REZENSION

MEISTERCOUP

  • Genre: Kartenspiel
  • Jahr: 2024
  • Verlag: Funnyfox / im Vertrieb von Asmodee
  • Autoren: Alexandre Droit, David Paput
  • Grafik: Ulric
  • Spieler: 3 bis 6
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: ca. 25 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht 
  • Taktiklevel: 5/10

Zahlen, Karten, Allianzen

Dieses ungewöhnliche Stichspiel belohnt in jeder Runde die beiden Spieler, die die höchste und die zweithöchste Karte einer Farbe ausgespielt haben. Welche Farbe allerdings gewertet wird, bestimmt nicht der Anspielende, sondern die Gruppe, denn das Spiel folgt dem Motto: Die Mehrheit siegt!

REGELN

Das Spiel enthält 48 Karten in den Farben lila, blau, gelb und grün, jeweils mit den Werten von 1 bis 12. Mischt diese Karten und teilt jedem 8 zufällige aus. Die Rückseiten der Karten verraten, welche Farben die anderen Personen auf der Hand halten, nicht aber die Werte dieser Karten.

Als Startspieler spielst du die erste Karte aus. Alle anderen spielen reihum ebenfalls eine Karte aus. Achtung: Es herrscht kein Bedienzwang, d.h. jeder darf völlig frei entscheiden, welche Karte von der Hand in die Mitte gespielt wird!

Nun werden die Werte der Karten verglichen bzw. die Werte identischer Kartenfarben aufaddiert. Die Person, die zur erstplatzierten Farbgruppe (höchster addierter Wert) mit der höchsten Karte beigetragen hat, darf sich eine Karte aussuchen. Genommene Karten sammelt ihr als offene Auslage vor euch. Die Person, die die zeithöchste Karte (oder die höchste Karte der zweitplatzierten Farbgruppe) ausgespielt hat, erhält die beiden niedrigsten noch ausliegenden Karten aus der Mitte in den eigenen Vorrat. Diese Person eröffnet dann die nächste Runde.

Generell gilt: Bei Gleichständen bei den Farbsummen erhält immer die höhere ausgespielte Karte den Zuschlag, gibt es dabei erneut einen Gleichstand, gewinnt die zuerst ausgespielte Karte den Stich. Auch einzelne Karten können eine Farbgruppe sein.

Hast du mindestens vier verschiedenfarbige Karten gesammelt, erzielst du damit einen „Meistercoup“, bei einem erneuten Set auch einen zweiten und evtl. später auch einen dritten. Meistercoups werden auf dem Wertungsblatt markiert. Solltest du deinen dritten Meistercoup landen, gewinnst du das Spiel sofort!

Andernfalls wird nach einem kompletten Durchgang (8 Stichrunden) abgerechnet. Jede gesammelte Karte ist 1 Punkt wert, jeder Edelstein auf einer gesammelten Karte liefert dir einen weiteren Punkt. Sollte niemand zuvor seinen dritten Meistercoup werten, werden drei komplette Durchgänge gespielt. Wer dann insgesamt die meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt.

Variante für 4 oder 6 Personen: Bildet zwei Teams. Gespielt wird nach den üblichen Regeln, allerdings wird bei einer Wertung immer nur ein Teammitglied berücksichtigt, das ihr am Ende einer Runde bestimmen dürft.

GALERIE

CHECKPOINT

PRO

  • interessanter neuer Stichspiel-Kniff
  • gut geeignet als Team-Spiel


CONTRA

  • teilweise kein wirklicher Einfluss
  • teilweise Königsmacher-Effekte

MEINUNG

Immer wieder versuchen Kartenspiele, die altbekannte Stichspiel-Idee mit neuen Kniffen anzureichern. Da gab es dann Spiele, die die Regeln jeder Runde neu definierten, Inside Job führte die Rolle eines Verräters ein, Die Crew lies und kooperativ spielen. Auch Meistercoup ist kein gewöhnliches Stichspiel, denn anders, als bei klassischen Spielen dieser Art, gibt es hier keinerlei Bedienzwang. Ich kann also stets spielen, was ich möchte.

