REZENSION

TINY WOODYS

  • Genre: Kartenspiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: Tiny Tami
  • Autoren: Dana Peter, Maik Werner
  • Illustrationen: Dana Peter
  • Spieler: 2 bis 6
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: ca. 40 bis 60 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 7/10

Nüsse oder Glitzerkram?

Die Waldtiere haben ihre Sammelleidenschaft für kleine Waldgeister, die titelgebenden Woodys, entdeckt. Die anderen Tiere sollten nicht herausfinden, was ihr sammelt, denn ihr gewinnt, sobald ihr vier eurer begehrtesten Woodys besitzt, und die anderen sollen euch diese nicht wegschnappen.

REGELN

In diesem possierlichen Kartenspiel sammelt ihr Woodys, die eure Aktionen verstärken, und Events, die andere ärgern. Dabei versucht ihr geheim zu halten, welche Woodys ihr sammelt, denn ihr braucht nur vier davon, um zu gewinnen.

Jeder von euch bekommt geheim eins der sechs Tiere zugelost. Jedes Tier möchte eine bestimmte Woody-Art sammeln, z.B. sucht der Igel Blätter-Woodys und das Schwein Pilz-Woodys. Haltet euer Tier vor allen anderen geheim. 

Die anderen Karten werden nach Rückseiten getrennt und jeder Stapel gemischt. Ihr bekommt je zwei Frühlingskarten. Bestimmt, wer anfängt. Jetzt geht es auch schon los.


Bist du am Zug, wählst du zwei unterschiedliche aus drei möglichen Aktionen:

  • Du kannst drei Karten ziehen. Hast du dann mehr als vier Karten, musst du Karten abwerfen, bis du nur noch vier besitzt. Es gibt Woodys, die dein Handkartenlimit erhöhen oder dich mehr Karten ziehen lassen.
  • Du kannst einen Woody von deiner Hand in deinen Sammelort spielen, d.h. du legst die Karte offen vor dir aus. Dein Sammelort hat sieben Plätze. Solltest du einen Woody spielen und alle sieben Plätze sind voll, musst du einen Woody aus dem Sammelort ablegen. Es gibt Woodys, die es dir erlauben, mehr Karten zu spielen.
  • Und die dritte Möglichkeit ist es, eine Karte vom Sammelort ins Versteck zu legen oder eine Karte zwischen Sammelort und Versteck zu tauschen. Das Versteck hat nur drei Plätze, und im Gegensatz zum Sammelort sind die Karten dort meist sicher vor Ereignissen, die andere ausspielen.


Es gibt eine Ausnahme: Spielst du einen Woody, den du schon besitzt, werden beide Woodys kombiniert, egal ob der erste Woody im Sammelort oder Versteck liegt. Die beiden Woodys brauchen zusammen nur einen Platz und geben dir ab jetzt den abgebildeten Vorteil, z.B. mehr Karten ziehen, mehr Karten spielen etc. Es gibt auch Woodys, die beim Kombinieren einen Einmal-Effekt auslösen.

Zusätzlich darfst du in deinem Zug immer ein Ereignis spielen. Diese Karten sind keine Woodys, darum werden sie nach dem Abhandeln abgeworfen. 

Dann kommt die nächste Person an die Reihe. Sollte ein Jahreszeiten-Stapel leer sein, dann werden alle abgelegten Karten in ihren Stapel sortiert und die Karten werden vom nächsten Jahreszeiten-Stapel gezogen, also erst Frühling, dann Sommer usw.

Hast du am Ende deines Zuges vier verschiedene Woodys der Art, die dein Tier sucht, hast du sofort gewonnen.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • putzige Illustrationen
  • einfache Regeln


CONTRA

  • suboptimale Kartentexte

MEINUNG

Es geht in den Wald, und der ist voller Geister, aber jetzt nicht so gruselige, halbdurchsichtige Tote, ganz im Gegenteil. Es geht um Naturgeister: die kleinen Woodys.

Diese Geister sehen so aus wie Pflanzen, Pilze oder Mineralien, aber haben eine kleine Persönlichkeit. Als Waldtier sammeln wir unsere Lieblingswoodys. Die Elster mag die glitzernden Mineralienwoodys, der Hase bevorzugt die aromatischen Kräuterwoodys.

Mit vier verschiedenen unserer Lieblingswoodys gewinnen wir das Spiel, weswegen wir möglichst lange versuchen, unser Tier geheim zu halten, sonst gönnen uns die anderen keinen unserer Woodys mehr. Zum einen sammeln wir die Woodys, um zu gewinnen, zum anderen um uns zu verbessern. Dabei fehlen auch nicht klassische Ereigniskarten mit Effekten, um die anderen am Tisch zu triezen.

Geschickt ist hierbei, dass die Karten in vier Jahreszeiten unterteilt wurden und bis zum Herbst nicht genügend verschiedene Woodys im Spiel sind, damit jemand gewinnen kann. Somit kann das Spiel nicht schnell durch einfaches Glück beendet werden, wobei es natürlich schon etwas Glück ist, von welchen Woodys ich schnell zwei bekomme, um meine Aktionen zu verstärken. Dabei muss ich mir auch Gedanken machen, wie ich verhindere, dass alle wissen, welche meine Lieblingswoodys sind. Auf der Hand halten ist nicht so eine super Idee, denn es gibt Ereignisse, die mich zwingen können, die Handkarten abzuwerfen.


In den ersten Partien kann das Spiel aber trotz der simplen Regeln manchmal ins Stocken geraten, denn dem Text auf den Karten fehlt manchmal ein Detail, welches dann nur in der Anleitung steht. Auch waren für mich die Regeln an ein oder zwei Stellen nicht so genau, wie ich es gerne gehabt hätte. Der große Fallstrick war für mich die Umschreibung des Kartenziehens. Nur wer am Zug ist, zieht dabei Karten, was für mich in der Anleitung nicht so deutlich war.

Es handelt sich bei Tiny Woodys auch nicht um einen strategisches Spiel. Ich schaue, welche Karten ich ziehe und versuche, diese geschickt zu nutzen, um schnell die benötigten Karten zu sammeln. Versuche ich mir etwas auf der Hand zurechtzulegen oder dort einen wichtigen Woody zu verstecken, könnte die Ereigniskarte „Regen“ dies schnell beenden. Es handelt sich also um ein seichtes Familienspiel, das durchaus unterhaltsam ist, auch wenn es eher traditionelle Mechanismen verwendet.

Star des ganzen Spiels sind für mich aber die Illustrationen. Die ganzen Woodys sind herzallerliebst gezeichnet und einige mit lustigen Wortspielen ausgestattet. Tiny Woodys wurde von Dana Peter alias Tiny Tami illustriert und ist in ihrem Online-Shop verfügbar (https://www.tinytami.de/product-page/tiny-woodys-kartenspiel-vorbestellung). Ich glaube auch, dass die Illustrationen schon den Geist des Spiels wiedergeben, auch wenn einige dem Irrtum erlegen könnten, es sei ein Kinderspiel.

Fazit: Tiny Woodys besticht durch seine schöne Gestaltung, während die darunter verborgenen Mechaniken gut funktionieren. Für große Strategen ist dieses kleine Spiel aber eher nichts.

KULTFAKTOR: 6/10

Spielidee: 6/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 6/10

EUER REZENSENT

LUTZ

Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast

Eine Rezension vom 17.06.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Tiny Tami
Weitere Fotos: Spielkultisten