REZENSION

FANTASY RANCH

  • Genre: Familienspiel / Kinderspiel in der Variante
  • Jahr: 2022
  • Verlag: Spielefaible
  • Autorinnen: Keshia Swanlund, Anastasia Swanlund
  • Grafik: Anastasia Swanlund
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 5 / ab 10 Jahren (je nach Variante)
  • Dauer: ca. 15 bis 75 Min.
  • Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel
  • Taktiklevel: 6/10

Das Leben ist ein Ponyhof!

In zwei verschiedenen Spielen, einem einfachen Laufspiel und einem taktischen Familienspiel, geht es für euch auf eine Ranch. Kleinen und großen Pferdefreunden stehen da insgesamt sechs verschiedene Varianten zur Auswahl.

REGELN

Das Spiel beinhaltet neben dem Hauptspiel noch ein Bonusspiel, Der Reitausflug. Beginnen wir mit dem Bonusspiel.

Der Reitausflug – Junior ist die einfachste Laufspiel-Variante und bereits für Kinder ab 5 Jahren geeignet. Der Spielplan wird mit der Laufseite nach oben ausgelegt. Es wird eine offene Auslage aus vier Pferdekarten gebildet. Jeder nimmt sich ein Charakterplättchen mit Aufsteller (gilt als Spielfigur) und einen Würfel in der eigenen Farbe. Die Spielfiguren werden aufs Startfeld gestellt. Generell gilt: Besetzte Felder werden übersprungen. Wer dran ist, würfelt und zieht entsprechend der Würfelzahl nach vorn. 

Das Feld, auf dem die Figur stehen bleibt, bestimmt den weiteren Zug:

  • Turnierfeld: Alle werfen ihren Würfel. Die höchste Augenzahl gewinnt das Turnier. Der Besitzer des gewinnenden Würfels darf sich eine Pferdekarte aus der Auslage nehmen. Die Auslage wird sofort wieder aufgefüllt.
  • Tauschfeld: Tausche eine eigene schon erworbene Pferdekarte gegen eine Karte aus der offenen Auslage oder gegen eine Karte eines Mitspielers.
  • Markt-/ Kauf-/ Tombola-/ Fohlen-Feld: Der Spieler darf sich ein Pferd aus der Auslage nehmen.
  • Möhrenfelder und Ortsfelder bleiben in dieser Variante unbeachtet.


Die Felder besitzen zur Unterscheidung einen kleinen Schriftzug. Wer zuerst im Ziel ankommt, erhält nochmals zwei Pferde aus der Auslage. Dann endet das Spiel. Es gewinnt der Spieler mit den meisten erworbenen Pferden.


In der Variante Der Reitausflug – Einsteiger steigert sich der Schwierigkeitsgrad durch die Nutzung der weiteren Felder. So gibt es nun einen Finanzbonus von 4 Möhren. Außerdem dürfen sich die Spieler vor ihrer Bewegung die Richtung aussuchen. Der Pferdekartenstapel wird an die Variante angepasst durch Aussortieren verschiedener Pferdekarten (Fohlen werden separiert und bilden einen eigenen Stapel).

Nun gilt:

  • Turnierfeld: Betrifft alle Spieler, die eine Pferdekarte mit dem entsprechenden Farbsymbol besitzen. Eine Pferdekarte aus dem eigenen Fundus in der Farbe des aktiven Turnierfeldes wird genommen. Die entsprechend farbige Zahl (untere Symbolreihe) bestimmt die Anzahl der zu verwendenden Würfel. Die höchste Augenzahl gewinnt zwei Möhren.
  • Marktfeld: Der aktive Spieler kann sich mittels Möhren eine Pferdekarte kaufen von der offenen Auslage, vom Fohlenstapel oder von einem anderen Spieler.
  • Kauffeld: Der aktive Spieler kauft sich eine Pferdekarte aus der offenen Auslage.
  • Tombola: Alle werfen genau zwei Würfel ihrer Farbe, wählen den höheren. Wer dann die höchste Augenzahl geworfen hat, gewinnt ein Pferd aus der Auslage. Es wird bei Gleichstand weiter gewürfelt, bis ein Sieger feststeht.
  • Fohlen: Der aktive Spieler nimmt sich eine Fohlenkarte vom Stapel.
  • Auf Möhrenfeldern erhält man Möhren in der gezeigten Anzahl.
  • Alle anderen Felder bleiben noch unbeachtet.