Taktisch wird das Spiel dann durch die Regel, dass die Werte der ausgespielten Karten gleicher Farben addiert werden. So bilden wir also öfters Allianzen mit der Konkurrenz. Aber warum sollten wir das tun? Nun: Wer die höchste Karte der wertvollsten Farbe ausgespielt hat, darf eine beliebige Karte für Punkte an sich nehmen. Das muss nicht zwingend die höchste Karte sein, denn mitunter sind es auch die niedrigeren Karten, die einem wertvolle Edelsteine liefern. Auch kann es natürlich zielführend sein, bewusst die Farbsets für schnelle Meistercoups zu sammeln.

Damit nicht automatisch die höchste ausgespielte Karte immer den größten Vorteil bei einer Wertung hat, gibt es dann noch die schöne Regel, das die zweitplatzierte Person die beiden niedrigsten Karten erhält, was nichts Schlechtes sein muss, im Gegenteil. Vielleicht liegt da noch eine Karte mit Edelsteinen aus, vielleicht sind es sogar zwei verschiedenfarbige Karten, die schneller zum Meistercoup führen. Ja, vielleicht möchte ich also sogar Zweiter werden.

Nun zeigt sich recht schnell, dass sowohl die Spielerzahl als auch die Sitzreihenfolge einen großen Einfluss aufs Spielgefühl haben. Zu dritt entstehen oft eher weniger befriedigende Königsmacher-Effekte, denn die dritte Person entscheidet nicht selten darüber, welche Farbe bei der Wertung den Zuschlag erhält. Auch kann es passieren, dass die dritte Person direkte ausgeknockt wird, wenn die beiden Personen vor ihr die beiden höchsten Karten identischer Farbe ausspielen.

In größerer Besetzung fällt das weniger auf. Dennoch ist es auch hier so, dass die anspielende Person die geringste Kontrolle über den weiteren Verlauf der Runde besitzt. So entstehen dann durch die verschiedenen Allianzen immer wieder Überraschungsmomente, die vielleicht niemand wirklich eingeplant hat. Wer am Ende der Spielerkette sitzt, hat auch dann immer noch den größten Einfluss darauf, was gewertet wird, wobei es schon darauf ankommt, hohe Karten zu besitzen. Besitze ich nur Karten mit kleinem Wert, kann ich auf einen Abstauber-Platz-2 hoffen. Wenn ich aber so richtig Pech habe, gewinne ich damit überhaupt keine Karten. Einen Ausgleich in Form von Null-Ansagen wie bei Wizard oder Skull King gibt es hier nicht.

So lässt mich Meistercoup ein wenig zwiegespalten zurück. Die Idee gefällt mir, die Praxis teilweise aber weniger. Ja, befinde ich mich am Ende der Spielerreihenfolge, kann ich durchaus taktieren und das Spiel in für mich gute Bahnen lenken bzw. der Konkurrenz bestimmte Karten verwehren. Nicht wenig hängt aber auch einfach vom Kartenglück ab - und von der Konkurrenz. Je mehr mitspielen, umso interessanter werden die Farbgruppen-Wertungen, umso weniger habe ich aber auch die Möglichkeit vorherzusagen, wohin die Kontrahenten den Verlauf einer Runde treiben.

Wer also die etwas chaotischeren Kartenspiele mag, der sollte sich Meistercoup mal anschauen. Wer mit Überraschungs- und kollektiven Ärgerelementen weniger etwas anfangen kann, dem würde ich bei Meistercoup dann am ehesten noch zur Team-Variante raten. Die ist tatsächlich in der Hinsicht interessant, als das es dann mehr Sinn macht, bestimmte ausgespielte Farben zu pushen, weil man dadurch dann auch explizit den Teammitgliedern helfen kann und nicht, im schlechtesten Fall, einfach nur der Königsmacher für die Konkurrenz ist.

KULTFAKTOR: 6/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 6/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 07.05.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Funnyfox / Asmodee
Weitere Fotos: Spielkultisten