REZENSION

DISNEY AROUND THE WORLD

  • Genre: Kinderspiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: Ravensburger
  • Autorin: Marisa Peña
  • Grafik: Jacob McAlister
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 4 Jahren
  • Dauer: ca. 15 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 2/10

Tut mir leid, Pocahontas!

In diesem Spiel reist euer Nachwuchs mit dem Heißluftballon in sechs verschiedene Disney-Länder und trifft dort auf bekannte Charaktere. Wer als erster vier Stempel sammelt, gewinnt die Wettfahrt, die auch vom Wetter beeinflusst wird. 

REGELN

Puzzelt den Spielplan zusammen, nehmt euch jeweils ein eigenes Sammeltableau sowie einen Heißluftballon in der Farbe eurer Wahl, den ihr auf das Startfeld eines beliebigen Landes stellt. Stellt die Wolke in beliebiger Richtung (im / gegen den Uhrzeigersinn) in ein Land, in dem kein Heißluftballon platziert wurde. Gebt alle Stempel-Plättchen in den Kunststoffbeutel, mischt die Plättchen gut durch und zieht sechs (im Spiel zu zweit) bzw. sieben (im Spiel zu dritt oder viert) zufällig heraus. Legt die Plättchen auf die passenden Felder des Spielplans. Mischt zudem die Sonnenplättchen verdeckt und legt sie als Stapel in die Mitte des Plans.

Gespielt wird reihum. Bist du am Zug, wirfst du den Würfel und führst die entsprechende Aktion aus. Danach ist die nächste Person an der Reihe. Folgende Aktionen sind auf dem Würfel zu finden: 

  • Zeigt der Würfel eine Zahl, darfst du mit deinem Heißluftballon die entsprechende Anzahl an Feldern (1 bis 4) in einer Richtung deiner Wahl (im oder gegen den Uhrzeigersinn) ziehen. Du darfst nicht in das Land einreisen, in dem sich gerade die Wolke befindet. Erreichst oder überquerst du bei deiner Fahrt ein Stempel-Plättchen aus einem Land, von dem du bisher kein Plättchen gesammelt hast, nimm das Plättchen vom Plan und lege es auf dein Tableau. Ziehe anschließend ein neues Plättchen aus dem Beutel und lege es auf das vorgegebene Feld.
  • Zeigt der Würfel die Sonne, deckst du das oberste Sonnenplättchen auf. Ist ein Länder-Symbol zu sehen, darfst du dich nun auf das Startfeld dieses Landes bewegen. Ist ein Kompass zu sehen, darfst du dich auf das Startfeld eines beliebigen Landes bewegen. Auch hier gilt: Das Land, in dem sich die Wolke befindet, darf nicht bereist werden. Ist auf dem Plättchen das Wolken-Symbol zu sehen, änderst du die Windrichtung, indem du den Wolken-Aufsteller in die gegensätzliche Richtung drehst.
  • Zeigt der Würfel das Wind-Symbol, zieht die Wolke in das nächste Land in Windrichtung. Befinden sich Heißluftballons in dem Land, werden diese, ebenfalls in Windrichtung, auf das Startfeld des nächsten Landes vertrieben.


Wer als erster vier Stempel-Plättchen (aus vier Ländern) gesammelt hat, gewinnt das Spiel.

GALERIE

Anklicken / Antippen für Komplettansicht

CHECKPOINT

PRO

  • schöne Optik, die besonders Disney-Fans begeistert
  • einfache Regeln ermöglichen einen schnellen Einstieg ins Spiel


CONTRA

  • extrem glückslastig
  • mitunter Frustmomente
  • Beutel aus Plastik

MEINUNG

Ja, die Welt von Disney übt immer wieder eine eigene Magie aus, Kinder (und auch Erwachsene) lieben ihre Helden, die sie im Spiel auf den Lauffeldern des farbenfrohen Spielplans wiederentdecken können. Die Optik des runden Spielplans ist auf jeden Fall gelungen, wenn wir auf die Zielgruppe schauen, und die ist hauptsächlich unter Kids im Kindergarten- bzw. Vorschulalter zu finden. „Ab 4 Jahren“ wird das Spiel empfohlen, und in der Tat sind die Regeln simpel genug, damit die Kleinen es, einmal gut angeleitet, schnell verstehen. Dass die Heißluftballons nur aus Papp-Aufstellern bestehen, kann man da verschmerzen, ein Beutel aus Stoff hätte es aber schon sein dürfen, um den guten Eindruck vom Material aufrechtzuerhalten. Der beigelegte Druckverschlussbeutel aus blau eingefärbtem Plastik erinnert eher an die Verpackung von sterilem OP-Material oder an eine luftdichte Verpackung von Knabbersnacks. Ja, wenn man einigermaßen behutsam mit dieser Tüte umgeht, erfüllt sie ihre Zwecke, aber dennoch hat man da doch etwas am falschen Ende gespart. Nichtsdestotrotz: Die Gestaltung des Spiels kommt bei den Kids gut an, insbesondere bei Disney-Fans.