Das Spiel endet, sobald ein Spieler das Ziel erreicht. Jeder Spieler zählt seine Pferdekarten und die Anzahl der erworbenen Trophäen auf den Pferdekarten (jede Trophäe auf einer Pferdekarte gilt als 2 Punkte.). Es gewinnt der Spieler mit der höchsten Punktezahl.


In der dritten Variante Der Reitausflug - Cowboy-Level kommen nun noch die Geländefelder als Hindernisse hinzu und die Tombola ändert sich im Ablauf. Das Spiel endet, wenn der erste Spieler ins Ziel eingelaufen ist. Nun erfolgt eine weiter veränderte Wertung: Jedes Pferd bringt 1 Punkt, jede Trophäe 1 Punkt, jedes identische Freundschaftssymbol auf den Pferdekarten (Sterne, Blumen usw.) bringt Punkte in Abhängigkeit der Häufigkeit (zwei gleiche = 2 Punkte, drei gleiche = 3 Punkte). 

Die andere Spielplan-Seite bietet dann das eigentliche Hauptspiel Fantasy Ranch, ebenfalls in drei Level-Abstufungen:


Greenhorn-Level

Der Spielplan zeigt die Turnierseite und den Markt. Alle Pferdekarten und Fohlen werden gut gemischt und als verdeckter Stapel auf dem entsprechenden Feld des Spielplans bereit gelegt. Davon werden acht Karten für die offene Auslage gezogen. Jeder Spieler erhält vier Pferdekarten, vier Möhren, vier Stiefel, ein Ranch-Tableau und ein Geländetableau mit Markern. Für die vier Pferdekarten erhält jeder vier Pferde-Figuren in der jeweils entsprechenden Geländefarbe (rot, grün, braun, beige, silber). Die Pferde bleiben solange im Heimatstall, bis sie dem jeweiligen Zielgelände zugeordnet werden können. Zum Start darf man ein beliebiges Gelände freischalten, indem man das dortige Geländeplättchen entfernt und das passende Pferd in dieses Gelände stellt. Der Heimatstall besitzt nur Platz für drei Pferde. Entfernte Geländeplättchen werden gesammelt und bringen am Ende Siegpunkte.


Das Ziel ist es, am Ende die meisten Siegpunkte zu generieren. Es wird in 2 Phasen gespielt:

Phase 1

Wer an der Reihe ist, darf eine von drei Aktionen ausführen:

  1. Pferd kaufen (Pferd aus der offenen Auslage mittels Möhren kaufen und dessen Figur auf das eigene Geländetableau stellen, bei passendem Gelände oder freiem Platz im Heimatstall)
  2. Gebiet freischalten (Geländeplättchen entfernen, wird mit Stiefeln bezahlt)
  3. Ranch bewirtschaften (Der Spielende erhält sechs Waren aus dem Vorrat: Stiefel und Möhren in beliebiger Zusammenstellung.)


Der Spieler darf zusätzlich kleine freie Aktionen ausführen:

  • Pferde vom Heimatstall auf passende Gebiete versetzen (und umgekehrt)
  • Pferd verkaufen gegen Möhren (Achtung: Die Pferdefigur muss ebenfalls entfernt werden)
  • Tausch 2:1 (Stiefel gegen Möhren oder Möhren gegen Stiefel).


Es wird reihum gespielt, bis alle Spieler einmal an der Reihe waren. Danach folgt die Turnierphase.


