REZENSION

REBEL PRINCESS

  • Genre: Kartenspiel 
  • Jahr: 2023 / deutsche Version: 2024
  • Verlag: Zombi Paella / deutsche Version: Wonderbow Games
  • Autoren: Daniel Byrne, José Gerardo Guerrero, Kevin Peláez, Tirso Virgós
  • Grafik: Alfredo Cáceres
  • Spieler: 3 bis 6
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: ca. 40 Min.
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 6/10

Royale Rebellinnen

Prinzessinnen müssen heiraten, um die Abstammungslinie aufrecht zu erhalten. Oder um Allianzen zu sichern. Oder um Frieden zu stiften. Oder um die Finanzen aufzupolieren. Jetzt haben wir aber gar keine Lust darauf, und deswegen verliert in diesem Stichspiel, wer die meisten Heiratsanträge sammelt.

REGELN

Rebel Princess ist ein Stichspiel, das sehr stark an Hearts erinnert, bei dem unsere Prinzessinnen fünf Tage lang feiern. Die Prinzen waren gar nicht eingeladen, haben sich aber eingeschlichen. Und nun versuchen die Prinzessinnen an jedem Tag des Festes ihren Prinzen zu meiden.

Um Rebel Princess zu spielen, nehmt euch je eine Prinzessin. Dann sucht euch 5 Rundenkarten heraus, dabei gibt es eine Empfehlung fürs erste Spiel und die allgemeine Empfehlung, eine Karte mit Sanduhr in der letzten Runde zu spielen. Die 5 Karten werden verdeckt hingelegt und die erste Karte für die erste Runde (1. Tag) herausgelegt.

Dann mischt die Karten, die für eure Anzahl vorgesehen sind. Bei 4 Personen spielen von jeder Farbe die Karten 1 bis 10 mit. Wie in einem klassischen Kartensatz gibt es 4 Farben (Königinnen, Tiere, Feen und Prinzen), in denen jeder Wert von 1 bis 12 vorliegt. Die Karten werden gemischt und gleichmäßig an alle Prinzessinnen verteilt. Eine Vorgabe zeigt, in welche Richtung ihr wie viele eurer Handkarten weitergebt. Jetzt schaut ihr, welche Regeln euch die Karte dieses Tages bringt. Die Rundenkarten bieten verschiedene Situationen, z.B. dass nach jedem Stich eine Karte weitergegeben wird, oder dass ihr die letzte Karte des Tages schon am Anfang des Tages bestimmen müsst.

Am ersten Tag beginnt, wer sich zuerst eine Prinzessin ausgesucht hat. Danach folgt immer die Prinzessin, die den letzten Stich des Vortages gewonnen hat.

Eröffnest du einen Stich, darfst du eine beliebige Karte spielen, wobei Prinzen nur als erste Karte eines Stichs gespielt werden dürfen, wenn bereits eine Prinzenkarte an diesem Tag gespielt wurde. Der Reihe nach spielt ihr nun je eine Karte. Wenn du kannst, musst du dieselbe Farbe spielen, die die erste Karte des Stichs hat. Kannst du diese Farbe nicht spielen, dann darfst du spielen, was du magst.

Habt ihr alle je eine Karte gespielt, sammelt die Person, die die höchste Karte in der Farbe der ersten Karte gespielt hat, den Stich ein. Wer eine andere Farbe gespielt hat, bekommt den Stich nicht. Hast du den Stich gewonnen, spielst du die erste Karte des folgenden Stichs.

Wurden alle Karten gespielt, zählt ihr, wie viele Anträge ihr bekommen habt. Jeder Prinz macht einen Antrag. Die 8 der Tiere ist dabei ein verzauberter Prinz, der gleich fünf Anträge macht. Schreibt die Anträge auf.

Sammelt eure Karten wieder ein, mischt diese, teilt sie aus und deckt die Rundenkarte für den folgenden Tag auf.

Einmal am Tag kann die eigene Prinzessin ihren speziellen Effekt nutzen. So können Karten ausgetauscht, Kartenwerte verändert oder andere Prinzessinnen zum Spielen bestimmter Karten gezwungen werden.

Spielt so alle 5 Tage des Festes. Wer dann die wenigstens Anträge in Summe gesammelt hat, ist die rebellischte alle Prinzessinnen.


Hinweis: Zum Test lang uns das Spiel mit englischer Anleitung vor; eine deutsche Version ist für das Jahr 2024 geplant bei Wonderbow Games.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • schöne Illustrationen
  • besonderes Thema
  • bekanntes Prinzip neu gewürzt


CONTRA

  • Regelunklarheiten
  • Karten nicht für Linkshänder
  • Prinzessinnen nicht gleich stark

MEINUNG

Royale Familien haben es heutzutage nicht leicht. Sie haben praktisch keine echte Regierungsgewalt, müssen aber bestimmte Regeln einhalten, um ihr öffentliches Ansehen zu wahren. Wer von Gott auserwählt ist, über andere zu herrschen, kann ja nicht irgendwen heiraten.

In Rebel Princess haben die Prinzessinnen beschlossen, mal gar nicht übers Heiraten nachdenken zu wollen. Darum machen sie ein fünftägiges Fest, aber die Prinzen versuchen sich einzuschleichen, um trotzdem ein paar Anträge loszuwerden.