Das eigentliche Spiel ist dann ein sehr einfaches Lauf- und Sammelspiel. Der Würfel bestimmt, was ich in meinem Spielzug machen darf. Würfele ich eine Zahl, besteht meine einzige Entscheidung aus der Richtungswahl, in die ich ziehe, wobei diese durch die Stempel-Plättchen, die ich sammeln soll, meistens schon vorgegeben ist. Würfele ich den Wind, versetze ich die Wolke, kann damit eventuell Mitspieler (oder mich selbst) ärgern, vielleicht aber sogar auch helfen, wenn ich schneller ins Nachbarland gelange. Die Sonne hält dann noch ein weiteres Glückselement für mich parat - entweder ändere ich hier nur die Windrichtung oder aber ich darf in ein anderes Land, im besten Fall in ein Land meiner Wahl fahren. Mehr ist es nicht.

Disney Around the World ist somit ein Wettrennen. Wer als erster vier Plättchen aus vier Ländern sammelt, gewinnt. Und da zeigt sich dann in der Praxis, wie simpel die Regeln sind, denn eigentlich entscheidet oft allein das Glück, wer hier gewinnt. Die eigenen Überlegungen sind überwiegend recht banal, taktische Entscheidungen gibt es nur im geringsten Maße. Die Zielgruppe der Vierjährigen kommt dabei meistens doch erstaunlich gut mit diesem Glücksfaktor klar, für sie ist der Würfelwurf noch spannend, während ältere Kinder sich recht schnell unterfordert fühlen, was auch für mitspielende Erwachsene gilt. Natürlich muss man bei Spielen für die jüngste Zielgruppe Abstriche im Spielanspruch machen, und doch gibt es da mittlerweile einige Titel auf dem Markt, die einfach mehr bieten als Würfeln und Laufen, hier noch dazu in einem kompetitiven Wettlauf.

Um Frustmomente gar nicht erst entstehen zu lassen, setzen moderne Kinderspiele ja heutzutage oft auf eine kooperative Spielweise. Disney Around the World tut dies nicht. Und prompt gab es bei uns Runden, in denen die Frusttoleranz der Kleinen tatsächlich auf die Probe gestellt wurde. Da gab es die eine Person am Tisch, die immer wieder Vieren würfelte und sich so rasant über den Spielplan bewegte, die vielleicht sogar, bei eine Einreisesperre durch die Wolke, im entscheidenden Moment eine Sonne auf dem Würfel zu sehen bekam, die sie dann auch noch in ein Land ihrer Wahl reisen ließ. Da sind die vier Stempel dann schnell gesammelt. Und dann gab es auch die Person am Tisch, bei der Murphys Gesetz immer wieder zuschlug - die Person, die in ihrem Spielzug immer wieder und wieder das Wind-Symbol würfelte, somit immer nur die Wolke versetzte, aber keine Plättchen sammeln konnte, weil ihr Heißluftballon sich gar nicht in Bewegung setzen wollte, und wenn, dann vielleicht nur einen Schritt durch eine erwürfelte Eins machte. Ja, das ist schon hart, da man durch schlechtes Würfeln dann echt zum Zuschauen verdammt sein kann. Das fühlt sich dann einfach nicht gut an.

Hinzu kommt, dass die Anleitung, trotz der extrem simplen Regeln, dann auch noch gewisse Fragen offen lässt. Darf ich beispielsweise mehr als ein Stempel-Plättchen pro Spielzug sammeln, wenn mich meine Bewegung über zwei ausliegende Plättchen in zwei verschiedenen Ländern führt? Die Anleitung spricht da immer nur von einem Plättchen?! Was passiert, wenn ich mich bewege, aber nicht in ein Land einreisen darf, weil die Wolke es gerade blockiert. Mache ich dennoch Schritte bis zur Grenze oder verfällt meine gesamte Bewegung? Keine Antwort darauf in der Anleitung. Dürfen sich mehrere Heißluftballons auf einem Feld aufhalten? Anscheinend ja, dennoch sagt die Regel dazu nichts Konkretes. Das sind so Kleinigkeiten, die man zwar für sich schnell klären kann, die aber den Eindruck hinterlassen, dass die Disney-Lizenz hier ein wenig als Ausgleich dient.

Nun muss ich sagen: Die angesprochenen jüngeren Kinder haben durchaus Spaß mit Disney Around the World, wenn sie zu den Disney-Fans gehören und bisher noch keine großen spielerischen Erfahrungen gesammelt haben. Und doch gibt es da immer wieder diese Situationen am Tisch, die uns zwischendurch echt frustrieren, als dass sie für Spannung sorgen, insbesondere wenn es immer wieder dieselbe Person trifft, die ihren Heißluftballon einfach nicht richtig in Bewegung setzen kann, weil das Würfelglück nicht mitspielt. Rein spielerisch würde ich Disney Around the World daher sogar unter dem Durchschitt einsortieren, mit dem Optik-Plus mag es die perfekte Zielgruppe evtl. noch als besser empfinden. Im Vergleich zu anderen Kinderspielen, die auch für diese Altersgruppe mehr Raffinesse bieten, kann ich insgesamt leider nur 4, maximal 5 Kultpunkte für kleine Disney-Fans, vergeben.  

KULTFAKTOR: 4-5/10

Spielidee: 4/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 4/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 11.06.2024

Dieser Testbericht wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Ravensburger
Weitere Fotos: Spielkultisten