REZENSION

SQUARING CIRCLEVILLE

  • Genre: Strategie
  • Jahr: 2021
  • Verlag: Spielworxx
  • Autor: Matt Wolfe
  • Grafik: Harald Lieske
  • Spieler: 1 bis 4
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 90 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 8/10

Die meisten Mehrheiten

 Organische Formen sind so 1805 und wir haben schon nach 1810, wir wollen schwedischen Minimalismus. Also müssen wir zusammen die Stadt Circleville von ihrer schrecklichen organischen Kreisform befreien und sie zu einem famosen Viereck machen. 

REGELN

Wir sind alle Teil der Teams, die Circlevilles runde Strukturen in ordentliche rechte Winkel umorganisieren sollen. Dafür transformieren wir Segment für Segment und schauen uns dabei an, wer dort die Mehrheit hat. Und wenn dir das nicht reicht, dann sei dir vergewissert: Auch nach der Fertigstellung gibt es noch Mehrheiten-Wertungen.
 

Unser Assistent bestimmt dabei auf einem Rondell, welche Aktionen wir ausführen. Dieses Rondell besteht aus acht Feldern in vier verschiedenen Farben (rot, blau, orange, grün). Jedes dieser Felder hat einen Stapel von vier Scheiben in eben diesen Farben. Bist du am Zug, musst du mit deinem Assistenten vorwärts ziehen. Du darfst ein bis zwei unbesetzte Felder weit ziehen, besetzte Felder werden übersprungen.

Die Position des Assistenten bestimmt durch Feldfarbe und Farbe der obersten Scheibe die zwei Aktionen, die du nun ausführen kannst. Danach nimmst du dir die Aktionsscheibe und legst sie in die Spalte der gleichen Farbe. Die beiden Aktionen kannst in beliebiger Reihenfolge durchführen. Es gibt Basis- und alternative Aktionen.

Aktionen dürfen meistens nur in dem Sektor ausgeführt werden, indem der eigene Architekt steht. Darum darfst du vor, während oder nach einer Aktion den Architekten einmal bewegen. Ein Schritt geht von einem Segment zu einem benachbarten Segment, wobei benachbarte umgebaute Segmente der gleichen Farbe als ein Segment zählen. Da du pro Zug zwei Aktionen hast, darfst du den Architekten zweimal bewegen. 

Die vier Basis-Aktionen sind einer Farbe zugeordnet. Drei davon werden nur in nicht umgebauten Segmenten durchgeführt. Bei Rot werden Straßen abgerissen (einen eigenen Würfel auf einen roten Platz setzen). Bei Blau werden Straßen gebaut (einen Würfel auf einen blauen Platz legen). Bei der orangefarbenen Aktion wird ein Haus vom Spielplan genommen (die Farbe ist da egal), auf die Gebäudereihe gestellt und ein Würfel auf den jetzt leeren Platz gelegt. Die grüne Aktion kann nur in einem umgebauten Segment ausgeführt werden. Das vorderste Gebäude aus der Gebäudereihe wird auf einen leeren Bauplatz gesellt und mit einem eigenen Würfel versehen. Jede dieser Aktionen kannst du pro Aktion mehrfach ausführen, je nachdem, wie viele Aktionsscheiben diese verstärken.


Dann gibt es noch alternative Aktionen. Statt der Aktion der entsprechenden Farbe durchzuführen, darfst du eine alternative Aktion des gleichen oder eines niedrigeren Levels ausführen. Diese Aktionen erlauben es, mehr Würfel auf fertige Segmente zu legen oder die begehrten Ausrüstungs- und Errungenschaftsplättchen zu nehmen.


Klären wir jetzt mehrere Mysterien auf.

Ausrüstungsplättchen geben dir Vorteile. Sie liegen in einer offenen Auslage, und du kannst bis zu drei haben. Mit diesen Plättchen können beispielsweise bis zu drei Schritte auf dem Rondell gemacht, mehr Würfel beim Abreißen von goldenen Gebäuden platziert oder die rote Aktion mit dem Level der blauen Aktion ausgeführt werden u.v.m. 


Jedes Mal, wenn ein Würfel in ein fertiges Segment gelegt wird, gehst du bei der Leiste dieses Stadtviertels einen Schritt voran. Dies dient dazu, dass immer deutlich ist, wer wie viele Würfel in jedem Viertel besitzt. 

Wertung: Wenn in einem Segment alle roten und blauen Plätze belegt und alle Häuser abgerissen wurden, so wird es umgebaut. Dabei gibt es Punkte abhängig davon, wer die meisten Würfel platziert hat (danach geht es absteigend weiter). Hattest du die meisten Würfel, gibt es sogar noch einen Würfel im umgebauten Segment. Wer den Umbau ausgelöst hat, bekommt ein Bonusplättchen, das einen einmaligen Bonus erlaubt und dann eine beliebige Aktion verstärkt. Später darfst du zusätzlich noch ein Errungenschaftsplättchen auslegen, welches dann durch eine alternative Aktion genommen werden kann. Errungenschaftsplättchen geben am Ende Punkte für bestimmte Bedingungen, z.B. goldene Gebäude im roten Viertel oder braune Gebäude mit eigenem Würfel. 