Dieses Thema ist natürlich ein bisschen besonders. Wir versuchen also keine Liebespaare zu finden und niemand muss gerettet werden. Die tollen Illustrationen auf den Karten, besonders von den Prinzessinnen, schaffen dabei auch eine passende Atmosphäre. Die Prinzessinnen stammen dabei aus Märchen und Folklore, allerdings finden wir darunter auch Mulan, Scheherazade, Pocahontas und die Eisprinzessin. Hier orientierte man sich schon an bekannten Disney-Prinzessinnen, die auch ohne royale Abstammung oft so genannt werden. Die Eisprinzessin ist vermutlich auch statt der Schneekönigin im Spiel, weil letzte ja die böse Figur des Märchens war.

Beim Spiel selber handelt es sich um eine Hearts-Variante oder, besser gesagt, um viele Hearts-Varianten. Ich denke, vielen Personen ist Hearts in digitaler Form bekannt, weil es bei einigen Windows-Versionen vorinstalliert war. In Kürze: Bei Rebel Princess spielen wir Stiche und versuchen keine Prinzen und besonders nicht die 8 der Tiere einzusammeln. Der große Unterschied zu Hearts ist die Variation im Spiel. Jede Prinzessin kommt mit einem eigenen Effekt. Es wird schnell deutlich, dass nicht jeder Effekt gleich einfach zu nutzen ist. Manche brauchen geschicktes Timing, andere sind nur in recht spezifischen Situationen nützlich. Bei vielen meiner Mitspielern entstand der Eindruck, dass einige Prinzessinnen stärker sind als andere. 

Die andere große Variation sind die Karten für jede Runde. Von den 21 Rundenkarten werden immer nur fünf pro Spiel gebraucht, sodass sich das Spiel von Partie zu Partie schon stark verändern kann. Da jeder Tag in sich geschlossen ist, reicht es auch, immer gerade die Regeln des aktuellen Tages zu verstehen. Die 21 Karten haben recht unterschiedliche Effekte. Die eine Karte sorgt dafür, dass Königinnen jetzt die Trumpffarbe sind, also auch gewinnen, wenn die angespielte Farbe nicht Königin war, eine andere Karte lässt euch Karten verdeckt spielen, und wieder eine andere sorgt dafür, dass auch Tiere Anträge bringen.

Die Kombination eines klassischen Kartenspiels mit diesen variablen Elementen funktioniert für mich wirklich gut. Klar, vom Spielmechanismus bekommt jetzt keiner Höhenangst aufgrund der Höhe der Innovation, aber es funktioniert halt alles super. Alle Personen hatten Spaß an diesem Prinzip, und die Regeln sind einfacher zu lernen als bei Witches, der Heart-Variante von Amigo. Viele meiner Mitspieler wollten noch einmal spielen, selbst wenn sie recht schlecht abgeschnitten hatten, denn die Variation bei Rebel Princess gibt einem immer wieder Hoffnung, dass das Glück einem beim nächsten Mal hold ist.

Das Glück spielt natürlich immer eine Rolle in solchen Kartenspielen, aber einerseits wird dies durch das Weitergeben von Karten etwas abgefangen und andererseits hat sich mal wieder gezeigt, dass jemand mit viel Erfahrung in Stichspielen oft auch noch ein schlechtes Blatt ausnutzen kann. Meine Mitspieler hatten dabei übrigens verschiedene Niveaus, was die Erfahrung mit Stichspielen angeht, aber alle konnten problemlos mitspielen, mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Weniger erfolgreich finde ich die Funktionalität der Kartengrafik. Auf den Rundenkarten hätte ich mir das Sanduhr-Symbol gewünscht, damit ich nicht jeder Person, die die Rundenkarten wählt, auch das Regelheft geben muss. Und noch viel schlimmer erscheint es, dass ich die Karten nicht um 180 Grad drehen oder nach rechts auffächern kann, so wie es Linkshänder mögen, denn die Zahl der Karte steht nur in der oberen linken Ecke. Das kann dann durchaus unnötigerweise den Spielspaß für die Personen trüben, die es nicht gewohnt sind, Karten in der verlangten Richtung aufzufächern.

Kleine Schwächen gibt es auch bei der Beschreibung der verschiedenen Rundenkarten in der englischen Anleitung. Wer also, Stand Februar 2024, die portugiesische oder spanische Sprache beherrscht, ist da im Vorteil, denn dann können auch die anderen beiliegenden Regelhefte gelesen werden. Eine deutsche Version wird bald folgen.

FAZIT: Trotz fehlender Werte in den rechten oberen Ecken der Karten und kleinen Regelunklarheiten bei manchen Rundenkarten, ist Rebel Princess für mich eine tolle neue Variante des bekannten Grundprinzips von Hearts, auf jeden Fall sehr spielenswert nicht nur wegen des frechen Themas und der bezaubernden Illustrationen, sondern hauptsächlich wegen der Variationen.

KULTFAKTOR: 8/10

Spielidee: 6/10
Ausstattung: 6/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

LUTZ

Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast

Eine Rezension vom 15.02.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Zombi Paella
Weitere Fotos: Spielkultisten