Phase 2

Jetzt wird der Turnierplan benötigt. Jede Runde beinhaltet zwei Turniere. Jedes Turnierfeld zeigt eine Farbe. Jeder Spieler wählt ein Pferd mit einem Symbol der übereinstimmenden Farbe und nimmt sich die entsprechende Anzahl der Würfel. Besitzt ein Spieler kein Pferd in der Farbe, nimmt er nicht teil. Alle anderen werfen ihre Würfel. Wer die höchste Würfelzahl erzielt, gewinnt und nimmt sich den Preis des entsprechenden Turnierfeldes (Möhren, Pferde, Stiefel).


Dann beginnt eine neue Phase 1. Es folgen insgesamt fünf Runden. Nach der fünften Runde endet das Spiel. Wer dann die meisten Siegpunkte besitzt, gewinnt. Es gibt dabei 1 Punkt pro Pferd, 1 Punkt pro Trophäe und 1 Punkt pro freigeschaltetem Gelände. 


Wrangler – Level

Neu hinzu kommen nun Bonus-Karten. Sie werden anhand der Level-Vorgaben aussortiert. Sie kommen als gemischter verdeckter Stapel neben den Turnierplan. 


Der Aufbau verändert sich nur leicht. Jeder erhält vier Pferdekarten, die mittels Drafting unter den Spielern reihum verteilt werden. Dann verläuft das Spiel weitgehend wie im Greenhorn-Level. Wer nun an der Reihe ist, zieht zuerst eine Bonuskarte. Sie kann als freie Aktion im eigenen Zug eingesetzt werden und Extra-Züge, Extra-Pferde, Extra-Siegpunkte usw. enthalten.


Die Wertung verändert sich stark, denn nur noch Pferde mit gleichen Freunde-Symbolen werden einbezogen. Zusätzlich gibt es Siegpunkte durch die Bonuskarten. Einen Bonus erhält man nun durch eine komplett freigeschaltete Ranch.


Das letzte Level ist das Boss-Level. 

Beim Aufbau wird der Spielplan mit sichtbarer Turnierseite gewählt. Die Turnierkarten werden gemischt und auf die Turnierfelder gelegt. Mitarbeiter kommen als zusätzliche Aufsteller ins Spiel (sechs Charaktere mit Sonderfähigkeiten). Reihum beginnend beim Startspieler, darf jeder eine Figur auswählen. Jeder Spieler erhält in der eigenen Farbe nun noch Upgrade-, Besitz- und Einstellmarker, ein eigenes Ranch-Tableau, Würfel in seiner Farbe, vier Möhren, vier Stiefel. Alle Spieler erhalten sechs Pferdekarten, von den vier Karten nach dem Drafting behalten werden dürfen. Die Geländetafeln werden nun aber zu einem großen Geländeverbund zusammengelegt. Der letzte Spieler, der seine Geländetafel anfügt, darf den ersten Heimatstall für sich mittels Besitzmarker markieren und passende Pferde einstellen. Alle Bonuskarten werden gemischt. Es wird eine offene Auslage von vier Bonuskarten neben dem Spielplan errichtet.


Das Spiel verläuft erneut in zwei Phasen, Phase 1 als Spielerphase, Phase 2 als Turnierphase.


Wer an der Reihe ist, darf erneut eine der drei beschriebenen Aktionen auswählen und zusätzliche freie Aktionen ausführen. Hier kommen zusätzliche Möglichkeiten ins Spiel:

  • Mitarbeiter benutzen (eigenen oder vom anderen Spieler, letzterer erhält zwei Stiefel oder Möhren als Bezahlung)
  • Eine ausliegende Bonuskarte benutzen.


Am Ende des eigenen Zuges wird der eigene Mitarbeiter mit einem Mitarbeiter aus der freien Auslage getauscht. 


Waren alle Spieler an der Reihe, folgt die Turnierphase. Die neuen Turnierkarten verändern den Ablauf nicht und zeigen nur neue Preise. Außerdem erhalten die Spieler nun ggf. bei einem Sieg Upgrade-Marker. Sie werden genutzt beim Gelände-Kauf. So wird das Freischalten der Gelände preiswerter. Wer das zweite Turnier der Runde gewinnt, wird nun neuer Startspieler.


Nach der fünften Turnierrunde endet erneut das Spiel. Die Wertung ist identisch mit der des Wrangler-Levels.