Errungenschaftsplättchen benutzen die selben drei Plätze wie die Ausrüstungsplättchen. Ist kein Platz frei, muss ein Ausrüstungsplättchen zurückgelegt werden.

Nach den zwei Aktionen kannst du eine Aktionsscheibe jeder Farbe abgeben, um dann eine Bonusaktion zu machen. Dies ist dann eine Aktion einer beliebigen Farbe oder deren alternative Aktion.

Spielende: Wurden alle Stadtviertel umgebaut, bekommt jeder noch genau eine Aktion, dann ist das Spiel vorbei. Jetzt werden noch Punkte für die meisten Würfel in den vier Stadtvierteln vergeben und die Errungenschaftsplättchen ausgewertet. Wer die meisten Punkte erzielt hat, könnte sich nun als Stadtplaner bewerben.

Das Spiel bietet auch einen Solo-Modus.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • wahre Begebenheit
  • klare Aktionsstruktur
  • viele Mehrheiten möglich


CONTRA

  • nüchterne Gestaltung

MEINUNG

Es ist fast kaum zu glauben, welche Geschichten das Leben schreibt. Tatsächlich gibt es die Stadt Circleville in Ohio, welche kreisrund war, bis sie in das viereckige Planstadt-Format umgebaut wurde. Dabei klingt der Name Circleville so ausgedacht wie Entenhausen oder Grüntal. 

Glücklicherweise wurde hier aber keine detaillierte Simulation des Stadtumbaus verspielt, sondern es handelt sich um ein abstraktes Mehrheitenspiel, bei dem nach und nach das Spielbrett umgewandelt wird.

Dabei sind die Grundregeln leicht verständlich, wenn auch etwas umfangreich. Das Aktionsrondell sorgt dafür, dass die eigenen Pläne immer mal wieder überdacht werden müssen oder nur mit speziellen Ausrüstungsplättchen umsetzbar sind. 

Die Ausrüstungsplättchen liefern auch meistens relativ simple Regeländerungen, welche zu starken Effekten im Spiel führen können. So kann eine gute Kombination von zwei Plättchen schon eine Strategie bilden. Wer zum Beispiel beim Bauen goldener Häuser einen Extrawürfel platziert, der freut sich sehr über das Plättchen, welches einen ein beliebiges Gebäude aus der Reihe nehmen lässt. So gibt es Abwechslung bei Squaring Circleville, aber keine krassen Veränderungen. Das eigene Spiel fühlt sich in jeder Partie immer etwas anders an, wenn die Ausrüstungsplättchen als Strategieführer genommen werden.


Mir gefällt gut, dass es so viele Mehrheiten und die Errungenschaftsplättchen gibt, sodass jeder bei irgendetwas Punkte holt. Wenn es nur eine oder zwei Mehrheitenwertungen in einem Spiel gibt, dann ist es manchmal frustrierend, wenn man gerade so am ersten Platz vorbeischrammt. Aber, und das ist bei Squaring Circleville möglich: Sich an vielen Segmenten zu beteiligen, ohne den ersten Platz zu holen, kann unter Umständen auch völlig ausreichend sein.

Bonusaktionen stellen einen dabei öfter mal vor ein Dilemma, denn so eine Extra-Aktion ist schon recht gut, aber ein Level in jeder Aktion zu verlieren ist ein hoher Preis, weswegen hier, wie auch beim Austauschen der Ausrüstungsplättchen gegen Errungenschaftsplättchen, Timing gefragt ist. Dies sind spannende strategische Entscheidungen.

In vielen Punkten erinnert mich Squaring Circleville an Reiner Knizias Blue Moon City aus dem Jahr 2006. Auch da werden für jeden Abschnitt der Stadt Mehrheiten ausgewertet, die den Teilnehmenden Belohnungen ausschütten. Auch diese Abschnitte werden dann umgebaut. Die Regeln von Blue Moon City sind dabei aber noch etwas eleganter, dafür ist das Spiel deutlich mehr vom Glück anhängig. 

Was Blue Moon City nach meinem persönlichen Geschmack besser macht, ist die Gestaltung. Squaring Circleville besitzt den Charme einer technischen Zeichnung, was vermutlich Absicht ist, aber die Illustrationen auf den fertigen Segmenten hätten für mich ansprechender ausfallen können. Ein paar Häuser und etwas Leben, das wäre für mich hier schön gewesen. Und warum müssen die Plätze für Verschönerungen genau von einem Würfel abgedeckt werden? Ein bisschen mehr Vegetation drum herum, und es wäre deutlich, warum dort ein Würfel liegt.

Was die Spieleranzahl angeht, so finde ich Squaring Circleville mit zwei Personen ein bisschen dröge, weil es weniger Strategien gibt. Flott geht es mit drei Spielern, aber am spannendsten ist es doch in der Vollbesetzung, d.h. mit vier Spielern.

Fazit: Mehr Mehrheiten gehen nicht, und es liegt ein spannendes Aktionssystem vor, welches immer wieder interessante Möglichkeiten bietet. Wer auf Mehrheiten-Spiele steht, sollte sich Squaring Circleville, trotz des eher mäßig spannenden Äußeren, mal anschauen.

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 5/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

LUTZ

Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast

Eine Rezension vom 19.09.2023

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Spielworxx
Weitere Fotos: Spielkultisten