßig voranzukommen. Dies ist ja ganz interessant, aber wenn man nur darauf hoffen muss, dass irgendwann der richtige Würfel kommt, dann wäre dies etwas mau.

Aber jetzt kommt der schwarze Würfel ins Spiel. Dieser zerstört Würfelfelder ab dem fünften Wurf, und damit können bestimmte Gebäude nicht mehr gebaut werden. Jetzt gilt es also nicht nur zu hoffen, dass der richtige Würfel kommt, sondern auch Pläne für den Fall eines Angriffs auf das benötigte Feld zu schmieden. Ein Plan B oder Schutz sind die möglichen Optionen.

Denn in "Troyes Dice" ist der schwarze Würfel der größte Zufallsfaktor. Er kann nicht verändert werden, aber bestimmte rote Gebäude schützen vor ihm. Leider bieten diese Gebäude wenig sonstige Boni, sodass die Sicherheit den Spieler potenzielle Punkte kostet.
Die drei verschiedenen Währungen bieten auch die Möglichkeit Fortuna zu umgehen. Mit ihnen können Werte oder die Farbe verändert und die Auswahl an Würfel erweitert werden. Allerdings bringen übrige Einheiten wieder Punkte, und diese zu beschaffen ist ja auch nicht so leicht. 

Daraus ergeben sich verschiedene Möglichkeiten. Will man direkt Punkte über Gefolgsleute holen oder mit den Kathedralen? Diese geben Punkte für gebaute Gebäude. Es gibt umso mehr Punkte für Gebäude, je mehr Kathedralen gebaut werden, allerdings spielt da die Reihenfolge eine Rolle. So besteht immer das Risiko, dass der schwarze Würfel zuschlägt.
Dies ist spannend, aber auch manchmal ärgerlich.

Optisch gefällt mir "Troyes Dice" recht gut, was aber auch daran liegt, dass ich "Troyes" besitze und die Ähnlichkeiten zwischen diesen Spielen wertschätzen kann. Auch funktional ist das Spiel sehr gut. Ich war mir erst unsicher, ob ein Umranden der Gebäude wirklich gut funktioniert, aber das tut es sehr wohl. Auch sind alle wichtigen Informationen auf dem Zettel zu finden, und alles ist leicht verständlich.

Die Regel, dass in jedem Spiel die Würfelzahlen anderen Würfelfeldern zugeteilt werden, sorgt für Abwechslung, da dies auch Auswirkung darauf hat, welche Gebäude leicht zu bauen sind, aber es verlangt viel Disziplin und Aufmerksamkeit von den Mitspielern, denn schnell vertut man sich, wenn die "1" nicht das erste Feld ist.

Für mich hat "Troyes Dice" allerdings ein großes Manko. Es ist völlig egal, was die anderen Spieler tun, bis die finale Punktzahl steht. Es gibt keine Interaktion im Spiel. Die einzige Interaktion ist es, schadenfroh zu sehen, wie der schwarze Würfel bei den anderen wichtige Gebäude entfernt. Wen so etwas nicht stört, der kann bei meinem Kultwert mindestens noch einen Punkt draufrechnen. Leider sahen meine Mitspieler noch ein Problem bei "Troyes Dice": Sie waren einfach weniger beeindruckt von dem Spiel als ich. Sie fanden es etwas zu belanglos oder waren nicht zufrieden, dass die Stadt am Ende irgendwie noch so leer wirkte, wobei das ja von der Zerstörung durch den schwarzen Würfel abhängt. 

Die beiliegende Minierweiterung, welche die drei Stadtplätze mit der gleichen Farbe auf beiden Seiten noch eine weitere Eigenschaft zuteilt, hat meiner Erfahrung nach das Spiel wenig beeinflusst und nicht mehr hinzugefügt. Ich hätte diese nicht vermisst.

Fazit: "Troyes Dice" ist ein schnelles Würfelspiel mit Anspruch, welches interessante Entscheidungen bietet und eine besondere Gestaltung aufweist. Leider ist es völlig interaktionsbefreit, was nicht jedem liegt.

KULTFAKTOR: 6/10

Spielidee: 6/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 6/10

TEAM-TREND

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Die Kultfaktor-Wertungen weiterer Spielkultisten:

Nicole: 7/10
Ingo: 4/10

EUER REZENSENT

LUTZ

Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast

Eine Rezension vom 06.01.2021

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Pearl Games
Weitere Fotos: Spielkultisten