CHECKPOINT

PRO

  • zwei mitwachsende Spiele – vom Kinder- bis zum Familienspiel
  • schönes Material
  • ideal für Pferdefreunde 


CONTRA

  • auch im Fortgeschrittenen-Spiel glücksabhängig
  • Anleitung teilweise etwas verwirrend

MEINUNG

Beim Öffnen der Schachtel kommt einem zunächst einmal reichlich Material entgegen: Marker, Foto-Karten, mehrere Spielpläne, Würfel und ein ganzer Satz winzigkleiner Minipferd-Figuren. Das Herz von großen und kleinen Pferde-Fans lässt das Material schon mal höher schlagen. 


Jeder Spieler wird Besitzer einer eigenen Pferde-Ranch. Der Hauptspielplan ist doppelseitig bedruckt und zeigt auf der einen Seite ein Laufspiel und auf der anderen Seite ein Optimierungsspiel. Zu jeder der beiden Seiten gibt es eine einfache Variante und zwei aufbauende Varianten für diejenigen, die mehr wollen. 


Beginnend beim Reitausflug werden Pferde gesammelt, die Würfel gerollt und vorwärts in Richtung Ziel gelaufen. Es gilt nicht, der erste im Ziel zu sein, denn für den Sieg muss man die meisten Pferdekarten besitzen. Bereits beim nächsten Laufspiel-Level gilt es erste Entscheidungen zu treffen, Möhren zu sammeln und erneut viele Pferde zu besitzen. In der dritten Variante kommen dann noch Hindernisse und Trophäen hinzu. 


Die andere Seite zeigt einen Turnierspielplan, mit Platz für einen Pferdemarkt. Jeder besitzt nun einen Ranchplan und weiteres Zubehör. Es geht nun darum, die eigenen Pferde im Würfelturnier gegeneinander antreten zu lassen, und die eigene Ranch immer weiter zu vergrößern. Am Ende gewinnt nun derjenige, der die meisten Trophäen sammeln konnte, in Form von Pferdekarten, Boni, und Gebieten. 


Der Platzbedarf ist dabei schon recht hoch. Die Materialfülle mag Einsteiger ein wenig abschrecken, obwohl die Spiele an sich nicht schwer zu erlernen und durch logische Symbole rasch verständlich sind. Die Pferdekarten mit den Fotografien und Rassenbenennungen begeistern alle Pferde-Fans, ebenso die winzigen (1,3 x1,5 cm) Pferdchen, die im Optimierungsspiel genutzt werden. Letztere sind aber für Grobmotoriker denkbar ungeeignet. Die realen Ranch-Namen machen zudem neugierig, die entsprechend verlinkten Webseiten auch zu besuchen. 


Was dabei vielleicht etwas irritiert, ist die große Altersspanne. Das kleine Laufspiel ist tatsächlich leicht von Kindern ab 5 Jahren zu bewältigen, während die größte Anleitung dann doch schon für erfahrenere Familien geeignet ist. Hier muss aber der in allen Spielen deutliche Glücksfaktor erwähnt werden. Auch der Name des Spiels hinterlässt Fragezeichen, denn die Ranch hat nichts mit dem „Fantasy“-Genre zu tun. Vielleicht wäre „Fantastic Ranch“ der passendere Titel gewesen. 


Fazit: Fantasy Ranch ist eine kleine Spielesammlung für Pferde-Fans, die vor allem durch ihre Anpassungsfähigkeit punktet. So wächst das Spiel quasi mit, sodass Familien mit kleinen oder auch schon größeren Kindern immer das passende Spiel auf den Tisch bringen können. Das Spiel ist ganz klar für diese Zielgruppe konzipiert, reine Erwachsenen-Runden waren in unserer Gruppe weniger an der Fantasy Ranch interessiert. 

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10

EURE REZENSENTIN

GABI

Immer-und-Überall-Spielerin, Spieleberaterin, Krankenschwester

Eine Rezension vom 02.05.2023

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Spielefaible
Weitere Fotos: Spielkultisten